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Tir ie u i e b e (Veſchluß.)
Nathaniel fand eine allerliebſte ae vor, die aus Marie Lobbs, ihrer Muhme Käthe und noch drei oder vier andern ſchalkhaften, mun⸗ tern und rothwangigen Mädchen beſtand. Er überzeugte ſich durch den Augen⸗ ſchein, daß das Gerücht von des alten Lobbs Schäzen keineswegs zu viel ſagte. Der Theetopf, Milchgießer und Zukerkorb von ächtem Silber ſtanden auf dem Tiſche, und eben ſo wenig fehlte es an silbernen Theelöffeln und ächten Porzel⸗ lan⸗Taſſen und Kuchentellern.
Von Allem, was Nathaniel Vipkin ſchaute, war ihm nur eine einzige Perſon ein Dorn im Auge, nämlich ein Vetter Marie Lobbs, ein Bruder Käthens, den Marie Lobbs vertraulich„Henry“ nannte, und der Marien an der einen Seite des Tiſches ganz allein in Beſchlag genommen zu haben ſchien. Es iſt gar ſchön, im Schooße der Familien Zuneigung und Liebe zu erbliken; allein es kann darin übertrieben werden, und Nathaniel Pipkin konnte ſich des Gedankens nicht erwehren, daß Marie Lobbs ihre Verwandten mit ſeltener Zärtlichkeit lieben müſſe, wenn ſie ihnen allen ſo viel Aufmerk⸗ ſamkeit erwieſe, als dieſem Vetter. Sodann bemerkte Nathaniel, als nach dem Thee auf der gottloſen kleinen Muhme Vorſchlag Blindekub geſpielt wurde, daß er faſt immer der Blinde und Marie Lobbs niemals weit entfernt war, wenn er den Vetter erwiſchte. Und obwohl die gottloſe kleine Muhme und die andern Mädchen ihn zwikten und bei den Haaren zerrten, ihm Stühte in den Weg ſtellten und viel ſonſtigen Schabernak ſpielten, ſchien gerade Marie Lobbs niemals in ſeine Nähe zu kommen; und ein Mal war es Nathaniel Pipkin— und er hätte darauf ſchwören können— als hörte er den Schall eines Kuſſes und ein leiſes Keifen von Marie Lobbs und ein halb unterdrük⸗ tes Kichern ihrer Freundinen.
Dieſes Alles war ſeltſam— ſehr ſeltſam— und der Himmel mag wiſ— ſen, was Nathaniel Pipkin dadurch ſich bewogen gefühlt haben möchte, zu thun oder nicht zu thun, wenn ſeine Gedanken nicht plözlich in eine ganz andere Richtung gelenkt worden wären.
Der Umſtand, wodurch dies bewirkt wurde, war ein lautes Klopfen an der Hausthür, und der Klopfende an der Hausthür war kein Anderer, als der alte Lobbs ſelbſt, der unerwartet zurükkehrt war, und troz einem Böttlcher darauf los hämmerte; denn er empfand ein mächtiges Verlangen nach ſeinem Abendeſſen.
Kaum war die ſchrekliche Kunde von dem knöcherigen Lehrlinge mit den dünnen Veinen gebracht worden, als die Mädchen die Treppe hinauf in Marie Lobbs Schlafzimmer huſchten, und der Vetter und Nathaniel Pipkin, in Ermangelung beſſerer Verſtek pläze, in ein Paar Wandſchränke praktizirt wurden; und nachdem Marie Lobbs und die gottloſe kleine Muhme ſie auf die Seite geſchafft und im Zimmer aufgeräumt hatten, öffneten ſie dem fort⸗ während hämmernden alten Lobbs die Hausthür.
Nun trug es ſich zu, daß der alte Lobbs, wenn er ſehr hungrig war, erſchreklich mürriſch zu ſein pflegte. Nathaniel Pipkin konnte ihn deutlich knurren hören, wie einen alten Hofhund mit heiſerer Kehle; und ſo oft der


