Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
130
 
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Hugo, ſagte ſie, wie über eigne Schuld betroffen und die ſeinige nicht ahnend,Hugo wie kommſt du hierher? Schaam und die glühendſte Eiferſucht preßten aus di ſem nichts hervor, als den Ausruf: Auguſte!Komm nach vorn, ſagte ſie, und zog ihn mit zitternder Hand in ein helles Zimmer. Hugo ſtarrte ſie an; tauſend zornige Worte zukten um ſeinen Mund; er mußte nach einem Stuhl faſſen, um ſeiner Gefühle Meiſter zu werden. Auguſte nahte ſich ihm beklommen und ſuchte ſich ihm verſtändlich zu machen. Aber ſo ſind die Männer mit ihrer Schlauheit voraus! Wie er merkte, daß ſie ein böſes Gewiſ ſen hatte, gab er ſich das Anſehen, als hätte ihm der Zufall jenes Billet in die Hände geſpielt. Er ſtieß ſie zurük, ſprang auf und polterte ſich in einen Zorn hinein, der halb künſtlich, halb natürlich war.

So betrogen zu werden! rief er,Himmel, wer hätte das ahnen kön nen? Ein Weib, wie ſie Gott zu ſeinem Ebenbilde geſchaffen zu haben ſchien, ein Weib hier verfiel er in einige Remiszenzen ausKabale und Liebe, merkte aber nichts von dem Plagiat, ſondern ſtieß L. Löwe's Kraftſtellen wie ſeine eig nen Originalgedanken aus. Auguſte weinte.Thränen? wandte er ſich ihr zu,Thränen? Du falſche, heuchleriſche Krokodillenbrut! Ein paar lumpige Thränen, wo ich das Weltmeer haben möchte, um mich darinMein Gott, ſprang Auguſte auf,was denkſt du denn, Hugo?Was ich denke? Wer kann denken, wenn er den Verſtand verloren hat!Hugo, ich wollte dir eine Ueberraſchung bereiten.Mir?Ich wollte mich malen laſſen. Ha, ha, lachte Hugo auf,malen laſſen vom Baron F., der früher um deine Hand anhielt, von meinem Schwager, der neulich in meiner Gegenwart deine Handſchuhe küßte; von dem jungen Fant, dem Sohn des Generals, der dich auf dem Klavier zu begleiten pflegt, wenn du ſingſt. Malen laſſen? Ich begreife nicht, Hugo, welch ein VerdachtWen erwarteſt du? Kriehuber.Kriehuber? Engel, Teufel, mach' das deinem Kinde weiß! Hugo, ich beſchwöre dich!!Warum hatte das Billet keine Adreſſe? Weil du es in der Hand keiner unſrer Leute bemerken und aus der Adreſ ſe keine Ahnung der Freude ſchöpfen ſollteſt, die ich dir zu deinem Geburtstage zugedacht hatte.Zu meinem Geburtstage! Ahnung! Freude! Kriehuber! O, o Hier iſt das Billet. Wie lautet es?Laſſen Sie ſich von einigen Wolken des Unmuths, die an meiner Stirne liegen werden, nicht ſtören!

Der Brief, erklärte die Gräfin erröthend,war vor deiner geſtrigen Liebenswürdigkeit geſchrieben.Sie gehören fuhr Hugo fort zu dem Bilde, von dem SieBilde?

Hier ließ Hugo mit einer Beſchämung, fehr geärgert und doch wiederum ſehr erfreut, die Hand, die krampfhaft das Billet hielt, ruhig niedergleiten. Mit der anden ſtrich er ſich verlegen das Kinn.Warum fehlte die Unter ſchrift? fragte er, noch immer nicht ganz beruhigt.Weil auch Kriehuber, mit dem ich durch die...ſche Geſandtin unterhandelte, mich nicht kennen ſollte. Ich wollte jeder Möglichkeit, daß du etwas von dem Gemälde erführeſt, vorbeu gen; deshalb ſind auch die Zeilen nicht von mir, ſondern von meiner Kammer frau geſchrieben.Hm! Hm! brumte Hugodaher die bekannte Hand ſchrift.Aber wie kamſt du nur zu dem Briefe?Ach, ſieh' nur antwortete Hugo mit einiger Verlegenheitich ich fand ihn auf unſrer Hausſtiege.Und erbracheſt ihn?!Er hatte ja keine, folglich eine

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