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allgemein das flamländiſche Volk iſt ſehr wenig für Kunſt und Wiſſenſchaft ein— genommen; die höhern Stände affekti— ren nur den Sinn für dieſelben.“ Das ſind Brüſſeler Spizen, die auch andere Leute nicht nur die Brüſſeler, auf ſich nehmen können.
Mignon Zeitung.
Toöplitz. Unſer Theaterdirektor Römer, der auch die Direktion in Al— tenburg führt, lieferte uns am 11. Nov. v. J., wenn auch keinen Ohrenſchmaus, doch einen Stoff zum Braten. Am ge— nannten Tage, als am Martinifeſte, wurden nach beendigter Vorſtellung ei— nes uralten Ritterſchauſpiels vier le— bendige Martinigänſe verlooſt, zu welcher gänslichen Lotterie jeder Ab— nehmer eines Logen, Sperrſiz- oder Parterre-Billets ein Loos erhielt. Das Directions⸗Stük ſcheint Anklang gefun— den zu haben, das Haus war voll ob des Geſchnatters der vier Stük Gänſe, die diesmal gezogen haben. Bravo, edler Römer, der du Gänſe des Kapi— toliums in den Muſentempel einführteſt.
Pilſen. In der Nähe unſerer Stadt ward der Eilwagen von Raub— mördern angefallen. Durch die Uner— ſchrokenheit eines Paſſagiers, eines Haupt⸗ mannes, deſſen muthvolles und kluges Benehmen die Wegelagerer verblütffe, waren die Reiſenden der Gefahr, be— raubt zu werden, entronnen. Dieſe Stra— ßenräuber kamen aus Bayern und ge— hören zu jener Bande, die in München eingebracht wurde.
Pele-méele aus London. Die Königin hat die Abſicht ausgeſprochen, bei ihrer bevorſtehenden Vermählung ſich blos in Landesfabrikate zu kleiden, wel— chem Beiſpiele natürlich ſämmtliche Da— men des Hofes dc. folgen werden. Der Hochzeitsſtaat der Königin wird übri— gens mit dem Prachtvollſten wetteifern,
was das Ausland nur immer erzeugen kann; der Beſaz ihres Kleides alle! n kommt auf 1000 Pf. St. zu ſtehen.— Die engliſche Zeitung„Globe“ enthält einen Aufſaz über das Honorar berühm— ter Londoner Aerzte und Wundärzte. Es wird durch den Reicht hum und die Freigebigkeit der Patienten aufs Höchſte geſteigert. Fünf Guineen(35 Thaler) für den Beſuch zu geben, iſt nicht un— gewöhnlich. Der Wundarzt Cowper er— hielt für einen Steinſchnitt 1000 Gui— neen. Die Londoner Aerzte Chambers und Brodie nehmen jährlich 12,000 Pfd. Sterling ein. Der Dr. Home gab bei der Beſteuerungs-Kommiſſion ſeine jähr— liche Einnahme mit 21/000 Pfd. St. an. Zwei Aerzte, Quäker, berechnen ihr jährliches Honorar auf 8 bis 12.000 Pfd. St. In dem Weſt-Ende von Lon— don, wo die hohe Ariſtokratie wohnt, müſſen die Aerzte gut bezahlt werden, denn ſie müſſen ſich dort, der Etiquet— te wegen, länger als üblich beim Pa— tienten aufhalten, und können oft nur zwei Patienten in der Stunde beſuchen. Weil die Aerzte ſo hohe Honorare be— dingen, muß in England ſo mancher Patient ohne ärztlichen Beiſtand ſter— ben, oder ſich an die Quakſalber, wie Dr. Moriſon, den berühmten Pillenfabri— kanten, wenden. Daß aber, wie es heißt, in der Gegend von Marienwerder dieſe Pillen gegen alle möglichen Krancheits— zufälle gebraucht werden, iſt auffallend, da es dort nicht an geſchikten Aerzten fehlt. Uebrigens ſollen dieſe Pillen den Verkäufern guten Gewinn, bis 30 Pro— zent abwerfen. Sie mögen, ſo wie es lezthin in London der Fall war, man— chen Vatienten in die Ewigkeit befördert haben. Man ſollte in Schulen über ſol— che Gegenſtände mit den Schülern, ſie warnend, ſprechen, damit der Quakſal— berei ein Ende gemacht werde. Baden-Baden. Wer's erſt ſo weit gebracht hat, wie Mayerbeer, der


