Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
194
 
Einzelbild herunterladen

194

verſtändigen.Ich bin begierig, rief Davidſon vor Ungeduld, und einem unerklärbaren Schreken zitternd.Wenn ich dir nun die Hand Suſannen's, ihre erſte Liebe und zehn glükliche Jahre mit ihr abtreten wollte...Mo cker, mein ganzes übriges Leben ſollte dann dein gehören.Wohl, aber eben ſo denk ich auch, und des halb einigen wir uns wohl. Einer von uns Da vidſon(und das Schikſal ſoll entſcheiden), ſoll unſeres Herrn Burkhard liebliche Tochter heirathen, ſein Nebenbuhler ſoll London, ſoll ſelbſt das Vaterland ver laſſen, damit die Liebe zu ſeines Freundes Gattin nicht deſſen Ruhe ſtöre. Aber der Andere, wird er nicht aus Gram und Verzweiflung ſterben? Das wäre thöricht... denn nach Verlauf von zehn Jahren kommt an ihn die Reihe, an Suſannen's Seite glüklich zu werden, er wird dann die Kinder aus ihrer erſten Ehe die ſeinigen werden laſſen, und das Recht haben, ſeine Frau zu behalten, bis der Tod ſie ihm nimmt, und dieſen Engel in den Him mel zurükträgt, aus dem er ſtammt.Aber... der erſte Gatte?... ſtammelte Davidſon mit zitterzder Stimme.Er wird eben dem zweiten Plaz machen.Und, wie das?...Seine Frau wird Wittwe werden... Er wird ſich tödten...Ja, aber hat er nicht zehn Jahre lang ein mehr als menſchliches Glük genoſſen?Zehn Jahre... und der andere ſein ganzes Leben hindurch...Ja, aber muß nicht der andere zehn Jahre in den hölliſchen Qualen der Eiferſucht harren... und nicht das junge, blühende Mädchen, nur die Wittwe wird die Seine...Ich willige in den Vertrag, fiel ihm Davidſon ſchnell in die Rede...und ich nehme die erſten zehn Jahre.Einen Augenblik noch Geduld, mein Freund! wer ſagt dir, daß ich dir Miß Suſanna jezt gutwillig überlaſſe? Ich hoffte vielmehr, du würdeſt warten wollen...Nun denn, laſſen wir Fortuna entſcheiden. Gut, aber auf welche Art?Durch eine Schachparthie.Das dauert zu lange...Kopf oder Schrift einer Münze.Es ſei. Hier iſt eine Guinee, die werf' ich in die Höhe... was willſt du?Kopf, ſchrie Mocker,und Gott ſtehe mir bei...

Das Goldſtük fiel auf den Boden nieder, und rollte lange unter den vie len Tiſchen des Gaſtzimmers umher, wobei es den Freunden, die ſtieren Auges nach ihm ſpähten, aus dem Geſichte kam. Endlich hörten ſie, wie es ſtill lag; aber es nun finden, ward eine ſchwierige Aufgabe. Die Lampe, die ſie auf den Boden ſezten, erhellte nur ſpärlich den ſchmuzigen Boden und die Tiſche warfen lange Schatten, in die ihr Strahl nicht drang. Es war im Januar, fußho her Schnee lag in den Straßen London's, und dennoch trof von Davidſon's und Mocker's Stirne Schweiß in dichten Tropfen... Das Schikſal hatte über ihre beiden Geſchike entſchieden, er hatte ſchon Suſannen's erſten Gatten genannt, und den Gemahl der Wittwe Mocker, oder der Wittwe Davidſon be zeichnet... Sein Spruch war da... ihnen nahe, und dennoch konnten ihre Augen ihn nicht ſehen, und die verhängnißvolle Guinee ſchien ſich eigenſinnig ihren Augen verbergen zu wollen, und ihrer langen Erwartung zu ſpotten.

Auf den Lärm, den die Velden machten, indem ſie Tiſche und Stühle von ihren pläzen rükten, erwachte Maſter Troughton, der ſchon lange einge ſchlummert war. Er dachte, Diebe ſeien bei ihm eingebrochen, und ſuchten nach Beute. Bald aber ſah er, die ihm wohl bekannten Herren Goldſchmiede ſeien es, die dieſen unangemeſſenen Lärm vollführten, und fragte ſie lachend, welcher