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mehr zuſagt... und dieſes neueſte ſatinirte Papier, es iſt das eleganteſte, graziöſeſte und niedlichſte, daß man jezt hat... und diefe Petſchaften, dieſe allerliebſten Petſchaften. Sie, die Sie Ihre Frau anbeten, ſollten ihr eine von dieſer bronzenen Bildſäulen bringen, als das Neueſte, was aus dem Atelier des Herrn Elſhoßct kommt. Haben Sie je ein eleganteres, anmuthigeres, zierliche— res geſehen?— Iſt das Alles, was Sie wünſchen?““
In dieſem Augenblik erſchien ein junger Dandy(Lion) vor den Fenſterſchei⸗ ben det Magazins; beim Anblik des Herrn Daniel trat er ein.„Guten Morgen, Freund, eben wollt' ich dir in Verſailles einen Veſuch abſtatten. Du fährſt wieder zurük... deſto beſſer. Wie befindet ſich deine ſchöne Ehehälfte?“—„Wohl.“ —„Was machſt du hier für Einkäufe? du ſollteſt dir wohl ein Daguerrotype kaufen Apropos, haſt du im„Siecle“ die Geſchichte mit dem Daguerro⸗ type geleſen? In deinem Hauſe iſt eine herrliche Ausſicht, wir werden es auf alle Fenſterflügel in der Umgegend richten und auf dieſe Art die geheime Ge— ſchichte von ganz Verſailles haben...“ Daniel möchte aus Freuden über die⸗ ſen Vorſchlag dem Dandy um den Hals fallen. Herr Suſſe brachte eine große, vierekige Kiſte, man rief ein Kabriolet, und der Dandy, Daniel und das Da— guerrotype nahmen den Weg nach Verſailles. Man kommt ungefähr um 11 Uhr früh an, die Sonne prangte am Himmel; das Wetter war köſtlich. Wäh⸗ rend der Dandy für das Kabriolet zahlte und die Kiſte mit eigener Hand her— unternahm, ſtürzte Daniel auf den Eingang zu, wie ein Mann, der voll Un⸗ geduld den ſüßen Augenblik, wo er ſeine Frau in die Arme ſchließen ſoll, nicht erwarten kann. Allein, welches Staunen bemächtigt ſich ſeiner, als er einen jungen Mann bemerkte, der ſich längs der Mauer hinſchlich und dann, in das Innere des Korn-Vodens ſtürzend, verſchwand. Er erinnerte ſich unwillkürlich an die furchtbare Geſchichte des Daguerrotyps und der ſchwärzerſte Verdacht be— gann von Neuem ſeine Seele zu beſchleichen; er fühlte ſich von einem drüken— den Alp geängſtigt und erröthete über ſich ſelbſt, weil er wußte, daß ein un⸗ gerechter Argwohn zwei Perſonen erniedrige. Indeſſen faßt er ſich und verbirgt ſeine Aufregung, er begnügt ſich blos den Boden zu verſchließen und den Schlüſſel zu behalten, um dadurch den Schuldigen jedes Mittel zur Flucht zu entziehen.
„Wohin ſoll ich die Schachtel ſtellen?“ fragte der Dandy.—„Dort oben,“ ſagte Daniel, auf den Heuboden, der über dem Kornſpeicher war, zei⸗ gend.—„Man ſteigt mittelſt einer Leiter hinauf,“ ſagte der Dan dy,„deſto beſſer, wir werden die Leiter oben wegziehen und Niemand wird uns dann ſtö⸗ ren. Doch bald hätte ich vergeſſen, der Madame Daniel meine Aufwartung zu machen.— Iſt Madame Daniel ſichtbar?““ ſchrie er einem Kammerdiener zu. —„Dies iſt die Stunde, wo die gnädige Frau ſich in ihr Zimmer einſchließt und es iſt verboten, ſie zu ſtören.“—„Die Unglükliche!“ murmelte Daniel zwiſchen den Zähnen.—„Ans Werk alſo,“ ſagte der Dandy.
Daniel folgt ihm auf lden Voden und ſieht mit klopfendem Herzen den Dandy die Vorbereitungen machen, den Spiegel der Camera obscura auf das Zimmer ſeiner Frau richten, ohne ſelbſt nachzuſehen, ob die Fenſter offen oder zu ſeien.
Kaum verſtrichen zwei Minuten, als ſchon der Dandy die Platte zurük⸗ zog.„Herrlich!“ ruft er gus,„ſieh, das ganze Gemach deiner Frau iſt abge⸗


