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Kunſt und ſeiner Geſchichte, denen Niemand ganz zu widerſtehen vermag, ſeine Pein, aber es dauerte nicht lange, und neben Suſannen's Bild, das immer wieder in ſeiner Seele anftauchte, erſchien Alles, was ihm Italien bieten konn⸗ te, dürftig und farblos.— Er war ein halbes Jahr von England's neblichtem Boden entfernt, da erkrankte er in einem Wirthshauſe auf der Straße nach Neapel ſehr bedeutend; der Arzt, den man an ſein Lager berief, erklärte tro ken, er wolle nichts mit einem Kranken zu thun haben, nach dem der Tod ſchon die Knochenfauſt ausſtrekte, und der nur dem Rufe ſeiner Geſchiklichkeit ſcha— den könne.
Während der arme Mocker, fern von der Heimath, auf dem Schmerzens— lager litt, vergaß der glükliche Davidſon an Suſannen's Seite, welche kurze Friſt ſeinem irdiſchen Glüke geſezt war. Die Tochter des Goldſchmieds hatte ihm mit Freuden ihre Hand gereicht, und ihm, durch Mocker's Abweſenheit er— muthigt, geſtanden, ſie liebe ihn ſchon ſeit lange, habe aber nicht gewagt, ihn ihre Liebe errathen zu laſſen, um nicht Mocker traurig und bitter gegen ſie wer⸗ den zu laſſen. Ganz der glüklichen Gegenwart zu eigen, fand ihr glüklicher Gatte in ſeiner kräftigen Bruſt hinlänglichen Muth, jeden Gedanken an die Zukunft zu verſcheuchen. Die Liebe des holden Weibes, die ſein Leben verſchönte, füllte ſein ganzes Daſein ſo ſehr aus, daß Furcht und Kummer keinen Naum in ſeinem Herzen fanden.* a
Acht Jahre waren ſo verfloſſen, und die Zeit des Scheidens kam näher und naher... Eine unwillkürliche Schwermuth trübte allmälig Davidſon's heiteren und zufriedenen Sinn. Oft haftete auf der reinen und fröhlichen Stirn ſeiner Frau trüb und thränenfeucht ſein Auge. Erhob dann aber Suſanna ihren Blik zu ihm, dann verbarg ein Lächeln ſeine Traurigkeit, und er ſuchte ſeinen Zü— gen den Ausdruk des Glükes und der Liebe zu geben. Ja, es begegnete ihm wohl, daß er weinen mußte, wenn er ſeine kleine Mary liebkoste; das einzige Kind, das der Himmel ihm geſchenkt hatte. ö
„Mocker,“ ſagte er ſich oft,„hat mir zehn glükliche Jahre verſprochen, er hat mich betrogen, ich bin ſchon jezt nicht mehr glüklich, und habe doch noch zwei Jahre zu leben. Zwei Jahre noch, und dann wird meine Frau an meinem Sterbebette weinen, und mein Kind ſich in Trauer kleiden! Und für meinen Ne— benbuhler fängt das Leben an, das für mich zu Ende geht. Ach, ich hätte warten ſollen... ich dachte damals nicht an den fürchterlichen Schmerz der Trennung... ich war damals noch nicht Vater, nur ein wahnſinniger und ungeduldiger Lieb— haber... Hund in meiner Verblendung ſegnete ich das Geſchik, das mir die Pein zehnjährigen Wartens erſparte.— In ſolchen Stunden voll Reue und Niedergeſchlagenheit fragte ſich Dabvidſon dann wohl, ob er in der That an den Eid gebunden ſei, den er ſeinem Freunde geſchworen. Seit jenem Abende in Maſter Troughtons Taverne hatte er nichts mehr von Mocker gehört, er hoffte (und ſein Gewiſſen warf ihm oft dieſe Hoffnung vor), jener lebe nicht mehr, und der Himmel habe in ſeinem Mißfallen über das frevelhafte Spiel, das die Beiden getrieben, den Einen in ſeinem Zorne getroffen, und damit den Andern ſeines Eides entbunden. Aber ſeine Redlichkeit trug über ſolche Sophiſtereien zu— leit doch immer den Sieg davon, und das Reſultat ſeiner trüben Stunden blieb ſtets: ich will meinen Eid halten und ſterben.(Beſchluß folgt.)
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