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dahier an der Beendigung einer noch ungetauften großen Oper arbeitet, kann auch die große Oper zu Paris ein Bis— chen nach ſeiner Pfeife tanzen laſ— ſen, vorausgeſezt, wenn's ihm Ver⸗ gnügen macht. Da die Primadonna mit einer Vakatur beſezt iſt, und die zwei— te Sängerin nur zuweilen zu ihr hin— einſchlüpft, wenn's gerade nothwendig iſt, ſo will der Komponiſt des Robert ſeinen neuen Sprößling nicht eher ſchrei— en laſſen, bis die zweite Sängerin die Vakatur nicht mehr zu beſuchen nöthig hat, oder aber, bis eine neue Prima— donna engagirt iſt, was eben ſo viel heißen will.
Dresden. Der Violinvirtuoſe Ernſt, der jezt als Rival von Paganini auftritt, und den die Pariſer dicht ne— ben dieſen ſtellen, gab auf ſeiner Durch— reiſe nach Wien jüngſt auch hier ein Konzert. Er erntete großen Beifall, und Kenner ſtellen ihn höher noch als Pa— ganini.(Ernſt hat bei uns in Peſt h nahe Verwandte.)
Paris. Die Bevölkerung von Pa⸗ ris wird jezt nach der lezten Zählung, ohne Fremde und Militär auf 909,126 Köpfe angenommen; 62,359 darunter, alſo der vierzehnte Theil der Einwoh— ner, ſind Arme.
Lokal-Zeitung.
— Der bekannte Preſtigateur u. Magier Döbler, der durch ſeine unbegreiflichen Kunſtſtüke in Wien ſo ungemeines Aufſehen erregte und über 60 Mal das Joſephſtädter Theater füllte, trifft gegen Mitte dieſes Mo— nats in Peſth ein, und wird, wie es heißt, ſeine Produktionen auf dem ungarlſchen Theater geben.
— Die meiſten vorzüglichen Mitglieder des ungariſchen Theaters, worunter auch die Damen Schodel und Felber, haben vorläuſig ihr Engagement auf künftige Oſtern aufge— kündigt.
— Dem Humortiſten zufolge, wäre der Baſſiſt, Hr. Saag von Olmütz, ein junger
Mann mit ausgezeichneten Mitteln, der eli ne Befähigung vorzüglich für Buffoparthien kund gab, zu Oſtern d. J. unter vortheithaf⸗ ten Bedingungen in Peſth engagirt.
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Redoute. Morgen, Sonntag, iſt die eigentliche dritte Redoute in unſerm Re· doutenſaale. Man weiß, daß dritte Re- doutenz bereits einen gewiſſen Höhepunkt der Karnevals-unterhaltungen erreichen, und da das Publitum heuer beſonderer guter Laune und ſehr tanzluſtig zu ſein ſcheint, ſo läßt ſich für morgen ein ſehr vorzügliches Ballfeſt mit ziemlicher Gewißheit erwarten. Wir haben ſchon ſo Manches von Eingeweihten darüber gehort; beſonders fluſterte man etwas von originellen Masken. Doch es ſchikt ſich nicht, daß wir mebr verrathen. Das Publikum thue das Seinige und komme; die Herren Emmer ling u. Morelly werden das Ihrige thun.
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Die Bätereien in Peſth ſind ſeit Kurzem im löblichen Wetteifer begriffen, dem publikum ein Gebäke zu liefern, das der Qua- lität und der äußern Form nach einigerma— ßen dem Wiener gleichkommt. Es wurden Reiſen unternommen und andere Beſtrebun⸗ gen an den Tag gelegt, um zu dieſem Reſul— tate zu gelangen. Es läßt ſich nun mit Ge— wißheit annehmen, daß ſich dieſe Umwälzung auch auf den Preis des Gebäkes erſtreken werde; denn das Brod ſoll nicht in Peſth, wie jezt, mehr, ſondern auch nicht ſo viel wie in Wien koſten; es ſoll wenigſtens um ein Drittel wohlfeller ſein, wenn es den Ver hältniſſen beider Orte angemeſſen ſein ſollte.— Rühmlich iſt bei dieſer Gelegenheit Hr. Bã⸗ termeiſter Schachtner in Ofen zu erwäh— nen, deſſen Gebäte an Güte keinen Wunſch zurütläßt und im Preiſe gegen Anderes um ein Drittel billiger iſt.
Wegen Verſpätigung der Poſten wa— ren wir dieſe Woche außer Stand ein Mo- denbild zu liefern, dagegen erſcheinen künfti— ge Woche deren zwei.
Mit dem nächſten Blatte wird auch die verſprochene An ſücht der Kettenbrü⸗ te ausgegeben. Der Stich iſt zwar bereits fertig; aber der ſorgfältige Druk einer gro⸗ ßen Auflhage hat das Erſcheinen etwas verzögert.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.
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