Jahrgang 
Band 1 (1840)
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Und alle Völker dieſer Erde drängen Sich um die Wunderblume rührig her; Von Jubelruf, von lauten Feſtgeſängen Erſchallet Thal und Berg und Stadt und Meer, Denn was die alte Blum' ihm nicht gegeben, Hofft Jeder von der neuen zu erleben.

Doch ſind denn wohl der Blätter auch ſo viele, Um zu befried'gen aller Gärtner Fleh'n?

Ja Zauberkräfte glüh'n in ihrem Stiele, Aus ihrem Kelche duftet Zauberweh'n,

Und pflüken von ihr Millionen Hände,

Für Millionen hat ſie reiche Spende.

So hat ſie auch dem Lande der Mag ya ren Sein Theil beſtimmt, wo Alles reichlich pflükt; Die ſchönſten Blätter wird ſie ihm bewahren, Womit ſie gern die Würdigſten beglükt; Gar ſchöne Blätter ſind's, die, voll Verlangen Gepflükt zu ſein, dem Wunſch entgegenhangen.

Auf einem Blatte ſteht geſchrieben:Friede!

UndTreue glänzt am nächſten, himmelblau, Und auf dem dritten ſchimmert als Aegide

Das WörtchenGlük, gleichwie ein Tropfen Thau, UndWohlfahrt, Mutterſprache, Künſtlerweihe Bezeichnet all' die Andern nach der Reihe.

So viel der Blätter zählt die Wunderroſe, Nicht Eines ſieht die Hoffnung deutungsleer;

So blüht ſie auf als eine Dornenloſe, Troſtvoller Z kunft ſichere Gewähr;

O, möge ſie die ſchönſte Blume werden, Die je dem Vaterland geblüht auf Erden.

Und wenn einſt wieder wird die Stund' erſchallen, Die Blatt um Blatt von ihrem Stiele raubt, So welke ſie geſegnet von uns Allen, Die wir an ihre Wunderkraft geglaubt, Und nicht zu finden ſei der Menſch im Leben, Der ſagen kann:Mir hat ſie nichts gegeben! Joh. Gabr. Seidl.

Das Daguerrotype als Ankläger und Mächer. Eine Neujahrsgeſchichte. Aus dem Franzöſiſchen von Horazius Coeles.

Meine Frau wird ſehr mit mir zufrieden ſein, ſagte Daniel, indem er vor einem ſchönen Hauſe in Verſailles aus einem Kabriolet ſtieg,ich bringe ihr ein niedliches Dintenfäßchen aus der Chaulniſchen Fabrik, da nach ihrer An gabe, ſie mit ihrer diken und ſchmierigen Dinte nicht fortkommen kann. Mehrere Schriftſteller, die den ganzen lieben Tag die Feder nicht aus der Hand legen, verſicherten mich, daß es die Kraft beſize, die Dinte rein und unverſehrt zu er⸗ halten.... dazu noch die ſeltene Eleganz.... mein Gott, wie wird ſich Adeline frenen. Mariette Marieite wo iſt denn deine Her