— ſo erhizt; dieſes nehme an Stärke immer ab, und ſo werde auch das Metall bald kalt werden. Aber ach! das Thermometer ſtieg immer, und auch die ſchwächſte Hoffnung ſchwand dahin. Jezt wollte ich ausrechnen, wie heiß das Kupfer werden dürfe, ehe die Atmoſphäre 1200 hätte, eine Hize, die zu ertragen ich noch für möglich hielt. Mein Kopf verwirrte ſich, und mit meinen Berechnungen war es bald zu Ende. Doch hatten dieſelben mir immer noch die Geiſtesgegenwart erhalten; ich konnte ſelbſt Beobachtungen zu Papier bringen und folgendes, ſo zu ſagen, wiſſenſchaftliche Teſtament abfaſſen, das augenſcheinlich in der gewiſſeſten Todes erwartung niedergeſchrieben wurde, und das ich dem Leſer hier in ſeiner urſprünglichen, fragmentariſchen Geſtalt übergebe. a
„Ich bin Doktor C., Straße N. Sobald man dieſes Papier findet, eile man zu dem Oeſtillirkeſſel, in dem ich ſonſt verbrenne, weil eine Leiter mit mir gebrochen iſt.
123 Uhr Nachts. Schnell! Schnell!(Schon einmal habe ich dieſe Worte geſchrieben, das Papier, auf dem ſie ſtanden, an einen Stein befeſtigt und denſelben hinausgeworfen; wahrſcheinlich iſt er in das Feuer gefallen.) K
Mein Teſtament wird man in der linken Schublade meines Schreibti— ſches finden. Georg N. ſoll meine Papiere in Verwahrung nehmen. Die, welche ſich auf die Geſchichte mit S. beziehen, verbrenne er. Meine durchnäßten Kleider rauchen. Therm. 520.
4 Minuten ſpäter. Die Luft iſt erſtikend. Ich triefe von Schweiß. Ich will ſchreiben, ſo gut ich kann.
124 Uhr. Therm. 550.
2 Minuten ſpäter. Therm. 600.
3 Minuten ſpäter. Therm. 660.
Meine Kleider ſind troken, wie Zunder; ſie ſind ganz ſteif.
1 Uhr 5 Minuten. Therm. 770. Ich habe meine Kleider ausgezogen und halte ſie über meinen Kopf; die äußere Luft regt die innere ſo auf, daß die Hize unerträglich wird.
1 Uhr 8 Minuten. Therm. 810.
Meine Uhr brennt mich; ich habe ſie vom Vande abgenommen; mein Bleiſtift wird ſehr heiß. Und doch iſt mein Körper noch friſch. Die Lehre von— über die Verbreitung der Wärme muß unrichtig ſein.
1 Uhr 15 Min. Therm. 900; 1 Uhr 16 Min. Therm. 920.
Ich habe Alles ausgezogen, bis auf die Stiefel. Ich kann gar nichts auf meinem Körper dulden. Die Luft, die ich ausathme, ſcheint friſcher zu ſein, als die, welche ich einathme.
Meine Uhr ſteht ſtill, weil ſich das Metall ausgedehnt hat. Therm. 990. — Die Flammen über mir erlöſchen. Es wird immer dunkler. Die Angeln des Keſſels ſind ganz feurroth. Mein Gott! Das Waſſer wird ſieden, wo ich jezt ſchreibe. Ohne den Schutt, auf dem ich ſtehe, würden die Kleider unter meinen Füßen brennen. Ich habe meine Stiefel ausgezogen; das Eiſen an den Abſäzen hat den Saum meiner Kleider verſengt. Der Geſtank von verbrann— tem Leder hätte mich ohnmächtig gemacht. Ich vergrabe die Abſäze meiner Stiefel in den Schutt, um ſie abzukühlen.


