Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
820
 
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unglükliche Lehrling mit den dünnen Beinen in das Zimmer kam, fing der Alte heidniſch und wüthig zu wettern und zu fluchen an, offenbar nur, um ſeinem Ueberfluß von Galle Luft zu machen. Endlich erſchien ſein Abendeſſen, er fiel wie ein hungriger Löwe darüber her, es verſchwand binnen ſehr kurzer Zeit; er küßte ſeine Tochter und befahl ihr, ihm ſeine Pfeife zu reichen.

Die Natur hatte Nathaniel Pipkins Knie ſehr nahe aneinander gebracht; doch als er den alten Lobbs ſeine Pfeife fordern hörte, ſchlugen ſie gegen einander, als wenn ſie ſich hätten zu Pulver zerſtoßen wollen; denn in dem nämlichen Schranke, in welchem er verſtekt war, hing die Pfeife mit ſilberbe ſchlagenem Kopf, die er ſeit den lezten fünf Jahren regelmäßig jeden Nach⸗ mittag und Abend im Munde des alten Lobbs geſehen hatte.

Die beiden Mädchen gingen hinunter, um die Pfeife zu ſuchen, und hinauf, um ſie herunter zu holen, und ſuchten ſie überall, da ausgenommen, wo ſie, wie ihnen wohlbekannt, zu finden war; und der alte Lobbs donnerte und wetterte unterdeß auf das Fürchterlichſte. Endlich dachte er an den Schrank und näherte ſich demſelben. Vergeblich war es, daß ein ſo kleiner Mann wie Nathaniel Pipkin die Thüre einwärtszog, wenn ein ſo großer ſtarker Mann wie der alte Lobbs daran nach außen riß. Der alte Lobbs gab ihr nur einen einzigen Ruk, und ſie flog weit auf und zeigte den Bliken des alten Lobbs den kerzengerade im Schranke ſtehenden und vor Angſt am ganzen Leibe zit ternden Nathaniel Pipkin. Und Gott behüt' uns, mit welch einem fürchterli⸗ chen Blike zog der alte Lobbs ihn beim Kragen heraus und hielt ihn auf Armlänge feſt.

Zu allen Teufeln, was habt Ihr hier zu ſchaffen? donnerte der alte Lobbs ihm zu.

Nathaniel Pipkin vermochte nicht zu antworten, weshalb der alte Lobbs ihn mehrere Minuten ingrimmig ſchüttelte, um ihm die Gedanken zu ordnen.

Was wollt Ihr hier? ſtürmte Lobbs, der Sattler,ich glaube wahr haftig, Ihr ſeid meiner Tochter wegen gekommen.

Der alte Lobbs ſagte dies nur zum Hohn, denn es kam ihm nicht von fern in den Sinn, daß menſchliche Frechheit wirklich ſo weit gehen könne, Nat haniel Pipkin zu bewegen, ſich im Ernſt ſo etwas heraus zu nehmen. Wer beſchreibt nun ſeinen Zorn, als der arme kleine Mann erwiderte:

Ja, das bin ich, Mr. Lobbs bin Eurer Tochter wegen gekommen. Ich liebe ſie, Mr. Lobbs.

Wie was! Ihr jämmerlicher, ſchiefmäuliger, knirpſiger Halunke, keuchte der alte Lobbs; denn er war, als er das unerhörte Geſtändniß Na thaniels vernahm, wie vom Donner gerührt,was ſoll das bedeuten? Ihr unterſteht Euch, mir ſo etwas in das Angeſicht zu ſagen? Gott verdamm' mich, ich muß Euch erwürgen!.

Es iſt keineswegs unwahrſcheinlich, daß der alte Lobbs in ſeiner ſchrek lichen Wuth die Drohung ausgeführt haben würde, wenn er ſich nicht durch eine unerwartete Erſcheinung daran haͤtte hindern laſſen, nämlich die Erſchei nung des Vetters, der aus ſeinem Schranke heraustrat, auf den alten Lobbs zuging und ſagte:

Ich kann es nicht zugeben, Herr Gevatter, daß dieſer harmloſe Mann, den die Mädchen, um ſich einen Spaß zu machen, in Euer Haus geladen ha⸗