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bildet, da iſt ihr Schlafgemach, hier iſt ſie ſelbſt. Sie hat einen Stikrahmen auf ihren Knien, es iſt ein herrlicher Tiſchteppich, auf welchem ſie deinen Wap⸗ pen und die Anfangsbuchſtaben deines Namens ſtikt“... Daniel glaubte zu träumen, er betrachtete abwechſelnd das Bild ſeiner Frau, das ſich auf der Platte daguerrotypirt hatte und den Schlüſſel des Kornſpeichers, den er in der Hand hielt.„Wer iſt er denn?“... ruft er aus und läßt den Dandy, der ſich dieſe Ausrufung nicht erklären kann, verduzt zurük, ſtürzt die Leiter mit Gefahr des Halsbrechens herunter, öffnet den Kornſpeicher.... und ſieht in einem Winkel den ſchönen jungen Mann, der wegen eines Pakets Leinwand und der Tapettenmuſter, die er in ſein Magazin zurülbringen ſollte, nicht wenig verlegen war, da Madame Daniel ihm befahl, dieſe Gedenſtände auf eine Art wegzutragen, daß der Herr Gemahl nichts davon merke.
„O, es lebe das Daguerrotyp!“ ſagte Daniel zu ſeinem Freunde, indem er ihm ſeine Schwachheit geſtand, wie würde ich ohne ſeine Hilfe geglaubt ha— ben, daß meine Frau ſich in ihrem Zimmer einſchließe, um mir einen Teppich zum Neujahr zu ſtiken.
Hoch lebe das Daguerrotype und der es erfunden,“
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Origineller Brief eines armen Teufels*). Leipzig, April 18. Hochverehrteſter Herr!
Ein armer Teufel, der ſich nähren will, geht nie ganz zum Teufel. Mit acht Groſchen kam ich nach Leipzig; jezt leb' ich ſchon in der fünften Woche hier und es iſt immer gegangen.— Ich bewohne ein beſcheidenes Stübchen in den „drei Roſen“; allerdings nicht das glänzendſte in der weltberühmten Handels— ſtadt Leipzig; allein voll eigenthümlicher Reize. Die Meubels ſind über allen Tadel erhaben. Ein mit Seegras ausgeſtopftes Sopha ermuntert durch ſeine Hartleibigkeit zu ausdauerndem Fleiße. Die mittelalterliche Kommode erinnert an die Moſaiſche Schöpfuungsgeſchichte, nämlich an die Zeit, da noch nichts erſchaffen war. Der Spiegel beſizt die gute Eigenſchaft, daß er alle Bilder, wie die Hegelſche Philoſophie, verworren wiedergibt. Ein Spuknapf fehlt; wahrſcheinlich hat meine Wirthin geglaubt, daß ich nicht über überflüſſige Feuch— tigkeiten zu disponiren habe. Keine lebendige Seele ſtört mich hier in meinen Betrachtungen. Sämmtliche Wanzen, von denen es hier früher gewimmelt ha⸗ ben ſoll, ſind bei meinem Erſcheinen ausgeriſſen; nur eine einzige, wahrſchein— lich eine Schwangere, die hier ihre Niederkunft abwarten will, hat mich ver⸗ gangene Nacht gezwikt. Wenigſtens ihrem Appetit nach mußte ſie für z wei eſſen. Zwar verſichert mich die Köchin, daß ſich bei dem frühern Bewohner der Stube, einem promovirten Advokaten, dann und wann vier bis fünf genügſame Schmeißfliegen eingefunden hätten, allein troz der warmen Mailuft, die jezt her⸗ einſtrömt, hat ſich noch keine bei mir bliken laſſen.
*) Dieſe originelle Zuſchrift entſendete der jezt verſtorbene Verfaſſer an ſei⸗ nen ehemaligen Prinzipal, welchen er in Folge eines Streites mit Hin⸗ terlaſſung ſeiner Habſeligkeiten plözlich verlaſſen, und ſich auf gut Glüt nach Leipzig gewendet hatte..


