Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
166
 
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mann in Wien erſchien ſo eben:He raldiſche Blumen, Geſchichte und Sage von Realis. Kl. 8., 184 S. Der Hr. Verfaſſer, durch viele ſagenhafte und hiſtoriſche Mittheilungen in Wie ner Blättern bekannt, liefert in dieſem Bändchen eine intereſſante und manig faltige Sammlung von vorzeitlichen Be gebenheiten und Vorfällen, welche ade ligen Geſchlechtern ihren Namen oder ihre Wappenbilder verliehen haben. Ohne einen Schmuk in romantiſcher Ausmalung der Situationen zu ſuchen, erzählt er uns gedrängt u. einfach die Thatſachen und bietet dadurch dem No velliſten wie dem epiſchen Dichter eine reichliche Ausbeute für ihre Feder, ſo wie jedem Leſer eine belehrende Unter haltung. Von demſelben Schriftſteller liegt auch ein BandFresken aus Wien zum Druke bereit. Mit Vogl'sValladen erſcheint gleichzeitig bei J. B. Wallis hauſſer eine franzöſi ſche Sprachlehre von Hocheiſel und eine Aeſthetik für Damen von Fladung, welcher Leztere die Damenwelt bereits mit mancher angenehmen literariſchen Gabe beſchenkte. Seitdem Hr. L. A. Frankel das öſterr. Morgenblatt redi girt, bemerkt man in dieſem Blatte viele der erſten Schriftſteller-Notablen Wiens. Wir begegneten ſchon den Na men Grillparzer, Prokeſch-Oſten, Fr. Halm, Hammer-Vurgſtall, Kaltenbaek, Vauernfeld, Karoline Pichler u. A. Der in Poſen erſcheinendeTygodnick literacki enthält in ſeinen lezten Num mern eine intereſſante Erzählung von Guſtav Ehrenberg, der in Rußland vor Kurzem als Haupt einer geheimen Ver bindung nach Sibirien geſchikt worden iſt. Die Erzählung führt den Titel: Seid einfältig wie die Tauben und klug wie die Schlangen! Schon frü her enthielt daſſelbe Blatt einige ſehr anſprechende Gedichte von dieſemge nialen und jezt ſo unglüklichen Jüng⸗

linge, Die Rehaktion verſpricht die Herausgabe ſeiner ſämmtlichen Schriften.

Mignon⸗-Zeitung.

Wien. Auf einer der ver⸗ floſſenen Redouten fand eine ſeltſame Ueberraſchung ſtatt. Ein Herr wurde von einer weiblichen Maske, die recht reizend und intereſſant zu ſein ſchien, auf Tritt und Schritt mit großer Zu dringlichkeit verfolgt. Sie wiederholte ihm Familienſzenen und Gardinenpre digten, die er ſtets für zeugenlos ge halten, ertheilte ihm ſo frappante Be merkungen über ſein Privatleben, kurz ſie bewies ihm eine ſo genaue Kenntniß aller ſeiner Verhältniſſe, daß er ſie end lich für ſeine Frau hielt. Eine zweite Maskbe geſellt ſich dazu und quält ihn nicht minder geiſtreich und umfaſſend, daß er auch dieſe in ſeiner entſezlichen Verlegenheit für ſeine Frau hielt. Nach vielen Bitten demaskirte endlich ſich die Leztere; ſeine Erwartung hatte ihn nicht getäuſcht. Wer aber war die erſte Maske? Sie wollte durchaus die Larve nicht abnehmen und alle Beredungskün⸗ ſte ſcheiterten an der Entſchloſſenheit der liebenswürdigen Unbekannten. Wie glüklich war er, als er gegen Ende des Balles und unbemerkt von ſeiner Gat tin, von dieſer Straniera ein Rendez vous auf der Seilerſtatt, bei einer Oebſt⸗ lerin bewilligt erhielt. Um 7 Uhr Früh war er ſchon am Plaze, aber erſt um 9 Uhr erſchien ſeine Erſehnte in Geſtalt

ſeiner Köchin. Senn. Stuttgart. Wenn die Männer zum Gutenbergs feſt ziehen, wollen die Frauen das Feſt der Weibertreue feiern. Eine ſchwäbiſche Dichterin hat einen Aufruf an ihre deutſchen Mitſchweſtern in Verſen erlaſſen und zum 700=jähri⸗ gen Jubiläum auf den Schloßruinen Weinsbergs eingeladen. Ein bekannter ſchwäbiſcher Dichter, J. K., iſt zum