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in der lezten Zeit gewiß nicht arm ge— blieben und was enthielten ſie? wenn es hoch kam, lauter Mittelgut!— Im Laufe einiger Tage ſahen wir wieder drei Stüke erſcheinen und verſchwinden und freuten uns gewaltig, daß ſie nicht wiederkamen. Der„Gallego“, hierorts „Laſtträger von Liſſabon““ betitelt, hatte Noth ſich des Durchfallens zu er— wehren, das ihn mit nicht geringer Wahrſcheinlichkeit bedrohte. Die un ge⸗ nügende Trokenheit des Stoffes an ſich war hinlänglich bei Gebildeten ein be— deutendes Ennuy zu erregen, nur ge— ſellte ſich dazu noch die leere Motivlo— ſigkeit und ein hervorſtechender Intereſ— ſemangel und die gänzliche Gleichgiltig— keit des Publikums für ein ſolches Machwerk konnte unmöglich zurükgehal— ten werden. Nicht viel beſſer erging es dem„unterbrochenen Vallfeſt auf Schel— lenberg“, da half aber wenigſtens ein wohladjuſtirtes Mädchenkorps in Huſa⸗ renuniform der lahmen Handlung et— was auf die Beine. Das Stük ſollte eine Parodie der„ſchlimmen Frauen““ ſein; wenn eine Parodie in der Herabwürdi— gung u. flachen Lokaliſirung ihres Vor— bildes beſteht, ſo war dies„unterbro chene Vallfeſt“ unbezweifelt eine ausge— zeichnete Parodie.— In dem Leopold— ſtädtertheater führte man zum erſten Male auf:„Das Ideal, oder der höch— ſte Vreis“, welches Stük gleichfalls ziem- lich ſpurlos vorüberging. Unter dem „Ideal“ perſonifizirte man die Zufrie⸗ denheit und beging ſchon dadurch einen namhaften Verſtoß, denn wie übel ſtän— de es um die Moral und jeden Glauben an irdiſches Glük, wenn die Zufrieden— heit ein bloßes Ideal bliebe. Das Stük war nicht neu und fand auch in frühe— rer Zeit ſeinen Beifall; gerade aber jezt, wo man von der Lokalpoſſe das Meiſte zu fordern berechtigt iſt, weil ſie das Wenigſte leiſtet, kann die Kritik
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gen. Als unlängſt das Verlangen nach einer ausgezeichneten dramatiſchen Ar— beit von der Feder unſerer älteren Lo— kaldichter, die jezt leider feiern, ſich lebhaft äußerte, unternahm es Einer derſelben, wie wir hörten, ſeine un— verſiegten Geiſteskräfte in Thätigkeit zu ſezen und ließ ſeine Arbeit, die auch wirklich vortrefflich gediehen war, ano— nym und von einem entfernten Orte aus, an eine hieſige Theaterdirektion gelangen. Das dafür gebotene Honorar entſprach aber weder ſeiner werthvollen Leiſtung, noch der Erwartung des Dich— ters, er nahm daher ſein Werk zurük und wir ſind dadurch um die Ausſicht auf ein gutes Theaterſtük ärmer gewor— den. Wir dürfen uns jezt höchſtens den— ken:„Ein Jeder wähle wie er will.““ — Im Kärnthnerthortheater gab eine ſpaniſche Tänzergeſellſchaft recht artige Balletvorſtellungen. Sie führte Tänze mit ſo viel Grazie und Lebendigkeit durch, daß ſich daß entzükte Publikum ſtets zu erneuertem Beifalle aufgefor— dert fühlte.— Im Hofburgtheater gab man ein Luſtſpiel, unter dem Titel: „Die Wette“, welches als Karnevals— intermezzo vollkommen befriedigte. Hö— here Anforderungen ſind gegenwärtig nicht zu machen, ja wir dürfen froh ſein, wenn das Produkt auf gutem, deutſchem Boden gewachſen iſt.— Der Pachtkontrakt des Hrn. Direktors Carl. für das Wiednertheater erreicht zu O- ſtern dieſes Jahres ſein Ende, u. dem Vernehmen nach wird der ehemalige Di— rektor des Kärnthnerthortheaters, Herr Duport, für die Folgezeit die Leitung dieſer Bühne übernehmen.— Endlich werden wir wieder einen großen Mann zu ſehen bekommen, einen Rieſen näm—
lich, deſſen Länge alle bekannten Grö— ßen übertrifft. Senn.
Literatur. Literariſches Portfolio.
mit dem Dargebrachten ſich nicht begnü—
Bei dem Hofbuchhändler Peter Rohr—


