Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
71
 
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der Königin Viktorla ausgeführt wer⸗ den wird. Die Partitur iſt 12 Folio⸗ blätter kleiner Schrift ſtark, und die erſte Parthie iſt ſo hoch gehalten, daß ſie nur von einem Künſtler erſten Ran⸗ ges geſungen werden kann. Bidot, der große Regenſchirm- Fabrikant, hat jezt eine bereits patentirte Erfindung gemacht, die bei weiterer Verbreitung galanten Männern ſehr gut bekommen wird. Gehen nämlich jezt ein Herr und eine Dame im Regen unter einem Regen ſchirme, ſo muß der Mann aus Galan⸗ terie gewöhnlich gerade unter der Trau fe des Regenſchirmes gehen, daß es ihm juſt auf den Buſenſtreif und in den Na⸗ ken tröpfelt und er ſtatt im Regen un ter der Traufe iſt. Bidot hat nun Doppel-Regenſchirme erfunden, die ſich nöthigenfalls wie ein kleines Zelt aus breiten laſſen und zwei auch drei Per⸗ ſonen ganz gegen den Regen ſchüzen.

Madrid. Hier erfuhren wir eine beſondere Neuerung. Bei den lezten Stiergefechten nahmen einige Damen thätigen Antheil an dieſen gefährlichen Exerzitien, und das Publikum ſpende te ihrer Kühnheit und Geſchiklichkeit großen Applaus.

Bern. Im Kanton Walis wurde ein Geſez publizirt, das den jungen Leuten, bevor ſie ihr 25. Jahr erreich ten, das Tabakrauchen unter Geld- und Gefängnißſtrafe verbietet. Dieſes Ver bot findet ſelbſt bei verheirat heten Per⸗ ſonen Anwendung; denn es kamen Fälle vor, daß junge Leute nur darum heira theten, um Tabak rauchen zu können.

Peking. Der Kaiſer von China verſucht es nicht nur mit Dekreten, dem Gebrauch des Opiums entgegen zu ar beiten, auch die Malerei u. Poeſie ſezt er zu ſeinem Zwek in Thätigkeit. Der Maler Sunqua in Kanton hat in ſechs Gemälden das Elend, welchem der O pium⸗Naucher unerläßlich verfallen muß,

nach allen Graden dargeſtellt und ein chineſiſcher Poet erklärte jene Bilder in Verſen, die er von dem unglüklichen Weibe des Opium-Rauchers ſprechen läßt. Wir ſehen, die Chineſen wollen die Sachen noch immer prak tiſch anfangen, und ſie mögen wohl auch wiſſen, daß manche Poeſie einen Theil der Wirkun⸗ gen des Opiums auf ſich nehmen kann: wenn ſie nicht berauſcht, ſo ſchläfert ſie doch ein.

Shriſtiania. Chriſtiania iſt die große Niederlage der beſten Bretter u. es beſteht da eine ſpaßhafte Art, wie man mit den Landleuten, welche das Holz zu Markte bringen, Rechnung hält. Sie übergeben ihre Bretter den Aufſehern in den Niederlagen, welche mit Kreide in Buchſtaben und Zahlen den Bauern den Ort, wo die Bretter abgeliefert wurden und die Zahl der⸗ ſelben auf den Rüken ſchreiben. Iſt dies geſchehen, ſo eilen die Bauern ſo raſch als möglich nach dem Komptoir der Kaufleute mit der originellen Schuld- verſchreibung auf dem Rüken. Hielten ſie ſich unterwegs auf oder verrichteten ſie noch ein anderes Geſchäft, ſo könn⸗ ten jene Bezeichnungen auf ihrer Rük⸗ ſeite verwiſcht werden und ſie allen An⸗ ſpruch verlieren. Erſcheinen ſie vor dem Kaſſieret, ſo brauchen ſie kein Wort zu ſagen, ſondern ihm blos den Rüken zu zudrehen, worauf ſie denn ſo fort be⸗ zahlt werden; die Bürſte, mit welcher der Kaſſierer über den Rüken der Be zahlten fährt, iſt die Quittung der Bauern.

Wien. Ungemein glanzvoll war das Ballfeſt am 13. Jan. beim ruſſiſchen Botſchafter, welchem die Erzherzoge Franz, Johann, dann Karl mit Sohn, Erzherzog Maximilian und die Frau Erzherzogin Sophie beiwohnten. Der geiſtvolle Fürſt Paul Eßterhazy machte die Honneurs. Fürſt Metternich war auf den beiden leztgenannten Feſten