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weil er im Zuſtande höchſter Trunkenheit verſchiedene Erxzeſſe im Dorfe be— gangen hatte, bei welchen allen der knöchrige Lehrling mit den dünnen Bei⸗
nen ſowohl ſein Verführer, als Helfershelfer geweſen war.
Theater.
Pe ſt h.(Herr Oobrobsk y.) Othello, Fra Diavolo u. Herzog Olaf waren die fernern Gaſtrollen des Hrn. Dobrovoky, vom Theater zu Frank— furt a. M. Der verdienſtvolle Gaſt erwarb ſich, beſonders in den beiden erſtern Parthien, eklatanten Beifall, auf den er in Hinſicht des guten und verſtändlichen Vortrages u. der leben— digen Darſtellungsweiſe mit Recht An— ſpruch machen konnte, wenn gleich Wohllaut und Schmelz der Stimme nicht völlig die Friſche und Klarheit eines kraftvollen jugendlichen Tenors beurkunden.
München. In unſerer Reſidenz gibt es nur drei Neuigkeiten, welche aber gar überall beſprochen werden: Nro. 1:„Es hat eine grimmige Käl— te!“ Nro. 2:„Die fatalen Sechſer— und Groſchenſtüke“, welche beſonders in den niedern Klaſſen konfuß machen. Nro. 3:„Krieg!“ An allen Eken ſind die Zettel angeſchlagen, in allen Blättern leſen Sie Berichte:„der Schebeſtkrieg!“ Wie in Europa der große Streit ſtets fortherrſcht, wem der Vorrang gebührt, dem preußiſchen Friz, oder dem franzöſiſchen Kaiſer, ſo ſtreiten ſich die Devrientiſten, Haſ— ſeltianer und die Schebeſtianer. Fräu— lein Agneſe Schebeſt iſt nun viermal (als Alice, Romeo, Fidelio u. Eme— line) aufgetreten. Der ihr vorange— gangene große Kunſtruf iſt nicht un—⸗ gerecht, und ohne übertriebenes Lob auszuſprechen, iſt der Agneſe Schebeſt der Vorzug vor der Devrient einzu⸗
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Ansichten. Urthe
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ile. Begebnisse. räumen, indem es ſich darum handelt, was beide jezt ſind, nicht, was die Devrient war. Solch' meiſterhaftes Spiel, voll Zartheit, Mimik u. des ſeelenvollſten Ausdrukes ſah ich noch ſelten bei einer Schauſpielerin; ſolch' herrliche, kräftige Stimme dringt ſel— ten in ein Ohr. Agneſe Schebeſt iſt 5 eine deutſche ſingende Mars(obo!).
Korreſpondenz.
Taubenpoſt aus Brün v. Kaum, daß mein erſter Bericht aus Brünn in Ihrem Blatte abgedrukt er— ſchien, begegnet mir ſo ein Vetter von weiland Herrn Bileam und ruft: No, Freund!(ich proteſtire) haſt du den Spiegel geleſen? die Taubenpoſt? iſt das ein Unſinn?— Schöner Eingang zu einem Bericht, werden Sie denken— ich war auch angenehm überraſcht— nun aber hören Sie weiter! Ja, ja, ein wahrer Unſinn! ſprach auch ich, aber doch nicht ganz Unſinn! Sie ſe— hen, wie konſequent ich rede. Nun, du magſt Recht haben, ſprach der Bileams⸗ Vetter, nicht ganz Unſinn. Auch kon⸗ ſequent!— Alſo halber Unſinn!— Ja!— Weiter ſprach ich: kennſt du Heine's lezte Schrift gegen Menzel? ich wünſchte ſie; haſt du ſte vielleicht? — Wer iſt der Menzel? wurde ge— fragt. Ein Bärſtenbinder in Phila— delphia, belehrte ich u. entſchwand, dem Freund die Hand drükend. Erſehen Sie aus dieſem Exordium das ſüße Loos eines Korreſpondenten und die Kapa— zität manchen Leſers. Das iſt das Loos des Schönen auf der Erde! Bin ich aber


