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werben jezt ſchon vierzig Jahre her ſein, wo ich am Hoe eines reichen Herrn als Hofjunter diente. Das alte und ſchwache Herrchen hatte zuerſt Vodagra und dann ſtarb er, nachdem er bis an ſeinen ſeligen Tod ſeine liebe Frau beweint hat— te, die zwei Jahre vor ihm geſtorben war. Auch ſein Tod koſtete viele T heanen; denn Jeder liebte das gute Herrchen. Er hinterließ zwei Söhne, Karl und Siegmund, von denen der eine neunundzwanzig, der andere dreißig Jahr alt war. Nach der Trauer muß man auch an ſich denken, die Söhne fingen alſo an, gemeinſchaftlich die Güter zu bewirthſchaften und durchſuchten alle Papiere ihres Vaters, die eine nicht kleine Summe ausſtehendes Geld angaben. Daz Meiſte davon war aber, wie ſie fanden, an einen weit entfernt wohnenden Ede—— mann verliehen, und das wollte Karl nach einem halben Jahre holen. Als der Tag der Abreiſe ſchon beſtimmt war, rief mich der junge Herr und ſagte:„Na, mein Martin, fahr mit uns, ich fahre ſehr weit, bis über die Weichſel.“— „Gut, junger Herr!“ antwortete ich, und in einer Stunde ſaß ich ſchon auf dem Wagen und die jungen Herren drükten ſich herzlich.—„Denke an die Rüt kehr, lieber Bruder!“ ſchrie Siegmund und weinte wie ein Kind; Karl ſprang mit Thränen in den Augen auf den Wagen und ließ abfahren. Wir fuhren eine ganze Woche, ehe wir an den Ort kamen, wohin wir wollten. Mit Todesangſt ſezten wir über die Weichſel und nun ſahen wir ſchon das Schloß des Edelman— nes. Hier war es ſehr ſchreklich!““— Martin trank den Neſt aus ſeinem Kruge, und der Pförtner heftete voller Furcht die Augen auf den alten J hürwächter, indem er glaubte, daß er von Zaubereien und Geſpenſtern hören würde.
„Ja, lieber Gevatter! hier ſtanden uns entſezliche Dinge bevor. Als wir auf den Hof fuhren, fiel uns eine Menge von Hunden an und ſie zogen uns beinahe vom Wagen herunter; ſo fuhr ich unter Höllenpein vor das Haus und hier begrüßte meinen Herr der ehrwürdige Edelmann, dem das Schloß gehörte. Er empfing meinen Herrn ſehr freundlich und führte ihn in ſeine große Gaſt— ſtube. Ich folgte furchtſam nach. Es war bald Zeit zum Abendbrod und die Alkoventhür öffnete ſich; die Frau des Edelmanns kam mit zwei wunderſchönen Töchtern herein und hinter ihr kam ein ſchönes Stubenmädchen. Ach, wenn der Martin, der hier ſizt und erzählt, die anſah, dann konnte er ſich kaum hal— ten, er fühlte ſein Herz nicht, als wenn die Zauberin es ihm aus der Bruſt geriſſen hätte. Aber mit meinem Herrn war es nicht beſſer, er wurde bis über die Ohren roth, und wenn die Hausfrau ihn nach ſeinem Bruder fragte, dann konnte mein Herr, der ſonſt immer ſo reſolut war, nicht ein geſundes Wort vorbringen, er ſah nur immer von der Seite die ſchönen Fräuleins an. Nach dem Abendbrode ſaßen ſie noch lange und als die Schlafzeit kam, hatte Herr Karl nichts mehr von ſeinem Kopf und wußte gar nichts von ſich. Er konnte nicht einmal die Kleider ausziehen, ſondern ſaß da und träumte. Ich bedauerte meinen jungen Herrn und fragte, ob er krank wäre.„Du ſprichſt wahr, Mar— tin, ich bin krank!“ ſagte er und fiel auf's Bett. Die ganze Nacht ſchloß er kein Auge zu, und ich that's ihm nach; er hatte beſtändig das junge Fräulein Hedwig vor den Augen und ich mein liebes Stubenmädchen. Der helle Tag ſah ſchon in unſere Fenſter und mein Herr ſeufzte die Sonnenſtrahlen an; ich that's ihm nach. Es dauerte nicht lange, ſo kam der Edelmann und wunderte ſich nicht wenig, daß ein ſo junger Herr es ſich ſo gut im Bette gefallen ließe. Als wir gefrühſtült hatten, fuhren wir zur Jagd; aber mein Herr traf kein Wild,


