Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
823
 
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auch ſchön!! Was mich heute be ſtimmt, Ihnen aus Brünn Etwas mit⸗ zutheilen, ſind die Gaſtſpiele der Nina Herbſt. Ich weiß nicht, ob Sie die Dame kennen, allein ich verſichere Sie und Ihre Leſer, welchen dieſelbe nicht bekannt iſt: Nina Herbſt iſt eine Künſt lerin erſten Ranges. Der gebildete Theil unſeres Publikums war entzükt und ſah mit Bedauern dieſen exzellen⸗ ten weiblichen Mimen ſcheiden. Wir bewunderten ſie im Luſtſpiel und in der Tragödie und ſind in Verlegenheit, welchem Genre von Darſtellungen wir den Preis zuwenden ſollen. Vor Allem iſt es die delikate, präciſe, durchdachte und harmoniſch richtige Deklamation, mit einem Worte: die makelloſe, vor- treffliche Deklamation der Künſtlerin, welche man ſo ſelten findet, die bezau bernd auf das gebildete Ohr einwirkt. Zunächſt das freie, konſequente, durch⸗ aus edle Spiel der Dame, welches ſich mit der Sprachweiſe ſo ſchön paart u. die Darſtellung eines Charakter⸗ bildes produzirt, dann die imponi rende, lebensvolle und ſchmiegſame Ge ſtalt und die reiche, zwekmäßige, äſt⸗ thetiſch vollendete Toilette, welche Geiſt und Sinne gewinnt und dazu beiträgt, ein ganzes Schönes zu erzeugen. Ich gehöre nicht zu jenen Referenten der Provinzſtädte, die da aufjubeln, wenn ſich etwas auf den Brettern zeigt, das über dem Niveau des Alltäglichen ſteht. Ich kann daher kühn ſagen, Nina Herbſt iſt eine Zier de für jede Bühne. Ihr Nahme iſt in ganz Deutſchland, welches ſie 5 Jahre hindurch kennen gelernt, ehrenvoll be kannt u. wir Brünner müſſen bedauern, daß man nicht dieſe ſeltene Erſcheinug für unſere Bühne zu gewinnen wußte. Unſere Heldin, eine Dem. Horn, die durchaus keine kritiſche Beurtheilung aushält und dem Publikum nicht ge⸗ fällt, bezieht 1400 fl. W. W.; wenn

wir nun der Herbſt 1500 fl. W. W., alſo um hundert Gulden, um ſie zu engagiren, mehr bieten, ſo müßte Ni na Herbſt nur eine Horn ſein, wenn ſie geblieben wäre. Indeß Hr. Thiel kann nicht mehr bieten und leiſten, da es an wirkſamer Theilnahme von Seite des Publikums fehlt. Vom neuen Jahre an wird auch in dieſen Mauern ein Leſekabinet, ſogenanntes Kaſino, eröffnet, deſſen Unternehmer Mitglieder des Kaufmannſtandes ſind. Das Unter nehmen iſt recht löblich und es iſt nur zu wünſchen, daß das Gebäude jener Pläne kein Kartenhaus iſt, welches ein flüchtiger Hauch des Zufalls umbläſt. Der Eintritt in dieſes Kaſino, wo die beſten Zeitſchriften des In- und Auslandes gebalten werden, wird durch Voraus bezahlung eines jährlichen Abon nements per 18 fl. C. M. erwirkt; das Lokale iſt ein ſehr geſchmakvolles, vielleicht zu koſtſpieliges doch ſind die Namen der Unternehmer zu gute Bürgen für den pekuniären Bedarf, falls die Theilnahme des Publik ums auf Null käme. Nur des Willens der Unternehmer bedarfs, u. das Ka ſino beſteht. Alſo hoffen wir das Beſte! Hiermit haben Sie wieder eine Fracht Neuigkeiten aus unſerer lieben Stadt(mehr weiß ich, auf Ehr! nicht zu berichten, obwohl Sie ſchon am Ge botenen genug haben können) und nun vergeſſen Sie auch mich nicht ſonſt führt Krieg mit Ihnen Ihre Taube.

Literatur.

Stuttgart. Wie verlautet, hat Dr. Menzel einen neuen zehnjährigen Kontrakt beim Morgenblatte abge ſchloſſen, jedoch mit der Bedingung, das Geſpenſt desjungen Deutſchlands fürder in Ruhe zu laſſen, und die Fehde gegen die junge Literatur nicht mehr ſo parteiiſch zu führen. Dies