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zu kaufen. Er tritt ein; es kommt ihm ein Mann in Stuzertracht und einem ausgeſucht ſchönen Hemd entgegen und es entſteht das folgende Geſpräch: „Zeigen Sie mir doch einige Hemden.“—„Zu welchem Preiſe? Wir haben ſie von 50 bis 500 Franks.“—„Das Duzend?“—„O nein, lieber Freund,— das Stük!“—„Das iſt ziemlich theuer.“—„Keineswegs, wenn ſie bedenken, daß jezt nur noch das Hemd den vornehmen Mann von dem gemei⸗ nen Volke unterſcheidet. Jedermann tragt jezt Fraks, ſeidene Hüte und gelbe Handſchuhe; aber ein Mann, der ein gutes Hemd,— mit einem Worte, einer der berühmteſten Schriftſteller hat mit Recht geſagt: la chemise fait homme(das Hemd macht den Mann.) Welche Art von Hemden würden Sie vorziehen? Wir haben ſie mit breiten, mit ſchmalen und ohne Falten; mit ad ohne Buſenſtreifen; zum Zuknöpfen vorn, an der Seite und hinten; Hem— iin. die man über den Kopf und andere, die man wie Beinkleider anzieht.“— „So machen Sie mic eines zu 60 Franks.“—„Zu einem ſo niedrigen Preiſe wird es eine gewöhnliche Kalikoſache ſein. Wünſchen Sie ein Sommer- oder ein Winterhemd?“—„Eins für den Sommer und den Winter.“—„Ein Hemd für das ganze Jahr! Das macht 15 Franks extra.(Er nimmt das Maaß.)— Führen Sie Ihre Frau Gemahlin am linken oder rechten Arme?“—„Meiſt am rechten, glaub' ich. Aber was geht das Ihnen an?“—„Wir müſſen in dieſem Falle den rechten Aermel um einen Gedanken länger machen als den lin— ken und der Knopf vor'n muß feſter angenäht werden, damit er einen Druk aushält. Nießen Sie bisweilen?“—„Was kann der Schnupfen mit dem Hemd zu ſchaffen haben?“—„Wiſſen Sie nicht, daß beim Nießen der ganze Körper von einer krampfhaften Bewegung erſchüttert wird? Der Hemdkragen muß demnach ſo gemacht werden, daß er diefer Bewegung nachgibt, ſonſt könnte leicht ein Schlaganfall eintreten, oder was eben ſo wichtig wäre, der Knopf am Hemdkragen abgeriſſen werden.“—„So machen Sie den Kragen weit.“— „Das macht 4 Franks extra.“—„Und wenn ich die Leinwand ſelbſt liefere?“ —„Das ſteht Ihnen vollkommen frei und wir werden Ihnen dafür nichts be— ſonders berechnen. Ihr Hemd wird auf 79 Franks kommen und nach einem Mo— nat fertig ſein. Wollen Sie alle fünf Tage zu uns kommen, und es anzuver⸗ ſuchen, werde ich Ihnen dankbar ſein.““(Allg. Moden⸗Ztg.)
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Wirkungen des Lachens auf den Dlutumlauf.
Das tiefe Einathmen und das kurze häufige Ausathmen beim Lachen hat einen unmittelbaren Einfluß auf das Herz, indem es die Blutmenge in den Höh— len oder Kammern deſſe ben erhöht. Dieſer Zuſtand des Herzens iſt, wie man ſich denken kann, je nach der Dauer und Heftigkeit des Lachens. Iſt daſſelbe mäßig, ſo wird der Geiſt nur aufgeheitert und„das Herz fröhlich“; wird aber das Lachen über eine gewiſſe Grenze hinaus geſteigert oder verlängert, ſo tritt oft eine Reihenfolge mehr oder minder nacht heiliger Wirkungen ein. Es entſteht ein Schmerz in der Herzgrube, ſo wie Kopfweh, und iſt das Lachen unmäßig, ſo wird ſo viel Blut nach dem Gehirn getrieben, daß die Verſtandes kräfte ſehr gereizt erſcheinen, bisweilen in dem Maße, daß augenblikliche Geiſtesſtöͤrungen eintreten. Selbſt Zukungen folgen auf ein unmäßiges Lachen, und ich weiß,


