Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
135
 
Einzelbild herunterladen

135

des Gaſthofes, wo er wohnte, auf ſeine Koſten maskiren mußten. Daß ein ſol ches Individuum nicht zu einer Geſell ſchaft ſo ehrenwerther Gentlemen, wie ſie hier oft anweſend, gezogen worden re, bedarf wohl keiner Erwähnung, ſelbſt wenn er Baden noch nicht verlaſ ſen hätte. Er iſt aber ſchon ſeit einiger Zeit abgereist. Die Thorheit eines Irländers war ganz anderer Art. Er hatte ſich in eine hier wohnende ſehr ſchöne, reiche und hochſtehende junge Gräfin verliebt, oder glaubte vielmehr, ſie ſei in ihn verliebt, wiewohl er ſie nie geſprochen, ja ſie ihn wohl nie ge ſehen. Endlich kommt der Bräutigam der jungen Gräfin, ein ſächſiſcher Baron. Mein Irländer erklärt rund heraus, er könne nicht zugeben, daß die Gräfin einen Andern heirathe, und Einer von ihnen müſſe aus der Welt geſchafft werden. Er wollte ſich demnach mit dem Bräutigam auf Leben und Tod ſchießen. Da aber die hieſigen Behörden von dem tollen Vorhaben durch die Freunde des Irländers in Kenntniß geſezt worden waren, ſo wurde ihm die Alternative geſtellt, entweder einen Revers zu un terſchreiben, ſich nicht im Groß herzog thum zu ſchießen, oder aber ſchnell das Land zu verlaſſen. Er unterſchrieb den Revers. Dies Alles war verhandelt wor den, ohne daß der Bräutigam das Min deſte von Allem gewußt, und als dieſer nun zufällig den Hergang erfuhr, er klärte er ſich augenbliklich bereit, ſich mit dem Irländer ſchießen zu wollen. Dieſer aber hatte ſich inzwiſchen eines Beſſern beſonnen, ſchloß Freundſchaft mit ſeinem Antagoniſten, lud ihn ſogar zum Frühſtük ein, und iſt nun auch ab gereiſt: vorwizige Leute wollen nicht recht wiſſen, ob er die Hochzeit nicht habe ze lebriren ſehen wollen, oder aber, ob ſeine Schuldenlaſt zu drükend gewor den, item, fort iſt er, und zwar in Frieden.

Bonn. Die juriſtiſche Fakultät der hieſigen Univerſität hat dem Prinzen Albert von Sachſen-Koburg, welcher früherhin ſeine Studien hier begann u. endete, das Doktor-Diplom als Zeichen freudiger Theilnahme überſendet. Das Diplom, in prachtvollem Golddruk, iſt am Vermählungstage des Prinzen am ſchwarzen Brette angeſchlagen worden.

Berlin. Wie verlautet, ſoll hern Orts der Befehl jüngſt ergangen ſein, daß alle exekutive Polizeibeamte Schnurbärte tragen müſſen.

Brünn. Der rühmlich bekannte Violin-Virtuoſe, Herr Heinrich Eraſt, hat ſeine Durchreiſe in unſerer Stadt, ſeinem Geburtsorte, von dem er zwölf Jahre entfernt war, durch einen ſelte nen Akt der Wohlthätigkeit bezeichnet. Er veranſtaßtete nicht etwa ein Konzert, ſondern übergab der hieſigen Ober-Po lizei-Direktion das namhafte Geſchenk von baren 400 fl. C. M. zur Verthei lung an verſchiedene wohlthätige Stif tungen. Dieſem menſchenfreundlichen Willen wurde ſogleich auf das Zwekmä ßigſte entſprochen.

Lokal-Zeitung.

Literariſche s. Ein ſehr empfehlens werthes Werkchen ſind die unlängſt er ſchiene⸗ nenGeſchichtliche Notizen der königl. Frei⸗ ſtadt Peſth, in ungariſcher u. deutſcher Spra⸗ che von Joſeph Patachich, Magiſtratsrath. 62 Quartſeiten ſtark.(Zu haben bei Guſtav Heckenaſt 4 40 kr. C. M.) Für den Werth des Buches bürgt ſchon die Annahme der Dedikation von Seiten Sr k. t. Hoheit des Durchlauchtigſten Heu Erzherzogs Ste pha nz aber abgeſehen davon wird der Leſer, beſon ders der einheimiſche, das Buch mit vielem Intereſſe leſen. Es enthält die turze gedrängte Geſchichte unſerer jezt ſo hoch aufgeblüheten Stadt, von ihrem urſprunge bis auf gegen wärtige Zeit, mit mehrern ſchäzbaren Noten und vielen hiſtoriſchen und ſtatiſtiſchen Daten, die die Sachtenntniß und die große Beleſen⸗ heit des Verfaſſers beurkunden. Die Sprache und der Styl ſcheinen wohl in dem ungari⸗

*