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rend iſt für die Künſtlerin der Umſtand, daß ſie für ihre Gaſtrollen kein Hono— rar annahm. Als ſie Fünfkirchen ver⸗ ließ, begleiteten ſie mehrere Stationen weit die angeſehenſten Perſonen des Ba— ranyer Komitats,— eine Ehre, die Mad. Lendvay, deren Gatte hier der trefflichſte Schauſpieler iſt, in jeder Be— ziehung verdiente!— Rottmann.
Mignon Zeitung
München. An den hieſigeu Stra— ßeneken war unter den verlorenen Ge— genſtänden auch ein Bracelet von bedeu— tendem Werth annoncirt, und dem red— lichen Finder eine namhafte Belohnung zugeſichert. Ein elegant gekleideter Herr erſchien bei Gericht; wies das Bracelet vor, ſchlug die angebotene Belohnung aus, und bat nur, daſſelbe der Eigen— thümerin perſönlich übergeben zu dür— fen. Zugleich erſuchte er, daß ihm ein Diener der Juſtiz als Begleiter mitge— geben werde. Man willfahrte ſein em Verlangen, und beide Herren verfüg— ten ſich in die Wohnung des Frauen— zimmers. Dieſe bezeugte eine außeror— dentliche Freude über die Wiedererlan— gung ihres Bracelets, und wollte alſo— gleich die Rekompence ausbezahlen. Der Fremde verbat ſich dieſelbe wieder und ſprach:„Sie erhalten nur unter der Bedingung das Bracelet wieder, wenn Sie mir die goldene Doſe zurükſtellen, die Sie mir jüngſt im Theater aus der Taſche genommen haben.“ Die Dame war wie von Donner gerührt u. wollte nichts von allen dem wiſſen.„Läugnen ſie nicht, ſprach jener, denn das Bra⸗ celet befand ſich an der Stelle meiner Tabaks doſe in meiner Taſche. Es hat ſich von Ihrer Hand zufällig gelöſt, in⸗ dem Sie den verhängnißvollen Griff machten. Sie haben ſich ſelbſt gefan— gen.“ Hiermit übergab er die ſaubere Perſon dem Diener der Gerechtigkeit.
Augsburg. Hier hat der Gaſt⸗ geber zu den„drei Mohren“ ein neues Reizmittel angewendet, die Leute auf die Redoute zu loken. Er hat nämlich die gegenwärtig dort anweſenden drei Wilden: einen Indianer, eine Südame— rikanerin und eine Auſtralin auf die— ſen Redoutenball geladen. Das iſt ſehr pfiffig, der Gaſtgeber ladet Wilde ein, damit ſchöne Leute auf die Redoute kommen.
Wien. Bei der Kaiſer-Ferdinands⸗ Nordbahn wird vom nächſten Halbjah— re an die Leitung des Baues und jene des Betriebes der Bahn, um größere Ordnung zu bewirken, getrennt wer— den. Als Baudirektor iſt der berühmte Ober-Ingenieur Negrelli, ein geborner Oeſterreicher, zulezt in der Schweiz durch Straßen- und Vrükenbauten aus—⸗ gezeichnet, engagirt worden; die Lei— tung des Betriebes iſt dem k. k. Kreis⸗ Ingenieur Hrn. Schmidt übergeben.
NewYork. Eine amerikaniſche Zeitſchrift warnt vor dem voreiligen Verſezen erfrorner Menſchen in warme Zimmer oder Betten, und erzählt einen unlängſt vorgekommenen Fall, daß näm— lich ein Erfrorner in eine warme Stu— be gebracht, und mit Tüchern zugedekt worden ſei, um ihn durch Erwärmen zum Leben zu erweken. Als man aber nach einiger Zeit nach dem Unglüklichen habe ſehen wollen, ſei nichts zu finden geweſen, als naſſe Bettlaken, und am Fußboden ein Rükſtand Flüſſigkeit. Der arme Kerl war ganz zerſchmolzen.
Mailand. Die in den Annalen des italieniſchen Theaters ſo berühmte Sängerin Paſta lebt ſchon lange von der Bühne entfernt, im Beſize ei⸗ nes bedeutenden Vermögens, in Mai⸗ land im Kreiſe ihrer zahlreichen Fami— lie. Nächſtens will ſie jedoch noch ein— mal in einem Konzerte auftreten, das zum Vortheil armer Kinder gegeben wer— den ſoll. Es iſt bekannt, daß die Paſta


