Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
806
 
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Ansichten, Urtheile. Begebnisse.

Mignon ⸗Zeitung.

Dresden. Die Abendzeitung, dieſe, ſeit einem Viertel Jahrhundert von dem königl. ſächſiſchen Hofrathe C. v. Winkler, als geiſtreicher Büh⸗ nendichter unter dem Namen Theodor Hell bekannt, redigirte Zeitſchrift, erfreut ſich durch Gehalt, Gediegenheit und Solidität einer großen Theilnah⸗ me des deutſchen, wie des ausländi ſchen Leſepublikums. Man kann dieſes literäriſche Inſtitut mit Recht als Muſter aufſtellen indem daſſelbe die literäriſchen Zeit-Intereſſen mit der Spannung des Leſers ſinnig verbindet. An Originalität, Geiſt u. Intereſſe im Gebiete der Novelle, ſo wie an erſchö⸗ pfenden, klaren Beurtheilungen der Tagserſcheinungen, wurde dieſes Blatt noch von keinem ähnlichen überflügelt. Mit einem Worte es prosperirt im Geiſte der gebildeten Leſer. Sei⸗ ne ausgedehnte Korreſpondenz, worun ter in lezterer Zeit jene des geiſtreichen Victor Lenz vorzüglich exzellirt, dann die vom Herausgeber ſelbſt ſo partheilos geführte Zeitſchriften-Ne vüe, erhöht und ſteigert fortwährend ſeine magnetiſche Kraft, ſo daß dieſes Jour nal in keinem gebildeten Leſekreis ver mißt wird.

Buntes aus Paris. Das größte Aufſehen erregte in den lezten

Tagen der Prozeß der beiden Dokto de erhielten, eine

netiſch vier Monate lang mit anhal tendſter Anſtrengung, ſo daß ſie Beide abwechſelnd 21 Stunden an dem Bette der Kranken zubrachten, und ihre übri gen Patienten verſäumten. Alles, was die Kranke im ſomnambülen Zuſtande ſprach, wurde ſowohl von ihnen, wie von der Familie aufgeſchrieben einer löſte darin den andern ab, wenn er ermüdet war. Zulezt kamen ſie ſogar auf den Einfall, der Kranken ſelbſt die Feder in die Hand zu ge ben, und ſie ſchreiben zu laſſen. Dem Doktor Ko reff wurden dieſe Notizen überantwor tet, um daraus die ganze Krank heits und Heilungsgeſchichte zu redigiren. Denn geheilt war die junge Gräfin, die beiläufig geſagt eine ſehr ſchöne Dame ſein ſoll, für den Augen⸗ blik; doch ſprach Dr. Koreff unumwun den ſeine Beſorguniſſe aus, daß der frühere Zuſtand, bei der übergroßen Nervenreizbarkeit, wohl einſt wieder kehren könnte. Nachdem nun die Kur auf ſolche Weiſe gelungen war, entzog ſich die engliſche Familie nicht nur al lem Danke und jeder Remunerat ion, ſondern ſie wollte die Aerzte nicht mehr

die allgemeines Aufſehen macht, ſehen, ließ ſich verläugnen u. ſ. w., dann chen, um eine Reiſe nach der Schweiz

verließ ſie Paris auf mehrere Wo

zu machen, kehrte dann wieder nach Paris zurük, und ſchikte ſich eben an, nach England zurükzukehren, als die beiden Aerzte durch Zufall davon Kun Forderung von

ren Koreff und Wolowski gegen den 400,000 Frke. einreichten, und um der Herzog und die Herzogin von Hamil ſelben mehr Nachdruk zu geben, den ton und den Grafen und die Gräfin Grafen Lincoln arretiten ließen, und von Lincoln, die, nach den darüber g mit der Publikation der ganzen Krank eingezogenen Nachrichten, die zweite heitsgeſchichte drohten. Ste glaubten, Geldmacht Englands bilden. Die Grä- die überreichen Inſulaner würden ſich fin litt an Nervenleiden, und die ge, hiedurch einſchüchtern laſſen, u. gern die nannten Aerzte behandelten ſie mag- Kleinigkeit(22) zahlen, um den Skan