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wird hier allgemein geſagt; verbürgen kann ich's nicht.— Die neue Viertel- jahrsſchrift von Herrn v. Kölle iſt noch immer nicht da; das erſte Heft bringt einen großen Artikel über Heine. Es läßt ſich erwarten, daß er keines⸗ wegs anerkennend ſein wird. Die in demſelben Verlage erſcheinende Thea— ter⸗Revue, von Lewald redigirt, bringt hingegen einen großen Artikel von Hei— ne, auf dem man ſehr geſpannt iſt. Es iſt zum Erſtenmale, daß Heine ſich über das Theater umſtändlich vernehmen läßt. — Der Verlag der Klaſſiker hat die erſte Lieferung der Prachtausgabe des Shakſpeare, den Kaufmann von Vene— dig, engliſch und deutſch, von Fiſcher überſezt, erſcheinen laſſen. Die Zeich— nungen zu den Holzſchnitten ſind von Groot, der auch die 1001 Nacht illu— ſtrirt hat. Dieſer junge Künſtler ſizt jezt bereits mehrere Jahre, politiſcher Vergehen wegen, auf dem Aſperg; er war ſiebenzehn Jahre alt, als ſein Prozeß begann, und wird wahrſchein— lich eine ſchwere Verurtheilung zu be— ſtehen haben. Troſt gewährt es dem Unglüklichen, daß unſere milde Re— gierung ihm die Uebung ſeines aus⸗ gezeichneten Talents ſo ungehindert überläßt.
Muſik.
Wien. Wir können allen Ge— ſangsdilettanten das von Ferdinand Bernſtein komponirte Lied„Friedhofs— vergißmeinnicht“(Gedicht von Rudolf Hirſch)— mit Recht empfehlen; der Tept iſt in mehrere Sprachen über gan⸗ gen und hat ſich als ein ächt muſika⸗ liſcher bewährt; die Muſik, Piano⸗ forte mit Violoncello und einer Te⸗ norſtimme, iſt gefühlt und ziem— lich originell. Herrn Wild dedizirt, wird dieſes Lied, bei Trentſentsky in Wien aufgelegt, Eingang in alle Sa⸗
lons finden; möge es Herr Wild doch einmal öffentlich produziren. S.
Mignon ⸗Zeitung.
Feuilleton aus Wien. XXIV. Nach langem Beſinnen u. Be⸗ denken ging endlich am 16. Dezember der„Fridolin in den Eiſenhammer“ und in die Szene. Die Neugierde des Publikum's auf das neueſte Produkt des wakern Kreutzer war auf's Höchſte geſpannt, um ſo mehr als der Opern⸗ titel nichts„Ueberraſchendes“ zu brin⸗ gen verſprach. Und ſo war es auch! Einem Herrn-Reil fiel es ein, den allbekannten, abgedroſchenen Schiller ſchen Balladen Stoff in ein geſchmak⸗ loſes, proſaiſch- langweiliges Libretto zu verarbeiten und der ſonſt ſo umſich— tige Kompoſiteur war ſchwach genug, dieſe Fadaiſe mit den holprigen, geiſt— loſen Verſen in Muſik zu ſezen⸗ Was kam nun heraus? Ein mitleid- erre gendes muſikaliſches Zwitterkind, arm und entblößt von all' den liebli⸗ chen Reizen, mit welchen ſonſt der treffliche Tonſezer ſeine Kinder in die Welt zu ſchiken pflegt.— Die Auf⸗ führung ging gut von Statten, ließ aber im Ganzen unbefriedigt. Demoiſ. Lutzer hatte nichts zu ſingen, Wild zwang ſich zum Singen, Schober war heiſer und Staudigl zu ſehr in den Hintergrund geſtellt.— Das Gaſt— ſpiel des Hrn. Marr im k. k. Burg— theater, als„König Philipp“, fand beifällige Aufnahme, iſt aber weit hin⸗ ter der Meiſterleiſtung unſeres Carl La Roche zurük.— Das Luſtſpiel„die Großtante“, nach dem Franzöſiſchen von Freiherrn von Braun, gefiel un⸗ gemein; Dem. Müller, in der Titel⸗ rolle, war unübertrefflich.— Die ſtau⸗ nenerregenden gymnaſtiſchen und Ba⸗ lanzirkünſte der Bedulnen, in ihrer Art wirklich frappant und neu, wer⸗


