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dal los zu ſein. Allein ſie irrten ge⸗ waltig. Lord Lincoln bewies, 24,000 Fres. bei dem Hauſe Laffitte⸗Ferrières hinterlegt zu haben, um das Honorar der Aerzte zu beſtreiten, und mit 6000 Frks., die er noch hinzufügte, war die Kaution erfüllt, um ihn auf freien Fuß wieder herzuſt ellen. Jezt aber klagte die Familie wegen Beleidigung und Krän⸗ kung, wegen Sicherſtellung vor der an— bedrohten Kompromittirung durch Pu— blikation der Krankheitsgeſchichte, ſo wie über beabſichtigten Vetrug durch die ungeheure Forderung von 400,000 Frks. Die Doktoren ſchlugen Verglei— che vor; ſie erklärten, die Notizen in Gegenwart von Zeugen verbrennen zu wollen; Koreff entſagte jedem Honorar, und gab Alles verloren, wenn nur die häßlichen Gerüchte, die man über die
ſe Geſchichte von Seiten der Englän— der verbreitete, niedergedrükt würden; aber Alles vergebens. Die Engländer beſtanden nun feſt auf dem Prozeß, und die Sache wurde von dem Tribunal er— ſter Inſtanz den 1. Dezember ver han— delt. Berryer, der berühmte Redner, iſt Anwalt der Engländer, Cremieux plaidirt für Koreff, und Chai d'Eſtan— ge für Wolowski; es ſind die drei er— ſten Advokaten in Paris, und die Verhandlungen ſind vom höchſten In— tereſſe. Was ſich in der erſten Sizung herausſtellte, theilte ich oben mit; es thut mir leid, die geiſtreichen Wendun⸗ gen der Advokaten nicht ausführlicher geben zu können. Dr. Koreff iſt ein Deutſcher, jüdiſchen Glaubens, aus Breslau gebürtig, und war vormals Leibarzt des Fürſten von Hardenberg. Er hat den Titel eines preußiſchen Geheimenraths, und iſt Ritter des ei— ſernen Kreuzes. Dr. Wolowski iſt, wie der Name zeigt, ein Pole.— Nach— ſchrüft. So eben hat das Tribunal erſter Inſtanz in der Sache der Dok⸗ toren Koreff u. Wolowski folgendes Ur⸗
theil gefällt: Sie müſſen ſich mit 24,000 Fr. Honorar begnügen, das Ta⸗ gebuch der Krankengeſchichte in 15 Tagen nach Bekanntmachung dieſes Urtheils ausliefern, bei Strafe von 100 Frs. für jeden Tag der Verzögerung(doch können ſie Abſchriften davon behalten) u. haben? der Prozeßkoſten zu tragen, * zahlt der Graf Lincoln,„obgleich das von deu beiden Aerzten beobachte— te Betragen ihrer edeln Profeſſion un⸗ würdig ſei.“— Ein Individuum, das im Verdacht ſteht, für 500,000 Frks. falſche Banknoten verfertigt zu haben, iſt verhaftet worden.— In dem Bü⸗ reau des Meſſager brach kürzlich der Fußboden des Drukzimmers mit dem geſammten Drukmaterial u. allen Se⸗ zern u. Drukern durch. Obgleich meh— rere dieſer Leute durch die ſchweren Sezkäſten hätten getödtet werden kön— nen, ſind doch nur 4 unter ihnen be— ſchädigt worden.*
Luzern. Die berüchtigte Klara Wendel, die vor etwa 20 Jahren in der Schweiz als Mordbrennerin und RNaubmörderin eine Rolle fpielte, und ſogar zur Heldin eines franzöſiſchen Me— lodrama's erhoben wurde, hat jezt vom großen Nath des Kantons Luzern Nach⸗ laß der noch zu erſtehenden Gefängniß— ſtrafe erhalten.
Lokal⸗Zeitung.
Konzerte. Am 14. d. M. gab Herr St. Szerwaczinsky ein ſehr beſuchtes Konzert im Redoutenſaale. Der Konzertgeber trug ein Violinkonzert von Lipinski und ein Potpourrie für die Violine mit ſeltener Vir⸗ tuoſität vor. Er verband eine Zartheit mit einer Kühnheit in ſeinem Spiele, die neuer— dings für ſeine ausgezeichnete Meiſterſchaft ſprechen. In dem Vortrage des ſchönen Li⸗ pinskiſchen Konzertes beſonders dürfte er nicht bedeutend dem Schöpfer deſſelben nachſtehen. Hr. S. erhielt rauſchenden Applaus.— Fräu⸗ lein Fel. Baronin Krasnopolska von Gottesmann, Ehrenmitglied mehrerer


