Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
795
 
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1040. Ich werde lebendig gebraten werden. Meine lezten Gedanken ſind mein Weib und meine armen Kinder. O Gott! erbarme dich unſer! Verleihe ihr die Stärke, die mir ſchon ſchwindet! Phalar hat allein gelitten, was ich... Ein Ochs könnte hier braten!

1100. Meine Hände ſind voll Blaſen. Der Keſſel iſt an einer Seite feuerroth. Großer Gott! Wie lange ſoll es dauern! Bald bin ich ganz ver⸗ troknet. O Himmel, laß mich ſterben, ehe ich auf das glühende Metall falle! O mein liebes

Hundert und eilf Grade! Nun kann ich das Thermometer nicht länger halten. Es iſt ſo eben hinuntergefallen und zerbrochen. Wer dieſe Zei⸗ len findet, der trage ſie zu C., Straße N. Ich überge.. ſie ſein. Dis⸗ kret... Die Hize wird immer ſtärk... Der Metallgeruch erſtikt m.. Ich kann nicht mehr ſchreiben, meine Bleifeder brennt entſezlich. Die Hize wird noch fürchte Meine Eingeweide kehren ſich mir im Leibe um. O ein grauſamer Durſt! Das Athmen geht immer ſchwer.. Ich bin mit Blaſ⸗ bed... Lieber Gott! was hab' ich dir gethan? Erbarmen, mein Gott! Erbarmen, um Jeſu Chriſti Willen! Ich ſterbe ich verzeihe allen meinen Feinden Gnade, mein Gott!

Ich fühlte, daß ich immer ſchwächer wurde, wikelte ſchnell meine Schreib⸗ tafel, nebſt einer Handvoll Schutt, in mein Saktuch, und nahm alle meine Kräfte zuſammen, um es aus dem feurigen Behälter hinauszuwerfen. Die ſchnellende Bewegung meines Armes verurſachte mir einen Schmerz, als ob ich ihn in ſiedendes Waſſer getaucht hätte. Bald fühlte ich mich gar nicht mehr ſchlimm; ich merkte, daß das die Schwäche ſei, die der Ohnmacht gewöhnlich vorangeht; ich dankte dem Himmel und hoffte, ſterben zu können, ehe ich gegen die Feuermauern fiel, die mich umgaben. Dieſe An zeichen verſchwanden jedoch, und ich war dem ſchreklichſten Todeskampfe wiederholt preisgegeben. Die Haut meines Geſichtes, meines Halſes, meiner Schultern war mit Bla⸗ ſen bedekt, ich fühlte die zerſtörende Wirkung des Feuers bereits in meinen Beinen. Das Blut in meinen Adern ſchien ausgetroknet und ausgezehrt durch die Haut- und Lungen⸗Transpiration. Ich ſchrieb es dem Mangel an Säften zu, daß meine Haut nicht eine einzige Blaſe geworden war. Das Wort Fol ter iſt zu ſchwach, um meine Leiden auszudrüken. Die flakernden Flammen er loſchen vollends, und ließen mich im Dunkeln, in einer entſezlichen Dunkel⸗ heit, in der ich den ſchreklichen Glanz des glühenden Kupfers ſah, das auf der Seite des Hahns bereits weiß war! Ein ſchauderhafte Gedanke kam mir in den Sinn, ein Gedanke, durch den Teufel ſelbſt eingegeben, und am Feuer ſeiner Hölle reif geworden... Ein feiſcher Nachtwind fachte die erlö⸗ ſchende Flamme oberhalb des Keſſels wieder an. Eine plözliche Helle zeigte mir meine verbrannten Kleider, auf denen ich mich noch aufrecht hielt. Ich nahm meine Beinkleider, ich fuhr in die Taſche einige Geldſtüke hatten das Tuch durchgebrannt. Ach! es war nicht das Geld was ich ſuchte es war mein Meſſer!. Ich nehme es, öffne es zur Hälſte.. die Klinge verbrennt mir die Finger. Ich werfe es fort, das unglükliche Werkzeug, und rufe:Mein Gott, fähre mich nicht in Verſuchung!

Mein Gebet war erhört. Ich höre Stimmen über mir, dann Tritte, die ſich entfernen... die ſich nähern... man kommt mir zu Hilfe!