Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
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ligen, aber unbemittelten Famille, kam nach Paris, ohne einen Sou, und hatte ſein Glütk 30 Jahre vorher einer Heirath mit einer Frau zu verdanken, die für ſeine Großmutter gelten konnte. Wir waren damals im Jahre 89. Das Wört chenvon, das ſeinem Namen vorausging, machte ihn heſorgt, er ſah die Zu⸗ kunft voraus und wollte der Volksſache ein Unterpfand geben, ehe ſie es noch verlangte. Man ſagt, daß ein alter Mann immer Unrecht thut, ein junges Mädchen zu heirat hen; allein wenn ſeine Gemahlin ſittſam und gewiſſenhaft iſt, entledigt er ſich gieriger Seitenverwandten, ſchüttelt das Joch eigennüziger und diebiſcher Diener ab und wenn bei ſeinem Tode auch nicht die Liebe zu den Füßen ſeines Sterbebettes weint, iſt es wenigſtens die Erkenntlichkeit. Was mich anbelangt, ich erröthete und erblaßte, als ich das großmüthige Anerbieten des Herrn v. Charmy vernahm und bat um einige Tage n Sie meine Schwachheit? Ich lief zu meinem Ebeniſt, um ihn v Vorgefallenen zu unterrichten und mich mit ihm zu berathen. Er war aber auf der Schwelle ſei⸗ ner Thüre mit einer kleinen Krämer in, an die er, ach! alle jene Liebesreden richtete, die er ſeit drei Monaten an mich verſchwendete. Bei dieſem Anblik wendete ich mich nach der Seite des Hauſes des Herrn v. Charmy zu, und ich ge ſtehe es, daß ich die Fenſter und die fünf Stokwerke mit einem beſondern Wohl⸗ gefallen zählte. Ich, ein armes Mädchen, das nicht einmal ſo viel beſaß, um die Miet he für ein Dachſtübchen zu bezahlen, ich brauche nur ein Wort zu ſa⸗ gen, um Beſizerin eines ſchönen Hauſes zu ſein, an der Seite eines alten Gat⸗ ten zwar, allein in dieſem Augenblik verließ mich mein treuloſer Geliebter. Ein Monat drauf wurde ich Frau von Charmy. (Beſchluß folgt.);

Der Schein trügt.

Demoiſelle Des foir ward um 1780 vom der Schauſpielddirektrize Lobreau in Lyon, deren Theater eine ſchöne und paſſende Schauſpielerin verließ, enga girt. Sie befand ſich an einem kleinen Orte und in den traurigſten Umſtänden, als ſie den Kontrakt von 2000 Livres Jahrgehalt erhielt. Sie machte ſich zu Fuß auf, quartirte ſich in einer Vorſtadt von Lyon ein und ging hierauf zu Madame Lobreau. Sie klopfte; ein Kammermägdchen öffnete.Iſt Madame Lo⸗ breau zu Hauſe? Das Kammermädchen maß ſie mit den Augen, lächelte über ihre ſchlechte Figur, über ihren noch ſchlechteven Anzug und Madame Lobreau war nicht zu Hauſe. Am folgenden Morgen kam ſie wieder Madame Lobreau war ausgegangen. Jezt gab ſie ſich zu erkennen, indem ſie bemerkte, daß ſie von Madame Lobreau engagirt ſei. Die Zofe wollte es Anfangs nicht glauben, doch meldete ſie die Harrende. Mad. Lobreau, der man die Des foix als eine ausgezeichnete Aktrize gerühmt hatte, erſchrak, als ſie eine häßliche, ſchiefe, nicht viel über vier Fuß hohe Figur erblikte; doch bat ſie ſie zum Mit⸗ tagseſſen. Die hungrige Virtuoſin kam. Sie fand große und vornehme Geſell ſchaft. Jedermann erſtaunte über daskleine Ungeheuer; die abgehende, ſehr ſchöne Schauspielerin machte ſich beſonders über ſie luſtig. Bei Tiſche fragte Ma⸗ dame Lobreau die Desfoir, mit welcher Rolle ſie debutiren werde.Mit der erſten Liebhaberin imPelntre amoureux de son modéle.Sie, die erſte