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Leipzig iſt jezt folgendes Werk erſchie— nen:„Der unumſtößliche Beweis, daß im Jahre 3446 vor Chriſtus am 7. September die Sündfluth geendet habe und die Alphabete aller Völker erfun— den worden ſeien, vom Profeſſor G. Seyffarth, ein Beitrag zur Kirchenge—
ſchichte des alten Teſtaments und zur
vierten Säkularfeier des Typendruks““ (Verlag von Schulz u. Thomas). Könn⸗ te auch den Titel führen:„Gelinder Wahnſinn.“— Die Phyſiologen haben über die Konſiſtenz der Zähne bisher mancherlei Anſichten gehabt. Darauf aber iſt bis jezt noch keiner gekommen. daß ſie aus Federn beſtehen, wie uns Herr F. von Sallet in der Zeitſchrift „der Pilot“ belehrt, indem er ſagt:
Am Ende werden noch alle Leut
So jämmerlich human,
Daß auszurupfen der Arzt ſich
ſcheut Einen hohlen, ſchmerzenden Zahn.—
Mignon-Zeitung.
Wiesbaden. Gutzkow fragt: Wird der Tod, den kürzlich ein Wahn— ſinniger im Wiesbadner Kochbrunnen ſuchte und fand, der Frequenz des Ba— des nicht ſchaden? Wenn die Damen auf der Promenade ihr Glas an den Mund ſezen und ſich denken müſſen: „Ich trinke hier die Abkochung eines ſich ſelbſt ermordet habenden Wahnſin— nigen.“
Warſchau. Den Juden in Polen wurde neulich befohlen, den Brannt- wein nicht mehr glasweiſe auszuſchen— ken, und ſie ſchenkten ihn nun in Tö⸗ pfen. Nun wurde geboten, ſie ſollen ihn nur in Fäſſern ausgeben, da ließen ſie Fäſſer machen, die man für einen Groſchen bekommt, bis endlich die Be— hörden deutlich und endringlich redeten.
Memeln. Im„Memeler Anzei⸗ ger“ iſt Folgendes zu leſen:„Geſtern
Nachts raſchelte es bei mir, der unter— zeichneten Wittwe, im Holzgewölbe. Ich war ſo eben vom Kummer über den un— beſonnenen Hintritt meines ſeligen Man— nes, der zwei Tage vorher an Keller— hinabſtürzungsfolgen geſtorben, einge— ſchlafen, als es bei mir wieder raſchel⸗ te, u. ich empor fuhr:„Jeremias, biſt du es?“ fragte ich,„oder iſt es dein Geiſt, der erſt Sonntags begraben wird??“ Da raſchelte es zum Drittenmale, und ſchlug ein Schloß auf. Holla, Diebe! ſchrie ich, und zündete ein Licht an. Leiſe ſchlich ich mich zum Holzgewölbe, und ſah zu meinem Entſezen wirklich einen Dieb, der ſo eben beſchäftigt war, in mein Kohlen-, Holz- und Schinken—⸗ magazin einzubrechen, um Würſte zu ſtehlen. Wie eine Furie fuhr ich auf ihn hin, und pakte ihn, er aber blies mir das Licht aus, u. verſchwand, nicht mehr Zeit mir gönnend, als ihm mit einer Kohle die ich raſch ergriff, ein Kreuz auf den Rüken zu zeichnen. Dar— an kann ihn nun Jedermann erkennen, und ich bitte, mir zu dem Diebe be—⸗ hilflich zu ſein, gegen Entſchädigung meiner Unkoſten. Margaretha Binzler, Schinken⸗, Kohlen- u. Holzhändlerin.“ Etwas von Allem. Die bel⸗ giſche Regierung hat ein Gemälde Rem⸗ brands um 18,000 Fr. für das Muſeum angekauft,— In Brünn ſind Meyer⸗ beers„Gibellinen“ getheilt an zwei Abenden gegeben worden.— Mad. Stö⸗ cel⸗Heinefetter gibt jezt mit Beifall in Mainz Gaſtrollen; ſie geht auch mit der Mainzer Oper nach London.— Europa ſagt:„Einen Beweis, wie man drei Namen und doch keinen Namen haben kann, liefert die Sängerin Cza⸗ bon-Pohl-Beiſteiner.“— Die Wiener Zeitſchrift:„der Adler?“ ſezt ſeine Pränumerationspreiſe herab; das Blatt hat ſich ſchon längſt herabgeſezt.— Der Kapellmeiſter Spöttler, der einige Zeit Ole Bull begleitete, iſt zu Laibach ge⸗
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