Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
796
 
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Faſt ſechs Wochen nachher konnte ich das Bett wieder verlaſſen. Ich bin gewiß, wäre mein Thermometer nicht zerbrochen, es hätte einen un⸗ gleich höheren Grad angezeigt, als das von Blagden und Bankes. Noch einige Minuten, und ich wäre geſtorben; ich habe gewiß eine größere Hize ausge halten als je irgend ein Menſch. Die Temperatur meines Körpers, einige Stellen des Unterleibs ausgenommen, überſtieg nie 450. Ja, es gewährte mir eine große Erleichterung, die Ballen meiner heißen Hände auf einen andern Theil meines Körpers zu legen. Die Differenz zwiſchen der Temperatur mel⸗ nes Körpers und der Atmoſphäre war gewiß ſtets nahe an 900.

Dublin. Ferdinand Collet.

Zwei Helrathsgeſchichtchen.

Die Charakterzüge, welche die heutigen Amerikaner von jenen Bibel chriſten, welche vor zwei Jahrhunderten Neuengland ſtifteten, geerbt haben, ſind nicht alle liebens würdig. Folgende Anekdote aber gibt ein ſehr freundli ches Bild, und bringt einem lebhaft eine der lieblichſten Gruppen aus Ho garths Bildern ins Gedächtniß, diejenige nämlich, wo in der Kirche der fle i⸗ ßige Lehrling mit des Lehrherrn Tochter aus demſelben Buche ſingt, eine Szene, die auf's Anmuthigſte Unſchuld und Tugend athmet. Im verfloſſe⸗ nen Frühjahr kam ein junger Amerikaner in der Kirche neben ein Mädchen zu ſizen, das ihn durch Schönheit, beſonders aber durch Züchtigkeit, welche über ihr ganzes Weſen ausgegoſſen war, lebhaft anzog. Er ſchlug ſeine Bibel auf, hielt ſie ihr vor und deutet auf den fünften Vers im erſten Kapitel des zwei⸗ ten Briefs Johannis, wo es heißt:Und nun bitte ich dich, Frau(nicht als ein neues Gebot ſchrelbe ich dir, ſondern das wir gehabt haben von Anfang), daß wir uns unter einander lieben. Das Mädchen las and wurde roth; ſie blätterte im alten Teſtament und reichte ihm die Bibel zurük, indem ſte im erſtem Kapitel des Buchs Ruth auf den ſechzehnten Vers wies:Rede mir nicht darein, daß ich dich verlaſſen ſollte, und von dir umkehren. Wo du hingeheſt, da will ich auch hingehen, wo du bleibeſt, da bleibe ich auch. Dein Volk iſt mein Volk, und dein Gott iſt mein Gott. Acht Tage dar⸗ auf waren ſie Mann und Frau.

Wie artig! Wie häßlich und verlezend iſt dagegen folgende Geſchichte aus dem modernſten Frankreich. Ein alter Edelmann aus Perigord bekommt auf einmal Heiraths gedanken, er möchte nicht gerne ohne Leibes erben ſterben, und ſo reiſt er nach Paris, feſt entſchloſſen, ſich eine Frau zu ſuchen. Kaum angelangt, läßt er in die Zeitungen einrüken: ein Mann von etlichen und fünfzig Jahren, von guter Geſundheit, angenehmem Aeußern, verträglicher Gemüthsart und 12,000 Fr. Einkommen, ſuche eine Lebensgefährtin zwiſchen zwanzig und dreißig Jahren; er ſehe nur auf gute Erziehung und ſanftes Temperament. Meldungen gingen in Menge ein, aber bald hatten ſich die Blike des alten Junggeſellen auf ein zwanzigjähriges Maͤdchen gerichtet, das nicht nur hübſch war, ſondern auch recht gutmüthig und beſcheiden ſchien. Vierzehn Tage nach der erſten Zuſammenkunft war die Sache im Reinen und der Hochzeittag anberaumt. Der überglükliche Liebhaber hatte ſeiner Braut,