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das Weib eines Hirten war; ſie hütete die Heerde, und ihr ſeltenes Talent ward nur durch Zufall entdekt. Einer ihrer Lehrer, der Chevalier Micheloux, lebt noch in Mailand; er iſt einer der
ö gründlichſten Mufikenner Italiens, und
kennt und liebt auch deutſche Kompoſi—⸗ tionen.
Berlin. Ein ſehr komiſcher Druk— fehler beluſtigt jezt die Verliner. In dem Wohnungs-Anzeiger für 1840 iſt nämlich zu leſen: Crüſemann roher Stadtverordneter und Sei⸗ denwaarenhändler, ein Seiten⸗ ſtük zum„ledernen Handſchuhmacher““ und zur„reitenden Artilleriekaſerne.“
Lokal-Zeitung. Döbler.
Ja, der verſleht den Jocus Neit ſiat hoeus poeus!
Bürger.
Zehn Jahre ſind verfloſſen, als wir den Jüngling Döb ber in den Geſchwiſterſtädten Peſth und Ofen einen harten Kampf beſtehen ſahen. Ein furchtbarer Rivale, der famöſe Bosco, buhlte zugleich mit ihm um die Gunſt des Publikums und wenn auch nichts— deſtowenkger der junge Künſtler hie und da ſiegreich hervor ging, konnte er es doch im Ganzen mit dem Gewandten und Vielerfahr— nen nicht aufnehmen. Zehn Jahre ſind eine große Spanne Zeit; ſehen Sie aber Döbler jezt an, meine Damen, ſo werden Sie mir wohl geſtehen, daß dieſer Mann in ſolch jugendlicher Blüthe ſteht, daß Sie daran zweifeln, daß er ſchon vor zehn Jahren elne Rolle ſpielte. Iſt das Zauberei? In der That, es iſt nicht das kleinſte Kunſtſtük Doblers— Geſchwindigkeit iſt's auf alle Fälle: er ſchreitet über zehn Jahre ſchnell hinweg u. bleibt ſich gleich. Gleich? Nur in der Per— ſönlichteit, gleich liebenswürdig! Aber in ſei— ner Kunſt? Da iſt er der größte Eskamoteur der Welt. Er hat ſich ſelbſt eskamotirt. Döbler von 1830 und Döbler von 1840 ſind in Punkt der Kunſt zwei ganz verſchiedene Dinge. Daß er jezt alle Erwartungen übertraf, wird mir das große Publikum eingeſtehen, das ſich am 18. d. M. im ungariſchen Theater einfand, n Dobler ſeinc erſte Vorſtellung gab. Schon
das Erſcheinen des Künſtlers, in ſeinem präch— tig u. effektvoll ausgeſtatteten Laboratorium, erregte die höchſte Senſation. Der intereſ— ſante junge Mann erſchien unter donnerndem Eljen-Rufe, er drükte ein Piſtol ab u. hun⸗ derte von Lichtern entbrannten wie mit einem Zauberſchlage. Beim Glanze dieſer Lichter führte er nun ſeine unbegrelflichen Zauber ſtüke aus, und ach! mit einem Vortrage, mit einer Grazie und Nobleſſe mochten wir ſagen, daß er auch manches Herz bezeuberte. Man hatte faſt nicht Zeit über alle Wunder— dinge zu ſtaunen; wie uhren(herrliche Cylin— derwerke), Ringe, Saktücher de. ſeinem Kom— mandoworte gehorchten; wie er nach Belieben aus einer Boutellle Wein, rothen und weißen, Waſſer, Milch, Champagner fließen läßt, und zulezt in der Bouteille dennoch ein ver⸗ mißtes Saktuch ſtekt; wie er aus einem Hüh⸗ nerei auf die allerpoſſierlichſte Weiſe eine Wäſcherin ausbrüten läßt(ſehr erſtaunens⸗ würdig) u. ſ. w.; doch— finis coronat opus. Den Schluß machte das weltberühmte:„Eins, zwei, drei, Sträußchen herbei!“ Wie mag dieſer Mann dieſe vielen Hundert der artig— ſten natürlichen Blumenſträußchen unter einen Hut gebracht haben? unbegreifliche ueberra— ſchung! Da hättet Ihr ihn ſehen ſollen, mit welcher Freigebigkeit er faſt das ganze Publi— kum in den Logen u. im Parterre mit Sträuß— chen regalirte.„Hier noch ein Sträußchen, hier wieder ein Sträußchen, und da auch ein Sträußchen, ja, und ſie wollen doch auch ein Sträußchen“, und ſo ging es fort bis ins un— endliche, u. Alles aus einem leeren Hut, der überall vorgezeigt wurde.„Hier muß Ei— ner ein verſtanden ſein,“ ſagte ein Vor⸗ lauter.„Nicht Einer,“ gab man ihm zue Antwort,„ſondern Alle ſind darin ein ver— ſtanden, daß dies das unbegreiflichſte Kunſt— ſtük iſt, das je ein Eskamoteur hervorbrachte. Sins, zwei, drei, Sträußchen herbei! „Ja, da bin ich auch dabei!“ wird wohl Alles ſagen, wenn Döbler wieder ſpielt; ſchon dieſe artigen Sträußchen, von denen Mancher zwei, drei und noch mehr er— haſchte, ſind mehr als das Entree werth. Der Beifall war ſtürmiſch. Döbler ward fünf Mal gerufen.
— Theatraliſches. Halevy's„Guido und Ginevra“ iſt zur wahren Repertoir-Oper geworden. Sie füllte am 17. d. M. abermals das Haus. Die Oper wird aber auch hier zum größten Theile vollendet exequirt. Außer


