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mit genauer Noth unangekleidet entflie— hen.— Ein unbekannter Verehrer hat ihr ein Diadem, mit ſechs Edelſteinen beſezt, zugeſchikt, deren Anfangs buch— ſtaben das Anagramm ihrer Hauptrol— len bilden: Roxrelane, Amenaide, Ca— milla, Hermine, Emilie, Laodicée(Ru- bin, Améthiste, Cornaline, Hématite (Blutſtein), Emeraude(Smaragd), La- pis Lazuli.)
Frankfurt. Thorwaldſen will in Kopenhagen das Modell für unſer Goe— themonument beginnen; er geht alſo in der nächſten Zeit nach Rom zurük.
St. Petersburg. Es ſind hier ſehr gelungene Verſuche mit einer von dem Ausländer de Witte erfundenen Subſtanz, zur Wahrung hölzerner Ge— bäude gegen Feuersgefahr, angeſtellt worden.
Lokal-Zeitung.
Ab ſchieds konzert des H. Franz Liszt. Dieſes gehörte in jeder Beziehung zu den intereſſanteſten Akademien unſers ge— feierten Virtuoſen. Liszt ſelbſt ſpielte die herr— liche Wilhelm Tell-Ouverture auf eine wahr— haft grandioſe Weiſe, ſo vollſtimmig, daß ſie ſelbſt auf zwei Klavieren, achthändig geſpielt, nicht größern Effekt hervorbringen kann— ferner die liebliche Sonnambula-Fantaſie mit ihren unbegreiflichen Paſſagen unter donnern— dem Applaus und zum Schluſſe Schuberts „Erlkönig“ u. eine Improviſatlon über ſechs aufgegebene Themas, von welchen die Moti— virung der Introduktionsarie des Leporello aus„Don Juan“ am meiſten anſprach. Da entfaltete Liszt die ganze gigantiſche Kraft ſeines wundervollen Spieles, die überraſchend— ſte Originalität ſeiner genialen Fantaſie— da zeigte er ſich als vollkommener Meiſter ſeines Inſtrumentes, deſſen er ſich wie der Zunge zum Sprechen bedient, um ſeinen Gedanken Deutung zu geben. Wie oft Liszt gerufen wurde, vermag ich nicht anzugeben— Alles war wieder enthuſiasmirt und ſo ſchied der Künſtler, deſſen Name dem Gedächtniſſe ſei— ner Landsleute nie entſchwinden wird, der
aber auch ſelnen Aufenthalt in Pannontens blühender Hauptſtadt nie vergeſſen wird!— Delle. Carl ſang die Bravourarie aus Bel⸗ lini's„Piraten“ mit all' dem Kunſtaufwande ihrer herrlichen Stimme, ihres entzükenden Vortrages, was ihr den lebhafteſten Beifall des enthuſiasmirten Auditoriums gewann.— Herr Steiner erntete durch den ſeelenvollen Vortrag von Schuberts:„Hirt auf dem Fel. ſen“ reichlichen Arplaus. Beide Piecen be— gleitete Liszt auf dem piano. Der Saal war ſehr voll. Semper idem. 5— Frauenverein⸗Ball. Dieſer Wohl⸗ thätigkeits-Ball, am 12. d. M. abgehalten, eröffnete, wie alljährlich, auch heuer den Rei— gen der Karnevals-unterhaltungen in unſerm Redoutenſaale. Der Ball war äußerſt glän- zend und vereinigte Alles, was Peſth Reiches, Elegantes und Schönes beſizt. Sowohl die Toiletten als auch die große Anzahl der Mas ten vereinigten Pracht und Geſchmak in ſich und Alles brachte einen grandioſen Eindrut hervor.— Die Muſik unter Morelly's kunſt. geübter Leitung war ausgezeichnet gut, eben ſo präzis als imponirt. Der Beifall war. einhellig.— Herr Emmerling hat über dieſen prokurirten beſondern Genuß auf den vollen Dank aller Tanzluſtigen Peſth's Anſpruch. Eben ſo verdienen ſeine andern Arrangements in der Kredenz, in den Spei— ſeſälen ze. de. lobende Anerkennung. Vor Allen aber Preis und Ehre dem edeln Peſther Frauenverein!!
Benefiz.(Ofen.) Zum Vortheil des verdienſtvollen Schauſpielers Hrn. Nitſch, wird Sonnabend, den 18. d. M., zum erſten Male gegeben:„Die Tochter des Bettlers“, Tharaktergemälde in 3 Akten von Blum. Ein ſehr intereſſantes dramatiſches Produkt.
An die verehrlichen Leſer. Da die Donau ſolch eine Menge Treibeis führt, daß die Paſſage zwiſchen beiden Städten un— gemein erſchwert wied, ſo müſſen wir um Entſchuldigung bitten, wenn dadurch die Mit—
thellung der Peſther Novitäten etwas verſpä—
tet würde. Dieſer prekäre Zuſtand kann oh⸗ nehin nicht lange anhalten.
Beilage:„Der Schmetterling.“ Nr. 2.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


