Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
92
 
Einzelbild herunterladen

92

empfingen, daß Sie über Ihre eigene Feigheit empört waren. und daß Sie ſih umſonſt bemüheten, ihre Natur zu bekämpfen. Ich aber, mein Herr, habe die Mittel in Händen, durch welche Sie Ihren Ruf und Ihre Geliebte wieder ge⸗ winnen können, während ich den Namen für muthig dabei gewinne, und dieſe Mittel ſind Savigny, welcher bis jezt nicht gewagt hatte, aufzubliken, erhob jezt plözlich ſeinen Kopf, und indem er ſich Lascour näherte, ſagte er mit

verächtlichem Tone:Ich verſtehe Sie, mein Herr, und verachte Sie; verlaſ ſen Sie mein Haus!

Ohne im Geringſten verlegen zu ſein, erwiderte Lascour lächend:Wäre ich nicht für mein eigenes Intereſſe, eben ſowohl wie das Ihrige hierher gekom men, ſo bliebe ich keinen Augenblik; ich bedarf Ihrer jedoch eben ſo ſehr, wie Sie meiner, und ich will Sie gegen Ihren eigenen Willen retten,Mein Herr, erwiderte Savigny mit Würde, wenn auch mit verlegener Miene,Sie haben mich gehört.Hören Sie mich, entgegnete Lascour,ich weiß, daß Sie Fräulein v. Nerville leidenſchaftlich lieben, und auch Sie ſind von ihr ge liebt; haben Sie den Muth, ihr zu entſagen 25Ja; eher, als Sie durch ein ſolch unwürdiges Mittel zu gewinnen.Können Sie aber den Gedanken ertragen, daß Sie Ihre Geliebte nicht nur verlieren, ſondern auch immer von ihr verachtet ſein werden? daß ſie Ihren Namen niemals wird hören, ſich Ihrer niemals erinnern können, ohne den Gedanken damit zu verbinden, daß Sie eine Ohrfeige empfingen?(Beſchluß folgt.)

Ä

n e bee.

Einſt hatte der König Friedrich 1. von Preußen faſt allen Bedienten ſei nes Hofſtaats(hauptſächlich den unterſten) einen Theil ihrer Beſoldung geſchmä lert, und befohlen, daß bei Vielen die ihnen zeither bewilligten Accidentien an freiem Holz, Licht u. dgl. wegfallen ſollten. Eine ſolche Maßregel verurſachte natürlich eine große Beſtürzung und Betrübniß unter dieſen Hofbedienten. Ei nige Tage nach der Bekanntmachung dieſer Anordnung trat der geheime Rath von Gundling(des Königs Luſtigmacher) in das Zimmer des Lezteren, als die ſer noch im Bette lag. Gundlings Eintritt geſchah mit vielem Ungeſtüm, und er ſchob dabei, wie im Aerger, die Stühle bei Seite, gleichſam als ſtünden ſie ihm im Weg. Der König, aufgewekt durch dies Geräuſch, öffnet die Vorhänge ſeines Bettes, und als er Gundling entrüſtet gewahr wird, fragt er ihn:Was zum Henker macht Ihr denn für einen Lärm? Gundling. Ach, man hat doch auch nichts als Verdruß und Aerger. König. Was iſt Ihm denn widerfahren? Er ſieht ja aus, als ob Er Alles in Stüken reißen wollte. Gundling. Wie kann man fröhlich ausſehen, wenn man nichts als be⸗ trübte Geſichter um ſich ſieht, und Klagen und Seufzer hört. König, Wer klagt denn? Gundling. Alle Ihre Leute, Ew. Majeſtät. Sie haben faſt Allen zu viel in ihrer Einnahme geſtrichen. König. Das iſt ſchon recht. Das Volk bekommt mehr, als es verdient, und es belügt mich überdies, und thut ſeine Schuldigkeit nur halb, oder gar nicht,

1