Kunst. Eleganz und Mode.
VDehuter be gau g.
100. Sonnabend 16. Dezemb. 1837.
Ein ſchrekliches Erlebniß. (Beſchluß.)
Ich fuhr mit der Hand nach der Stirne; ein eiskalter Schweiß lag dar⸗ auf. Ich zog mein kleines Thermometer aus der Taſche, das ich bei mir trug, um bie Wärme des Bades für meinen Patienten zu beſtimmen; es wies auf 40 Grad Reaumur.
Ich brachte die Quek ſilber⸗Kugel an das Kupfer; das Quek ſil ber ſtieg ſo raſend ſchnell, daß ich das Thermometer alsbald zurükzog, aus Furcht, es möchte zerſpringen. Ich blieb einige Zeit ganz ſtarr und unbeweglich; dann weinte ich. Mein Muth verließ mich, ich geſtehe es, bei dem Gedanken an die Qualen, die meiner warteten, wenn das Kupfer glühend werden ſollte, was ich alle Urſache hatte zu fürchten. Dieſe Schwäche, wenn man es ſo nen—⸗ nen will, ließ mich im Gebet die Kräfte ſuchen, die mir fehlten. Ich betete. Ich bat Gott, mich zu ſtärken für die harte Prüfung, der er mich unterwer⸗ fen wolle. Ich flehte ihn an, mich nicht der Verzweiflung zu überlaſſen. Es war nicht umſonſt. Ich wurde ruhiger und gefaßter. Ich ſtand auf und wagte, der Gefahr in's Geſicht zu bliken.
Das Thermometer ſtieg auf 450 nach den Verſuchen von Fordice und Vankes aber, beſann ich mich, können die menſchlichen Nerven eine beſtimmte Zeit lang, eine mehr als doppelt ſo große Hize aushalten, ohne weſentliche Störungen zu erleiden. Ein Schatten von Hoffnung belebte mich wieder, als ich mich meiner eigenen, zahlreichen Verſuche erinnerte.
Larochefoucault's Kind war in einem Ofen von 142 Grad. Sonnerat erzählt, daß es in den heißen Quellen von Manilles bei 65“ lebendige Fiſche gebe. Der— ſelbe hatte auf der Inſel Lugon Pflanzen geſehen, deren Wurzeln von einem Vache beſpült werden, der 79% mittlerer Temperatur hat. Endlich beruhigte ich mich noch mit dem Glauben, der Keſſel werde nur durch das obere Feuer


