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Der Spiegel
für Run ſt, Eleganz und Mode.
Dreizehnter Jahrgang.
Halbjähriger Preis 4 fl., mit Poſtverſendung 3 fl. Auf Velinpavier mit erſten Kupferabdrüken 5 fl. u. poſtfrei 6 fl. C. M.— Man pränumerirt im Kommiſſtonsamt zu Ofen Feſtung, außerhalb
des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. bel allen kt. Poſtämtern.
6. Sonnabend, 18. Jäner. 1840.
Der Gang um Mitternacht.
(Fortſezung.)
Der Hauptmann war unausgeſezt vor mir hergegangen. Seine breitſchul⸗ trige Geſtalt, im trüben Mondſchein nur einen leichten Schatten werfend, be— fand ſich in aufrechter Stellung dicht vor mir; ich konnte auf das Genaueſte jede ſeiner Bewegungen beobachten. Es kam mir jedoch nicht in den Sinn, dieſes zu thun; ich folgte ihm, wie man eben Jemanden folgt, dem man den bequemen Weg gönnt und den man nicht durch nothwendiges Ausweichen ſtö— ren will. Mit einem Male ſehe ich die vor mir gehende Geſtalt ſchief zur Seite gebeugt, und gerade in der Stelluug, als lehnte ſich ein Begleiter, den er führte, auf ihn. Mein Auge gewahrte Niemanden. Der eine Arm des Haußt— manns war vom Mantel entblöſt und in der Richtung gebogen, als hielte ſich ſein unſichtbarer Begleiter daran geſchloſſen; zugleich mußte der Leib deſſelben mit ſeiner ganzen Schwere auf dem Führer ruhen, denn die kräftige Geſtalt des Hauptmanns war, wie geſagt, zur Seite gebükt, gerade ſo, als trüge er einen ſchweren Gegenſtand. Ich hörte ihn keuchen, und ſein Schritt, der Anfangs, wie wir den Weidengang betraten, ſo ſchnell geweſen war, daß ich ihm kaum


