Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
136
 
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ſchen Theile blühender und richtiger als im deutſchen zu ſein, aber hier wie dort iſt Faß lichkeit u. Verſtändlichkeit überwiegend, und die präziſen Angaben, die ſich mit ſo vieler Sorgfalt überall kund geben, verdienen alle Beachtung. Sehr anziehend iſt auch die bei gegebene Lithographie, Peſth und Ofen vor Vertreibung der Türken u. das heutige Bu⸗ dapeſt mit ſeiner projektirten großartigen Ket tenbrüke darſtellend. Welch ein Kontraſt! Am Schluſſe finden wir das Verzeichniß ſämmt licher, von dem Verfaſſer herausgegebenen Wer te, 34 an der Zahl. Gewiß ſehr ehrenwerth!

Lebensbild.

Es lag ein Schiff zur frohen Fahrt gerüſtet, Die Wimpel ſchwebten leicht in heit'rer Luft, So daß zu reiſen Viele es gelüſtet

Bei dieſes ſchönen Morgenrothes Duft;

So kamen denn von Norden und von Süden Die Reiſenden von allen Seiten her,

Die Träger mußten von der Laſt ermüden, Die auch dem Schiffe wurde allzuſchwer.

Im Anfang ging die Reiſe gut von ſtatten, Es glitt das Schiff auf ſpiegelheller Bahn, Daß Alle ſchon das Ziel vor Augen hatten und nichts ſie ſtörte in dem ſüßen Wahn; Doch ſtieg zam Horizont aus düſtern Wogen Sich thürmend ein Gewitter drohend auf, Es ſchleuderte das Schiff im weiten Bogen und hemmte bald den raſchen Siegeslauf Es ſtürzt der hohe Maſt, die Segel fallen, Vernichtung drohet üb'rall, hier wie dort, und laute Klagetöne rings erſchallen

An dieſem der Gefahr geweihten Ort. Da tritt mit friſch geſchöpftem neuem Muthe Der Herr des Schiffes zu dem Steuer hin, Er will es retten ſei's mit ſe inem Blute, Nichts beuget ſeinen feſtbeſchloß'nen Sinn; Mit ſich'rer Hand ergreeifet er das Ruder, Was unnüz iſt, das wirft man über Bord, Ein Jeder ſieht im Andern nur den Bruder, Da Jeder wünſchet einen ſichern Hort. Indem ſie ſo mit allen Kräften ringen, Obgleich der Hoffnungsſtern noch nicht erſcheint, So muß das Werk am Ende doch gelingen, Da Aller Zwet zu einem diel ſich eint.

Und ſiehl die dunklen ſchwarzen Wolken weichen Es bricht das Licht der Sonne neu hervor, Gerührt erbliten ſie das Gnadenzeſchen

und heben dankend ihre Händ' empor;

und wie ſich nun die düſtern Fluthen hellen

Wie auf den Sturm beſchwicht'gend folgt die Ruh',

Umſpielt das Schiff der Glanz der Silberwellen

und tragen es dem ſichern Hafen zu.

Peſth, den 26. Febr. 1840. Neefe.

Die Peſther Redoute am lezten Sonntag war außerordentlich beſucht. Es wim melte von Masten und Zuſchauern und man ſchlürfte die Freuden des Karnevals in vollen Zügen. Morelly elektriſirte Alles mit ſeiner Sirenen-Muſit und es ward getanzt bis der Hahn ſein Liedchen krähete.

Die Witterung. Auf dieſe ſcheint man ſich in Peſth beſſer als in andern Städten zu verſtehen. Während man in Komorn und Preßburg ſich all zu ſanguiniſch von der Fe bruarſonne beſtechen ließ und die resp. Schiff⸗ brüten über die Donau herſtellte, war man in Peſth bedächtiger; man traute dieſer fal⸗ ſchen Vorläuferin des Lenzes nicht und ſiehe da, der hinkende Bote kam wirklich nach. Pelze, Mäutel und Muffe kamen wieder zum Vorſchein, die Donau treibt wieder viel Eis u. der hieſige Brükenpächter lacht in's Fäuſt⸗ chen, während ſeine Kollegen in Komorn und Preßburg in der Folge doch erſt den Mat bäus- Tag abwarten werden, bevor ſie ans Werk schreiten; denn glaubt auch kein vernünftiger Menſch mehr an ſogenannte Loostage, ſo iſt doch der 24. Febr, dem Frühjahre näher als der 10. und 14. Doch in Preßburgsu. Ko- morn ſind Schiffbrüken noch neu, in Peſth hat man damit ſchon viele Erfahrungen ge macht; die Schiffbrüke iſt alt geworden, bald wird ſie etwas Soliderem weichen müſſen, es ſei denn, daß ſie neben der neuen Kettenbrü te, Nebendienſte verrichten wird.

An der Kettenbrüde witd ſeit ei⸗ nigen Tagen wieder ſehr lebhaft gearbeitet, u. zwar beſchaftigt man ſich noch immer mit den Erdarbeiten. Bald dürfte man mit der Pilotirung beginnen. Der neue Kanal, der denſenigen, der bisher durch den Bauplaz fuhrte, ableitet, iſt bereits vollendet worden.

Die Dampfſchifffahrt, die beuer frühzeitig begonnen, mußte auch, in Folge der (ingetretenen Kälte, wieder eingeſtellt wee, den, und die Boote haben wieder ihre Win⸗ terquartiere bezogen.

Beilage:Der Schmetterling. Nr. 6.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.