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ſah. In der Nacht vom 29. auf den 30. Sept. v. J. führte ihn ſein Lehrer aus dem Walde hinaus; ſie ſtiegen in einen Wagen, den ſie unterwegs antra— fen, und kamen nach ſechs Uhr Mor- gens in Straßburg an; hier gab ihm ſein Erzieher die Weiſung, nach Nym— wegen zu reiſen und dort in Militär— dienſt zu treten; zugleich händigte er ihm 40—50 Thlr. Reiſegeld und eine Marſchroute ein u. entfernte ſich dann. So auf einmal in die Welt und unter die Menſchen verſezt, trat der junge Mann die ihm vorgeſchriebene Reiſe an und gelangte— ohne Hinderniß bis Goch, wo die Polizei ihn verhaftet, weil er durch keine Papiere ſich über ſeine Perſon und ſeine Herkunft aus— weiſen konnte. Es wurden Nachforſchun— gen in dieſem Bezuge angeſtellt, die je— doch zu keinem Ergebniß führten, und ſo hat denn der hieſige königliche Ober— Prokurator, Hr. Beſſel, in einer öf— fentlichen Bekanntmachung alle diejeni⸗ gen, die über die Herkunft des Franz van der Heyden, namentlich auch über ſeinen Aufenthalt und ſein Benehmen auf der angeblichen Reiſe von Straß⸗ burch bis hieher, Auskunft geben kön— nen, erſucht, ihm oder der nächſten Po— lizeibehörde Anzeige davon zu machen. Der Verhaftete ſpricht, wie die Ve— kanntmachung ſagt, das Deutſche gut und richtig mit etwas ſüddeutſchem Ak— zent aus; er beſizt nicht ganz gewähn— liche Schulkenntniſſe, und ſein Veneh— men iſt ganz unbefangen u. ruhig. Als er verhaftet wurde, trug er einen fei— nen blauen Frakrok mit gelben Knöpfen, eine ſchwarze Tuchhoſe, die ihm zu lang war, eine hellgrüne Weſte mit dunkeln Blumen, eine ſchwarze Halsbinde, ein grobes leinenes Hemd, einen ſchwarzen Hut und Schuhe, auch hatte er ein Regenſchirm bei ſich. Die weitern Nach— forſchungen werden es wohl aufklären, ob man hier, wie man es bei ſeinem
Vorgänger ſo gerne geglaubt hat, wie— der ein Opfer arger Intriguen, ge— heimnißvoller Familienbande, wichtiger Standes- oder was immer für Rülſich⸗ ten zu bedauern hat, oder ob nicht viel— mehr die Zweifel, die man gegen die Wahrheit der wenigſtens, wie auch der Herr Oberprokurator erklärt, an und für ſich unwahrſcheinlich lautenden An— gaben hegen dürfte, wohlbegründet ſind.
Berlin. Hr. v. Holtei iſt wieder bei uns und wird, wie mir vernehmen, dramatiſche Vorleſungen halten. Wir haben dieſen Kunſtgenuß ſeit lange un— gern entbehrt und ſind gewiß, daß die Theilnahme dafür ſich auch diesmal le— bendig genug zeigen wird.„Erinne— rungen“ aus ſeinem Leben will Hr. v. Holtei, wie er im„Freihafen“(Heft 1. 1840) mit Gründen erklärt, und ſich deutlich genug auf eine Aeußerung im „Geſellſchafter“ bezieht, jezt noch nicht herausgeben, und er thut wohl daran, dies zu verzögern; ſchreiben kann er unterdeß gelegentlich immer daran. Ein neues Drama hat Hr. v. Holtei voll—⸗ endet, es war Hoffnung vorhanden, es auf der königlichen Bühne zu ſehen, wer ſich aber vor dieſe Hoffnung ſo hinſtell— te, daß ſie verdrängt ſcheint, wiſſen wir nicht.
Texas. Der Kongreß von Texas hat ſo eben ein Geſez erlaſſen, wodurch 2982 Norgen guten Landes jeder Frau⸗ ensperſon ertheilt werden ſollen, welche während des laufenden Jahres einen Bürger jener Republik heirathet, der ſchon bei der Unabhängigkeits-Erklä⸗ rung derſelben das Bürgerrecht hatte. Die Texaner müſſen in großer Verle— genheit ſein. Beſtellungen werden hier zu Lande nicht angenommen.
Paris. Die kaum wieder geneſe— ne Schauſpielerin Rachel iſt einer gro— ßen Gefahr ausgeſezt geweſen. In ihrem Hauſe brach zur Nacht Feuer aus; der Boden brannte bereits, und ſie konnte


