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Gundling. Darin pflicht' ich Ew. Majeſtät bei. Ich hab' auch heut einen ſolchen Aerger mit meiner Magd gehabt. Ich befahl ihr, ſie ſollte die Treppe ſcheuern. Was that ſie? Sie ſcheuert die unterſte Stufe zuerſt, und dann die zweite, dritte, vierte bis oben hinauf und ſo ſie immer höher ſteigt, macht ſie mit ihren Füßen alles wieder ſchmuzig. Das kann zu nichts helfen. Von oben muß man anfangen, Ew. Majeſtät, von oben.—
Der König, den verſtekten Sinn merkend, ſagte lächelnd:„Ja, darin hat Er Recht. Ich werde mit dem Hofmarſchall ſprechen.“
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Uath für Uäher und Mäherinen.
Schneider und Näherinen hört man häufig darüber klagen, daß ſie ſo viele Nadeln zu Grunde richten, wenn ſie geglättete Kaliko's nähen müſſen. Dieſem Uebelſtande iſt ſehr leicht abgeholfen, wenn man mit einem Stüke weißer Seife einige Mal über das geglättete Zeug hin- und herfährt, denn nach dieſer Be— handlung dringen die Nadeln äußerſt leicht in das Zeug ein, wenn es auch noch
ſo ſteif iſt.
Anſichte n. 1 Ai. elende
Literatur.
„Moderne Liebe.“ Roman v. Ju⸗ lian Chownitz. Peſth, 1840. Verlag und Druk von Joſ. Bei⸗ mel. Vel. gr. 12., 12 Bog. Preis: een N.
Der Verfaſſer zeigte in dieſem Werke, was die Literatur von ihm erwarten kann; denn er ſchuf eines der inte— reſſanteren, die uns noch vorgekom— men, und nach der Eile, in der es ent— ſtand(die Vorrede ſagt in acht Tagen), ein wahrhaftes Werk des Genies!— Hier iſt Originalität, Geiſt und Leich—⸗ tigkeit. Wahr, lebendig u. pikant ſind alle Einzelnheiten. Der Humor und Wiz, welcher die Hauptpforte des gan— zen Werkes macht, iſt friſch, kek und genial— der Styl leicht, beweglich u. elegant. Die Charaktere ſind mit eini— gen Federzügen angedeutet, und doch leibt und lebt Alles vor uns im erſten Augenblike. Ueberhaupt iſt dieſer Ro— man fern von dem ſchleppenden Ton deutſcher Novellen! Man glaubt faſt einen Paul de Kock oder Balzac zu hö— ren, wie denn Chownitz viel Affinität
mit der franzöſiſchen Romantik hat, u. daher jeden Leſer höchlich amüſtren wird. — Solchergeſtalt hat dieſer junge Au—⸗ tor ſich hierdurch in eine der Vorderrei— hen deutſcher Romantiker geſtellt und wird, ſo fortgefahren, ſicher bald ein Lieblingsſchriftſteller des Publikums wer— den. Schließlich noch dem wakern Ver— leger, Hrn. Joſ. Veimel, für die höchſt ſplendide Ausſtattung, die kei— ner ausländiſchen nachſteht und ſeiner Offizin große Ehre macht, unſere reell— ſte Anerkennung. J. L. b. B. Literariſches Portfolio. Wir leſen im Dampfboot folgende rlch— tige Bemerkung:„Hat ein Engländer oder eine Engländerin, ein Franzoſe oder eine Franzöſin, ein Buch geſchrie— ben, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß man ſie an jedem deutſchen Hofe will— kommen heißt u. das ausgezeichnete Ta— lent freundlich behandelt. Deutſche Gelehrte und Schriftſteller ſind lange noch nicht hoffähig, ſelbſt wenn man ſie zu geheimen Hofräthen macht.“— Schon Voltaire bemerkte irgendwo, daß die Franzoſen die ewigen Kinder Europas, die Engländer die Männer, die Deut⸗


