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Laut tönte jezt Marle Lodbs ausgelaſſenes Gelächter dorch die ſtille Abendluft— doch ohne dieſelbe zu beunruhigen, wie es ſchien, denn es tönte ſo unendlich ſüß— und die gottloſe; kleine Muhme lachte noch unmäßiger als zuvor, und Nathaniel Pipkin erröthete noch ſtärker als zuvor. Endlich flüſterte Marie Lobbs, da der ſterblich verliebte kleine Mann ſie immer eifriger be⸗ ſtürmte, ihrer Muhme zu, ſie möchte ſagen, oder Käthe ſagte doch jedenfalls, daß Marie ſich durch Mr. Pipkins Antrag ſehr geehrt fühlte, daß ihr Vater über ihre Hand und ihr Herz zu verfügen hätte, daß Mr. Pipkins Vorzüge indeß alle mögliche Anerkennung verdienten. Da dieſes Alles mit großem Ernſt geſagt war und da Nathaniel Pipkin Marie Lobbs auf dem Heimwege begleitet und ihr beim Abſchiede faſt einen Kuß geraubt hätte, ſo ging er überglüklich zu Bett und träumte die ganze Nacht von Erweichung des alten Lobbs, Oeffnung der eiſernen Truhe und Heimführung Mariens.
Am Tage darauf ſah Nathaniel Pipkins den alten Lobbs auf ſeinem al— ten Ponz⸗Schimmel ausreiten, und nachdem die gottloſe kleine Hexe von Muh⸗ me eine große Menge Zeichen am Fenſter gemacht hatte, deren Bedeutung er durchaus nicht zu errathen vermochte, ſprang der knöchrige Lehrling mit den dünnen Beinen zu ihm herüber und ſagte ihm, ſein Herr käme den ganzen Abend nicht nach Hauſe und die Frauenzimmerchen erwarteten Mr. Pipkin Punkt ſechs Uhr zum Thee.
Wie an dieſem Tage die Schulſtunden gegeben wurden, wußte Natba⸗ niel Pipkin ſpäter ſelbſt nicht zu ſagen; indeß ſie wurden gegeben, die Ju⸗ gend verlief ſich, und Nathaniel Pipkin brauchte alle übrige Zeit bis ſechs Uhr und darüber, um ſich zu ſeiner Zufriedenheit anzukleiden; nicht daß er ſo viel Zeit gebraucht hätte, einen Entſchluß in Betreff der anzulegenden Kleidungsſtüke zu treffen, da er in dieſer Beziehung überhaupt keine Wahl hatte— ſondern die eben ſo ſchwierige als wichtige Frage für ihn war die, wie er ſie anlegen ſollte, um in ihnen am meiſten zu ſeinem Vortheil zu erſcheinen.
(Beſchluß folgt.)
Die fünf Urſachen.
Man kann, wenn wir es überlegen, Wein trinken fünf Urſachen wegen: Einmal um eines Feſttags willen,
Sodann vorhadnen Durſt zu ſtillen, Ingleichen künftigen abzuwehren,
Ferner dem guten Wein zu Ehren, Und endlich um jeder Urſach willen. F. Rückert.
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Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
1 1 1837.“(Peſth, zu haben bel C.
Literatur.„
„Novellen v. Joſephine von Wir haben durch dieſe Novellen einer Remekhaz y. Drei Theile. Leip- hochachtbaren Dame, die durch Fami⸗ zig, Verlag bon C. E. Kollmann lienverbindung ſo nahe unſerm Va—


