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kompontrt, die diel Talent verrathen ſoll. Sie wird nächſtens in der Pari⸗ ſer komiſchen Oper aufgeführt werden. — Vor einiger Zeit erſchien ein ge— wiſſer Ferranti de Guerra, ein Mann von gutem Ausſehen mit ſchwarzem Schnurbart, in eleganter Kleidung, der Bettelei beklagt vor dem Zuchtpo— lizeigerichte. Ein, Zeuge ſagte wider ihn aus, daß er in allen Häuſern und allen Wohnungen herumgehe, ein klei⸗ nes Buch ausbiete und dafür annehme, was man ihm gebe. Der Angeklagte läugnete dies nicht u. ſagte:„Ich bin ſtolz auf dieſe Schrift und ſie kann nicht genug verbreitet werden; es wer⸗ den darin die großen Fragen der Kunſt abgehandelt; ich vergleiche Bellini u. Roſſini, die beiden muſikaliſchen Ge— nies.— Mein Werk iſt unbezahlbar, doch fordere ich nichts dafür, ich nehme, was man mir gibt. Es liegt mir nur daran, das Gute zu verbreiten; die Muſik iſt in Frankreich noch zurük und ich glaube dem Lande einen Dienſt zu erweiſen, wenn ich mein Werk ver⸗ theile.“ Dieſe Vertheidigung würde ihn vor einer Verurtheilung nicht ge— ſchüzt haben, wäre nicht ein mit Or- den geſchmükter Mann erſchienen, der die ehrenvollſten Nachwelſungen über Ferranti gab.„Ich wurde nach der Schlacht von Marengo verwundet von ſeiner Familie aufgenommen und ge— pflegt. Ferranti kam als begeiſterter Kunſtfreund, als Miſſtonair der Kunſt, nach Frankreich; er iſt reich; ſeine Familie gehört zu den erſten in Ita— lien.“ Dieſe Angaben erſparten dem Muſikfreunde eine Verurtheilung we— gen unbefugter Vettelei.— Immer— fort Neuerungen, Verbeſſer ungen, Re— formen. Der Menſch verbeſſert Alles, nur ſich ſelbſt nicht. Auch die Viſiten— karten haben eine neue Umſtaltung be— kommen. Die Viſitkarten ſind wie die Architektur: Töchter der Rotywendig⸗
kelt. In früheren Jahrhunderten be⸗ ſuchte man ſeine Freunde nicht, aus dem Grunde überhaupt, weil es keine Freunde gab. Endlich kamen die Freun⸗ de, die Skeptiker jener Epoche, die Alles läugneten, läugneten auch die Exiſtenz der Freunde. Die Freunde nahmen aber bald immer zu, und zwar bis zu einer ſolchen Menge, daß ſie zu einer wahren Plage wurden. Unſer Jahrhundert that noch einen Rieſen⸗ ſchritt weiter. Wer kennt heutzutage die Anzahl ſeiner Freunde. Wir ſa— gen oft:„Ich habe dieſe Neuigkeit von einem Freunde,“ ſollen wir aber den Namen dieſes Freundes nennen? wir geriethen wahrhaftig in große Ver⸗ legenheit! Aber die eigentliche Ver— legenheit beſtünde nicht ſo ſehr darin, dieſe Tauſende von Namen im Ge— dächtniß zu behalten, als vielmehr bei tauſend Gelegenheiten Viſiten zu ma— chen. Daher die Viſit- Karten. Die Mode hat ſeit mehreren Jahren ver— ſchiedene Modifikationen an den Viſit⸗ karten angebracht: Vigneten, Land— ſchaften, Jagd- und Schlachtſzenen vor— ſtellend. Gegenwärtig hat der Vonton eine ganz neue Art angenommen. Man ſchikt jezt ſeinen Freunden ſein Por— trait, ſein wohlgetroffenes Konterfei. Man läßt ſich von einer geſchikten Hand lithographiren, und im Nothfalle, wenn die Natur nicht zu verſchwenderiſch mit dem Geſchenke der Schönheit gegen uns war, ſo erſezt das die Hand des Litho⸗ grapheurs für ein gutes Wort u. ein gut Stük Geld. Man beſtellt heutzu— tage hundert Portraits, wie man ge— ſtern hundert Viſitkarten anſchaffte. Leipzig. Schon ſeit zwei Jah⸗ ren war in der Brockhaus' ſchen Offi— zin zu Leipzig die Gasbeleuchtung durch einen Schweizer, Hrn. Bachmann, mit Erfolg eingeführt worden; eben ſo in der großen Kammwollenſpinnerei zu Pfaffendorf durch Hrn. Inſpektor Bloch—


