Kobold ſie denn plage, ſo ſeine nächtliche Ruhe zu ſtören.—„Suchen Sie mit uns,“ riefen ihm Beide zu.—„Schön, aber was denn, ſind Sie einer Maus oder einer Ratte auf der Spur?“—„Helfen Sie uns unſere Guinee ſuchen, Maſter Troughton.“—„Eine Guinee! Ja, das iſt freilich der Mühe o —„Sie ſollen ſie haben, wenn Sie ſie finden.“—„Schönen Dank, meine Herren,“ lächelte der dike Wirth, und kroch auf den Knien umher. Es dauerte auch nicht lange, ſo hob er die verhängnißvolle Guinee triumphirend in die Höhe. Davidſon und Mocker aber erhoben ein verzweiflungsvolles Geſchrei. Da der Wirth das Goldſtük auf gehoben hatte, war die ganze Entſcheidung des Schik⸗ ſals zu Nichte geworden.—„Hol der Teufel den diken Troughton!“ fuhr Mo—⸗ cker auf.—„Das Fluchen iſt ſündhaft,“ ſprach Davidſon begütigend,„und der Fluch fällt auf den zurük, der ihn aus geſprochen. Der gute Wirth wird ſo gefällig ſein, und uns Würfel geben, noch einmal wollen wir dann das Ge— ſchik befragen...“—„Was haben denn die beiden Nachtſchwärmer vor?“ murmelte dieſer vor ſich hin, und nahm aus einem Wandſchranke einen Würfel—⸗ becher und zwei Würfel. Davidſon griff ſchnell nach dem Becher, und warf ihn um, ohne zu zaudern:„Acht,“ rief er,„ich kann gewinnen.“
Mocker ſchüttelte die Würfel lange, ehe er den Wurf wagte, endlich war es geſchehen; er hatte nur ſieben geworfen.—„Ich habe verloren,“ ſagte er, tief aufſeufzend,„lebe wohl Davidſon... Morgen geht es zu Schiffe, und erſt in zehn Jahren ſieht mich Altengland wieder.“—„Lebe wohl Mocker. Kehrſt du zurük, ſo ſollſt du nicht über mich klagen dürfen. Ich werde die Be⸗ dingungen unſeres Vertrages pünktlich erfüllen.“—„Du ſchwörſt mir das.“— „Bei meiner Ehre und meiner Seele ewigem Heil.“
Die beiden Freunde verließen die Schenke. Weinend umarmten ſie ſich, denn ſie liebten einander, wie Brüder, und ſchieden dann; der Tag begann ſchon zu grauen.
Am andern Mittage erzählte Davidſon dem Herrn Burk hard und ſeiner Familie, Mocker habe eine Reiſe angetreten, die ihn mehrere Jahre fern halten werde. Suſanna fand es ſehr Unrecht, daß der Freund ohne Abſchied gegangen ſei. Indeſſen war ihr Unmuth darüber ſo flüchtiger Art, daß Davidſon daraus für ſeine Liebe die glüklichſten Schlüſſe zog.— Mocker hatte wirklich ein Schiff beſtiegen, das ſeine Anker nach Frankreich lichtete.
Vierzehn Tage ſpäter ward Suſanna Burk hard, Miſtriß Davidſon; und während ſie in London die Hochzeit feierten, war Mocker auf dem Wege nach Italien. Kein froher Reiſender, beſuchte er das Paradies Europa's, er war bleich und todtmatt von folterndem Seelenſchmerz, in den Dörfern, durch die ſein Weg ging, ſagten die Leute:„Der Engländer will gewiß in Nizza ſter— ben.“ Aber mit aller Kraft kämpfte der Unglükliche wider die Verzweiflung an, die ſein Leben vergiftete. Um die zehn Jahre ſeiner Trennung von Su⸗ ſanna ertragen zu können, mußte er Suſanna jezt zu vergeſſen ſuchen, und aus Zerſtreuungen, die Kraft ſchöpfen, zehn Jahre ohne ſie zu leben. Als er Da⸗ bidſon den ſeltſamen Vertrag vorgeſchlagen, der ihn jezt aus dem Heimathlande trieb, hatte er nicht bedacht, daß ihn der Tod überraſchen könne, ehe ſeine Verbannung zu Ende, und ehe die Stunde ſeines Glükes da ſei... Jezt kam ihm in einſamen Nächten dieſer Gedanke, und peinigte ihn mit furchtbaren Qua— len.— Eine Weile lang linderte Italien mit den Reizen ſeiner Natur, ſeiner


