152
Les bal dan Opera. Die bei⸗ den großen Bälle, die am 29. Februar und am 2. März;(lezterer maskirt) im ungariſchen Theater abgehalten wurden, zogen ein uner— meßlich großes publikum an und man fand großen Geſchmak an dieſer hier noch ganz neuen Art von Karnevals-Beluſtigungen. In der That waren aber auch die Arrangements ſo zwekmäßig, die Dekorirung u. Ausſtattung ſo voll Geſchmak u. Einſicht, daß allen Wün— ſchen vollkommen entſprochen wurde. Der zwel— te, mastirte, Ball war jedoch ungemein in— tereſſanter; man glaubte ſich für einige Au— genblike in den Ball der Opera zu Paris ver— ſezt. In Peſth kann man ſich an nichts Aehn— liches erinnern.— Es ſtrahlte Alles von dem funkelndſten Geſchmeide und den eleganteſten und graziöſeſten Toiletten, die ſich beſonders aus den Logen wunderherrlich ausnahmen. Masken, in geſchmatvollen und reichen Koſtü— men, durchſchwärmten die mit Gaslicht, der Tageshelle gleich, erleuchteten Räume. Die Zufriedenheit malte ſich auf allen Geſichtern, Jedermann verließ Morgens höchſt vergnügt das Haus; nur hätte man weniger Tänzer und eine möglichſt allgemeinere Maskirung gewünſcht. Indeſſen hatten dieſe Bälle die wohlthätige Folge, daß der ungariſchen Thea— terkaſſe ein mächtiger Sukkurs zugefloſſen, und daher dem Beſtehen dieſes vaterländiſchen In— ſtitutes Vorſchub geleiſtet wurde.
——
Der Karneval in Venedig hat nun auch heuer ſeinen alten Ruhm behauptet; denn das große Maskenballfeſt dieſes Namens, das am 1. d. M. im Peſther Redoutenſaale Statt fand, übertraf alle vorhergegangenen in dieſem Jahre. Die großen Lokalltäten wa⸗ ren gedrängt voll und das Gewühl und das Getümmel der unüberſehbaren Maskenmenge bot einen eben ſo abentheuerlich-grotesken, als anziehenden und ergözlichen Anblik dar Dieſes Ballfeſt, ſo wie die erwähnten im un— gariſchen Theater, dann eine Unzahl kleinerer Bälle, Piqueniques und Hausunterhaltungen beſchloſſen den Karneval auf ſolenne Weiſe, und wenn es gleich hier in Peſth im Ganzen nicht ſo buntſcheklg, geräuſchvoll und toll her— ging, wie in neueſter Zeit in den erſten Städten des Auslandes, während des Karnevals, ſo haben doch heuer die öffentlichen und Privat— Luſtbarkeiten einen belebteren Charakter als
das beliebte Stut:
in den verfloſſenen Jahren angenommen, und vielleicht daß wir es noch in der Folge, wie in Berlin, München de, zu öffentlichen Mas— kenzügen bringen.— Wie wir hören, gibt künftigen Sonntag Hr. Morelly, als Nachhall des Karnevals, eine muſükaliſche unter— haltung im Redoutenſaale, die gewiß will— kommen geheißen wird.
—
Theatraliſches. Auf der Peſther Bühne füllten in den lezten Wochen meiſt Stüke das Repertoir, die dem Faſching ganz ange— meſſen ſind. Dazu rechnen wir„Rinaldo Rl— naldini“, den„Teufelsſtein“,(ein Stük voll alter Späße, worin Hr. Rott, als Krambam— boli, recht koͤſtlich war),„der Fakeljunge von Kremona““ u. ſ. w. Lezteres Stut, in dem Mad. Kalis-Padiera ſo ausgezeichnet ſpielte, iſt voll Effekt, und es iſt Schade, daß man es dem Faſching zu Liebe ſo ſehr verballhorn— te/ daß vielleicht ein gutes Drittel davon aus- gelaſſen wurde.
— Auf der Ofner Bühne ſchrieb Hr. Czer— mak ſich ſelbſt ein Beneſizſtüt, unter dem Ti— tel:„Anglomanie, oder der Hydrobathl! (Hydropath) und ſeine Söhne“, Luſtſpiel in 2 Atten. Es wurden in dieſem Stüke einige Thorheiten der Zeit gegeißelt und der Verfaſ— ſer zeigt ſich hiezu nicht ungefügig. Das Stük unterhielt, wozu auch die gute Darſtellung von Seite der Herren Rötzl, Fröhlich, Nitſch und Grau, ſo wie der Dlle. Klein beitrug.— Hr. Czermak ſelbſt war ſehr wenig beſchäftigt. In— deſſen erhlelt er großen Beifall, ward gerufen und bekränzt!
— Der verſtändige und gebildete Schau— ſpieler des Peſther Theaters, Hr. Börger, hat von der Intendanz des k. ſächſiſchen Hof— theaters in Dresden elnen ſehr ehrenvollen Ruf auf Gaſtrollen erhalten, dem er auch nachkommen wird.
— Im peſther deutſchen Theater werden im Laufe des Frühjahrs und Sommers meh— rere der ausgezeichnetſten Gäſte in der Oper und im Schauſpiel erwartet.
— Benefiz.(Ofen.) Zum Vortheile des Hen. Stein kommt morgen, Donnerstag, „Domi, der ame— ritaniſche Affe, oder der Schlffbruch auf St. Domingo“, großes Spektakel⸗Schau⸗— ſplel mit Geſang und Tanz in 3 Akten, von Told, zur Aufführung.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


