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es eine bedeutende Ueberzahl an Tän— zerinen. Von Wohlthätigkeits- Bällen fand bis jezt nur einer ſtatt, nämlich zum Beſten der Hradeker Kleinkinder— bewahrananſtalt. Die beliebteſten ſind die Sozietäts- und die Garniſonsbälle. Von Redouten hört man nichts. Die lezte Karnevalszeit ſoll nur zwei brin— gen. Auch einen neuen Saal haben wir, nämlich„zur Stadt Leipzig“ in der Vorſtadt Karolinenthal, der außer jenem auf„der Färberinſel““, zu den grandioſen und prachtvollſten unſerer Stadt gehört. Jeden Mittwoch iſt hier „Tanz⸗Kaſino““ und was Küche u. Kel— ler leiſten, erwirbt ſich die Zufrieden— heit des Publikums. Sonſtige Schauluſt bieten ein„lebendiger Rieſe“, ein todtes Wachsfiguren-Kabinet, das Diorama v. Bethlehem u. Sleſſaks Rei⸗ tergeſellſchaft. Zu den Tagsdiskourſen gehört die— Witterung. Am 14. d. M. hatten wir 14% unter Null und heute 10 über Null. Dabei Regengüſſe und Stürme, die Hüte von Köpfen, die Zie— geln von den Dächern herabſchleudern und dem Glaſermeiſter Arbeit vollauf verſchaffen. Die Schlittſchuhläufer ſind bei dieſer Gelegenheit auch um ihr Ver— gnügen gekommen. Die Eisdeke der Mol dau, über welche man gewöhnlich mit Mann und Roß paſſirte, iſt vor— geſtern gefahrlos abgegangen. Bei die— ſen Witterungszuſtänden iſt es kein Wun— der, wenn der Theatermoniteur, d. h. Theaterzettel, täglich einige Mitglieder als krank nennt und ſo das Repertoir geſtört wird. An Novitäten ſahen wir „Cromwells Ende““, ein Tiradenfezen, aus welchem ſelten ein dramatiſcher Fun— ken aufblizt. Die Darſtellung war gut und Herr Bayer, in der Titelrolle und Delle. Herbſt, als deſſen Tochter, er— warben ſich vielen und gerechten Bei— fall. Einer würdevollen und gelungenen Aufführung, wie ſie ſeit Jahren nicht ſtatt fand, erfreute ſich das Luſtſpiel
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der königl. Dichterin„der Majorats— erbe.“ Die Ausführung der trefflich ge— zeichneten Charaktere, ſo wie die Spra— che iſt geiſt- und gemüthvoll und die dramatiſche Oekonomie tre lich gehand— habt, nur iſt die Erfindung des Vor— wurfs nicht ſehr neu. Kurios! Wir Deutſchen haben das Schießpulver, die Buchdrukerkunſt und die Taſchenuhren erfunden, aber Handlungen zu Luſtſpie— len können wir originell nicht erfinden. Zwei überrheiniſche Produkte haben Glük gemacht: Caſtellis„Student und Dame“ und Koch's„Militär-Befehl.“ In erſtgenannter Piece, die ſo wie die zweite gefiel, exzellirten Hr. Dietz und Mad. Zängl; im Militärbefehl war es Delle. Frey, die ſich durch ihr gra— ziöſes und gutgefärbtes Spiel reichli— ches Applaudiſſement erwarb. Geſtern wurde zum Benefiz der Delle. Herbſt „Viola“ gegeben. Hierüber nächſtens. 58
Literatur.
Literariſches Portefeuille. Von dem geſchäzten Dichter Joh. Lan— ger in Wien erſcheinen im Laufe d. M. eine neue Folge ſeiner Gedichte in zwei Bänden bei Tendler u. Schäfer, was gewiß ſeinen zahlreichen Verehrern eine angenehme Kunde iſt. Wir werden ſei— ner Zeit ein Näheres darüber referiren. — Der in den meiſten literariſchen Blät— tern ſehr günſtig beurtheilte Roman des in Frankfurt lebenden jungen Schrift— ſtellers Dr. S. Zirndorfer,„Benjamin Israeli“, iſt, mehreren Schweizer Blät— tern zufolge, von der bekannten Dra— mendichterin Charlotte Birch-Pfeiffer als Schauſpiel bearbeitet worden. Der Stoff dieſes Romans iſt wirklich für dieſen Zwek ſehr geeignet; nur hätte er auch einen geeigneteren Bearbeiter fin⸗ den ſollen.— Ein Korreſpondent aus
Brüſſel ſchreibt:„Das Brüſſeler, oder


