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einen Künſtler, der hier Senſation erregt, und dieſen Namen in der voll⸗ ſten Bedeutung des Wortes verdient,— es iſt Ludwig Döbler— derſelbe gibt heute ſeine dritte Vorſtellung, u. ärntete in den beiden erſten vielen und ver— dienten Beifall.— Sein eleganter Vor— trag, ganz im Gegenſaz zu dem ſinn— und gehirnloſen Gallimathias, wie ihn einige ſeiner Vorgänger zu Markte brachten, und die Alle Döbler, auch in der Ausführung der Kunſtſtüke weit übertrifft, nehmen im Voraus für ihn ein, und verbreiten ein angenehmes, wohlthuendes Gefühl im Publikum.— Seine Changement's und Eskamotirun— gen ſind das Höchſte, was in dieſem Fache geleiſtet werden kann. Sein im— ponirendes Entree— es entzünden ſich ein paar hundert Kerzen auf einmal durch einen Schuß,— wirkt zauberiſch. Goldene Zylinder-Uhren, die Döbler gar nicht berükſichtigt, ob ſelbe in qua- tre, oder huit trous en pierre gehen, wirft er nach allen Richtungen, als wenn es ungenießbare Semmeln wären, ſo daß den Eigenthümern Angſt und bange wird, und gleich ſind ſie wieder unverſehrt wieder da— und dann das weit und breit berühmte: eins! zwei! drei!— Sträußchen herbei! man kann ſich nichts Lieblicheres und Sinnigeres denken.— Doch ich will nichts verra— then, um meinen lieben Peſthern die Ueberraſchung nicht zu verderben, eines aber kann ich aber doch nicht verſchwei— gen, es iſt eine Haupt⸗Ueberraſchung: wenn nämlich dort die löbliche Sitte, wie hier herrſcht, daß das Döblerſche Ehepaar in der Theater-Kanzlei den Verkauf der Logen und Sperrſiz-Bil— lets leitet, dann bitte ich, ſich um dieſelben perſönlich hin zu bemühen, und dieſe ja nicht holen zu laſſen. Die Peſther Her— ren werden ſich mir, wegen der ihnen eigentlich nur durch mich verſchafften beſonderen Ueberraſchung, verpflichtet
fühlen.— Zu Oſtern kömmt wieder deutſches Theater hieher: Direktor Roll von Wien.-Neuſtadt mit ſeiner Geſell— ſchaft. A. S. Leibach, 4. März.(Beſchluß.) (Der Schuſter von Selo.— Theater.— Witterung.— Bo⸗ ra auf der Straße nach Trieſt. — Erfrorene Menſchen.) Der Schuſter von Selo, mit der Juſt. Ker— ner'ſchen Geiſterſeherin, hat ſeine Woh— nung wieder bezogen, u. leidet jezt— keine Anfechtungen mehr.— Der Spuk hat ſich übrigens noch durch nichts auf— geklärt, und eines gewiſſen Herrn von Buchenhayns holzige Wiederlegung iſt nichts als eine ſehr überflüſſige, den Schein von Aufklärung tragen wollen— de Skribelei.— Es iſt hier noch Nie— manden eingefallen, namentlich aus den gebildeten Klaſſen, zu zweifeln, daß dem Spuke des erwähnten Schuſters irgend ein Betrug zum Grunde liege— allein die Muthmaßung, als habe ein Anderer denſelben mitgeſpielt, erweiſt ſich nach näher eingeleiteten Nachfor— ſchungen beinahe ganz für nichtig, und es bleibt uns nichts übrig, als auszu— rufen:„Schuſter, du biſt ein h—dsg r Kerl! du haſt uns Alle angelogen!“— Die gefeierte Mad. Friſch, ehemalige Prima Donna der italieniſchen Oper zu Odeſſa, welche zulezt bei ihrem Enga— gement auf 10 Vorſtellungen, bei dem Publikum nicht mehr in ſo freundlichem Einvernehmen ſtand, als man bei dem Ent huſiasmus, der ſich bei ihrem erſten Erſcheinen kund gab, erwarten konnte, iſt wieder nach Agram abgereiſt. Hr. Schmidts aus Agram, welcher hier in Gaſtrollen debutirte, wurde als Karl Moor in Schillers„Räubern“ und als Jaromir in der„Ahnfrau“ mit vielem Beifall aufgenommen.— Der Theater⸗ Direktor Glöke, welcher dieſes Jahr mit ſeiner Unternehmung ſchlechte Ge— ſchäfte macht, bereitet uns auf etwas


