— 826
Buntes aus London. Der
M. Herald ſchreibt:„In den geſto⸗ chenen Portraits der Königin von Eng— land iſt derſelben keineswegs geſchmei— chelt. Ohne eine blendende Schönheit zu ſein, iſt Victoria, wie alle Mit— glieder der königl. Familie, entſchie— den hübſch(pretty), der Oberkörper iſt ausgezeichnet, und ſie beſizt den guten Geſchmak ſich mit großer Einfachheit zu kleiden. Sie trägt unter Anderm nte Loken. Phrenologiſch zu ſprechen, hat ſie einen ſehr guten Kopf: die ho— he auf Intelligenz deutende Stirne der Herzogin von Kent und ein wohlent— wikeltes Organ der Willensfeſtigkeit.“ Wie der Globe berichtet, hat Vi— ctoria den erſten Schritt zur Vorbe— reitung ihrer Krönung gethan, indem ſie die Verfertigung einer Krone be— fahl. Dieſe ſoll klein ſein, und, wie man es auf den Bildniſſen der Köni— gin Eliſabeth ſiebt, auf dem Hinter— haupte getragen werden. Als Verzie— rungen wird man die Roſe, die Diſtel und das Kleeblatt— die Embleme der vereinigten drei Reiche— ſo wie das Eichenblatt und die Lilie anwenden. Wahrſcheinlich wird Victoria nach ih— rer Krönung dieſe Krone auch bei fei— erlichen Gelegenheiten, wie bei Eröff— nung des Parlaments, tragen. Die Reichskrone, deren ſich ihre Vorgänger bedienten, würde Ihrer Majeſtät auf die Schultern herabfallen, und wollte man ſie auspolſtern, ſo würde das ſelbſt für die würdevolle Verſammlung des Pairsbauſes zu komiſch ausſehen. Sie wird alſo ihre eigene Krone tragen un“ die Reichskrone auf einem Polſter daneben ruhen.— In Golspir, in der englichen Grafſchaft Sutherland er— richtet man gegenwärtig eine Stat ue, lche wohl die böchſte in Europa wer— den dürfte. Sie iſt für den Herzog von Southerland beſtimmt, und das Geld wurde durch Subſkripzion von
ſeinen Pächtern aufgebracht. Man ſtellt ſie auf den Verg Benvraggie, der 1400 Fuß über dem Meeresſplegel ſich erhebt. Dle Statue ſelbſt, von Chan⸗ trey gearbeitet, mit einer Toga be— kleitet, mißt 36 Fuß in der Höhe, und das ganze Denkmal wird mit dem Viedeſtal 106 Fuß hoch werden, ſo daß man es weit und breit ſehen wird. Die Statue beſteht etwa aus 30 Stüken, die man mit kupfernen Klammern und Bolzen an einander befeſtigen will. Die Aehnlichkeit der Züge ſoll, troz der koloſſalen Größe der Statue, und der Höhe des Standpunktes, unver— kennbar ſein, wenn man ſie von Wei— tem betrachtet.
Buntes aus Paris. Zu Noyon kam neulich der ſeltene Fall vor, daß ein Herr Damour, deſſen Frau die Erlaubniß zur Errichtung einer Töch— terſchule nachſuchte, ſich in welbllche Kleidung ſtekte, und für ſie bei der Prüfung erſchien. Bei ſeinem jugend⸗ lichen Ausſehen und ſchmächtigen Kör— perbau wurde der Betrug Anfangs nicht entdekt; die vermeintliche Lehramts⸗ kandidatin beſtand ihre Prüfung vor- trefflich, und erhielt von den galanten Eraminatoren ein durchaus günſtſiges Zeugniß. Erſt ſpäter, als Herr Da— mour im Namen ſeiner Frau zwei Ein— gaben an die Kommiſſion machte, ſchöpf— te man aus der Handſchrift Verdacht, und brachte ihn zum Geſtändniß. Er wurde der Fälſchung angeklagt, aber von den Geſchwornen freigeſprochen.— In der Oper wird uns für den 15. Jan. die neue Oper„Cosmus von Medicts“ verſprochen.— Das Portrait des be— rühmten Abee de l'Epse wird nun ei⸗ nen Ulaz in dem Muſeum zu Verſail— les einnehmen.— Von Strauß und ſeinen Konzerten ſpricht man bier ſehr wenig. Der deutſche Orpheus macht bei weitem nicht die Senſation in Paris als man hätte glauben ſollen, und er


