Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
94
 
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ſchen aber die Greiſe ſeien. Dieſe Be merkung war zu jener Zeit mehr wizig als geiſtreich; ihre Wahrheit hat ſich aber ſeither durch die Geſchichte bewährt. Nach dieſer Eintheilung dürfte den Fran zoſen die meiſte Poeſie, dafür aber den Engländern die meiſte Thatkraft und den Deutſchen der philoſophiſche Ueber blik anheimfallen, u. ſo möchte es wohl auch in der Wirklichkeit ſein. Die Phi loſophie war überhaupt den Deutſchen von jeher hold. Es hat aber auch kein europäiſches Volk bis jezt ſo vielen Stoff zum Nachdenken gehabt. Schon die Lage Deutſchlands, ſowohl die geo graphiſche wie die politiſche, und man könnte in neueſter Zeit noch hinzuſezen, die religiöſe, bieten den reichhaltigſten Stoff zu Betrachtungen dar. Ein Jemand hat vor Kurzem einKoch buch für Melancholiſche herausgegeben und das Verſprechen hinzugefügt, dem Vedürfniß der übrigen, leer ausgehen den Temperamente in ähnlicher Art ab zuhelfen.

Mignon Zeitung

Bern. Unter den Diebſtählen, welche in neuerer Zeit in der Schweiz vorgefallen, zeichnet ſich als beſonders intereſſant einer von Winterthur aus. In dem ſehr reichen Spital begab es ſich, daß der beſte Wächter der Haus hund mußte abgethan werden, und ein neuer noch nicht engagirt war. Die Kaſſe war aber doch gut verwahrt, denn zur Sicherheit hatte man in neueſter Zeit eine Doppelt hüre an das Kaſſage wölbe machen laſſen u. eine unzerbrech liche Geldkiſte angeſchafft. Dennoch wag te ein Habſüchtiger einen Angriff und mochte ſich über die Entdekung nicht wenig gefreut haben, daß wohlweislich ein Schloß für die zwei Thüren gemacht war und daß 5000 Frks., ſtatt in der Ae, auf dem Debel lagen.

Péle⸗méle aus London. In Stow(bei Edinburgh) ſtarb kürzlich die ledige Miß Innes mit Hinterlaſſung des koloſſalen Vermögens von 20 Millio nen Gulden Conv. Münze, welches ſie ihren ſämmtlichen nahen und entfernten Verwandten zu gleichen Theilen ver machte. Troz ihres großen Vermögens war ſie ſo geizig, daß ſie, als ſie eines Abends die Treppe hinaufging, kein Licht anzünden wollte. Sie fiel, brach ein Vein, und dieſer Unfall führte bei einem Alter von beinahe 80 Jahren ihren Tod herbei. Die Erbſchaftsgebühren allein würden ſchon ein hübſches Vermögen ausmachen. Eine unglükliche Ka ze fiel in die rohen Hände gefühlloſer Buben in Liverpool, die, wie dasLi- verpool Paper ſich ausdrükt, mit ſolcher nichtswürdiger Grauſamkeit nicht ſel ten die Bahn größerer Laſter betreten, um mit einem ſchmählichen Ende aufzu hören. Dieſe kleinen Henkersknechte gin gen von Marter zu Marter, ſteinigten die Kaze wechſelweiſe und tauchten ſie dann wieder in tiefes Kot hwaſſer, ſchlu gen und verwundeten ſie, und hatten ihre Freude daran, daß ſie doch nicht verendete. Allerlei zweibeinige Weſen gingen vorüber, hörten das ſchmerzliche Miauen, aber hinderten die Marter nicht; da kam ein Vierbeiniges, betrach tete ſich das herzloſe Treiben, ſprach dann mit lautem Gebelle ſeinen Unmut h darüber aus, und fiel endlich die Peini ger, einen nach dem andern, wüthend an u. verjagte ſie gänzlich. Nun holte er das blutige Thier aus dem Koth u. trug es im Triumphe nach Hauſe, legte es in ſeinen Kotter auf das Stroh, ſich ſelbſt daneben und erwärmte es mit ſei⸗ nem eignen Körper. Als ſich die Kaze etwas erholt hatte, ſorgte der pflegende Hund ſogar für Nahrung, u. das rüh rende Beiſpiel verfehlte nicht, auch die Hausle ute anzuloken, ihn in ſeiner Pflege zu unterſtüzen. Man brachte dem