Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
99
 
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In dieſem Augenblik hörte man Fußtritte; Marie flog zur Thüre es war Savigny. Gern hätte ſie ſich in ſeine Arme geſtürzt, aber er ſtieß ſie ſanft von ſich, und ſank, blaß wie eine Leiche, auf einen Stuhl.Du biſt unver lezt? Du biſt nicht verwundet? O! welche Freude, welches Entzüken! Aber, willſt du nicht mit mir ſprechen? mich nicht umarmen? Ah! Du haſt gehört, was ich geſagt, und kannſt mir nicht vergeben. O! Savigny! vergib mir! Ich bin beſtraft worden; wahrlich, wüßteſt du, könnteſt du nur einen Theil der Leiden ahnen, die ich gelitten, gewiß, du würdeſt mir vergeben. Ich weiß, ich hätte die Verleumdung nicht glauben ſollen; aber der Mann ſchwor mir, daß er Augenzeuge geweſen. Gedenke auch, daß ich aus dem edlen Hauſe der Ner ville ſtamme, einer Familie, in der noch nie ein Feiger war. Um des Himmels Willen! Savigny, mein Savigny, warum wendeſt du dich von mir ab? Willſt du mir dann nicht vergeben? Als nun Savigny ſie zärtlich in ſeine Arme ſchloß, fühlte ſie ihren Naken von ſeinen Thränen benezt.Marie, meine theure Marie, ich muß dich verlaſſen! rief er, und nachdem er ſie nochmals krampfhaft an ſein Herz gedrükt, eilte er fort. Eine Stunde darauf empfing Frau von Nerville nachſtehenden Brief:

Ich bin Ihrer Tochter unwürdig. Geſtern ward ich entehrt, aber nur durch die Schwäche meiner Natur. Heute bin ich nicht nur ein Feiger, ſon⸗ dern auch ein verächtlicher Heuchler, ein niedriger Betrüger, ein Elender, nur

der Verachtung und der Vermeidung werth. Nein, angebetete Marie, ich will dein Schikſal nicht an das meine ketten, obgleich ich, um dir die Schande, deine Liebe einem Unwürdigen gegeben zu haben, zu erſparen, ein ſo niedriger Menſch werden konnte. Ich möchte beten; ich möchte dein Gebet für mich erflehen; aber ich darf es nicht wagen. Sa v üg up.

Frau von Nerville fiel bei der Durchleſung dieſes Briefes ohnmächtig nie⸗ der, und noch eher ihre Beſinnung zurükgekehrt war, wußte Marie, die un⸗ glükliche Marie, Alles! Wohl überkebte ſie dieſen herben Schlag, aber ſie er⸗ krankte ſchwer und lang. Ein Gedanke, nur ein einziger Gedanke beſchäftigt ſie fortwährend, der, daß ſie Savigny unglüklich gemacht habe. B.

Buchſtabenräthſel.

1, 2, 3, 4. Es war ein bied'rer, kühner Mann,

Der liebte treu ſein Vaterland. 2, 3, 4, 5. So laſſ' uns einem Laden nah'n,

Und ſuch' es in des Juden Hand. r as Leſer, braucht der Kupferſtecher. 8. 12. Iſt ein hölzern' Ding für Dächer. 1.. 12. Nun ſoll ich dir das Ganze weiſen?

So laſſ' uns flugs von dannen reiſen.

D. C. Mikulas. 22

Auflöſung des Buchſtabenräthſels in Nr. 10.

Bach. Ach. Sale. Vaſel. Salbe. Stachel. Solz. Leſe. Stel ze. Bachſtel ze.

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