Jahrgang 
Band 1 (1840)
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rin?Auf ihrem Zimmer zwar, mein Herr, allein man darf jezt nicht ein⸗ treten, ſie hat es ausdrüklich...Sie hat dich vielleicht gemeint, Närr⸗ chen, doch ich... Und mit dieſen Worten ſtürzte Daniel die Stiege hinauf und geht an die Thüre eines Gemaches.Ich bins, Adeline. Keine Ant⸗ wort erfolgte.Oeffne doch, ich bins ja. Vergebens mühte Daniel ſich ab, klopfte immer ſtärker und drohte endlich mit zornbebender Stimme. Adeline blieb ſtummer noch als die Thür, die wenigſtens das Echo ſeiner Schläge in dumpfen Tönen zurükgab.Sie iſt gewiß nicht da, ſagte der erſchöpfte Ge mahl.Die gnädige Frau befindet ſich dennoch da, flüſterte das Kammerkäz chen mit leiſer Stimme,ſeit einem Monat ungefähr, ſchließt ſich Madame täg⸗ lich um 10 Uhr früh hier ein, und ſelbſt ihre Mutter konnte ſich zu dieſer Zeit keinen Eingang verſchaffen, es iſt eine ihrer Grillen, denn wie anders kann man ſich dies erklären.Schweig, ich habe ſchon genug, herrſchte ihr Da niel mit ſtrengem Ton und ſo finſterer Miene zu, daß die Dienerin kein Wort mehr vorzubringen wagte. Mit ſorgumwölkter Stirn zog ſich Daniel in ſein Kabinet zurük.Was kann eine junge und hübſche Frau, die ſich in ihrer Kammer eingeſchloſſen hält, machen?Arges, flüſterterte die Eiferſicht ihm zu. Anfangs wollte er ihren Eingebungen kein Gehör leihen, doch bald fing er zu zweifeln und nach und nach daran zu glauben an. Die Mittagsſtunde führ te unſer Ehepaar wieder zuſammen.Warum verweigerteſt du mir heute Mor gens den Eintritt in dein Gemach, Adeline?Weil ich entweder beſchäf tigt oder außer dem Hauſe war, antwortete Adeline, deren ganzes Weſen Be fangenheit ausdrükte und den Verdacht ihres Gemahls noch mehr beſtärkte,. Nach dem Mahle hate die peinliche Verlegenheit ſich Beider gleich bemächtigt, indem der Eine über die Unwahrſcheinlichkeit der Vehaunptung nachgrübelte und uner freuliche Schlußfolgerungen daraus zog und die Andere über die traurigen Fol gen ihrer Lüge nachdachte. Das Journal le Siecle vom 25. Oktober lag eben auf dem Kamin, Adeline nahm das Blatt in die Hand, mehr um ihre Betrof fenheit zu verbergen, als es ihr ernſtlich um den Inhalt zu thun war, bis auf einmal ein Name ihre ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahm.Ach, mein Gott, ſchrie, ſie,der arme Here X... und fing nun laut zu leſen an.

.ehedem Mitglied des diplomatiſchen Korps, vermählte ſich gegen Ende Juli 1839 mit dem Fräulein Louiſe B..., Tochter eines ehrſa men Bürgers in Verſailles. Bis zum Frühling dieſes Jahres war dieſe Verbin dung die glüklichſte, die man ſich nur denken kann; allein, zu dieſer Zeit gab Mad. X.. zu heftigem Zank Anlaß, bis eine jener häuslichen Trennungen zwiſchen beiden Eheleuten verabredet wurde, wie ſie in Paris zu Duzenden vor kommen. Herr X... bewohnte zwar auch ferner das Schloß, welches er bei der Stadt Avray beſaß; allein, der Mad. X. wurde das Recht bewilligt, mit einer Kammerfrau und einem Gärtner in einem vom Schloſſe ihres Gemahls gänzlich getrennten Pavillon zu wohnen, und den ein von einer Mauer umſchloſſener Garten umgab. Nicht lange hierauf fing ein gräßlicher Verdacht im Geiſte des Herrn X... aufzuſteigen an, allein er konnte es nicht übers Herz bringen, an den Diener irgend eine Frage zu richten, noch irgend eine Maßregel zu ergrei⸗ fen, die ein Weſen hlosſtellen könnte, für das er, ach! noch einige Liebe hegte. Er erſann nun folgende Liſt, um ſich Gewißheit über ſein Unglük zu verſchaffen. Außerhalb der Umfriedung, die den Garten des Pavillons vom übrigen Theil