e
nachher ſehen oird. Ein gewaltiger Balken fiel ſofort ſenkrecht auf den Rand des Keſſels; das Kupfer gab nach, ohne zu brechen; nach Innen hatte er gros
ße Bukel bekommen. Bei dem furchtbaren Wiederhall in meinem kupfernen Gefängniſſe hielt ich mich für verloren. Ich ſuchte die Seiten des Keſſels hin⸗ anzuklimmen. Unnüze Mühe! Sie waren ſpiegelglatt. Mein Gefängniß war wenigſtens vierzehn Fuß breit, und beinahe eben ſo hoch. Aus dieſer Grube konnte ich unmöglich herauskommen. Ich verſuchte nun, mir eine genaue Idee von meiner Lage zu verſchaffen; da wankte die ganze alte Mauer, und ſtürz⸗ te ein; die meiſten Trümmer rollten über meinem Haupte weg Als ich vol⸗ lends den brennenden Ofen über mir ſah, gab ich mich der Verzweiflung hin. Es regnete glühende Aſche; ſie war ein feuriger Schnee. Ich hielt mich gegen die Wände des Keſſels, um den brennenden Stüken, die durch die Oeffnung her⸗ abfielen, weniger ausgeſezt za ſein. Ich erwartete jeden Augenblik den Tod, ſchloß ſchon die Augen, neigte das Haupt, und bükte mich, um den Todes⸗ ſtreich zu empfangen. Ich ward wieder zu mir ſelbſt gebracht durch das blen⸗ dende Leuchten der Flammen, die zügellos, wie aus dem Krater eines Vulkans, von allen Seiten herausfuhren, und in deren Wiederſchein mein kupfernes Ge⸗ fängniß wie Gold glänzte.
Während die Feuersbrunſt ſo tobte, klangen mir die Ohren im Kopfe, und über mir, um mich und in mir gingen Dinge vor, die kein menſchlicher Geiſt faſſen, keine Feder beſchreiben kann.
Nach einiger Zeit begann es ruhiger zu werden, und ich ſann auf ein Mittel, aus dem Keſſel zu kommen. An dem Kupfer hinaufzuklimmen, war unmöglich; ich machte aus meinen Kleidern ein Seil, befeſtige einen Stein daran, und warf ihn in die Höhe, in der Meinung, am Rande der Oeffnung werde er ſich einhaken, und ſo könne ich an dem Seile mich hinaufſchwingen. Vergeblich! Der Keſſel war nicht höher, als die Terraſſe, und bot keinen An⸗ halt ungs punkt dar. Ich ſchrie, ſo ſtark ich konnte. Keine Antwort. Ich warf einen Stein gegen die metallenen Wände meines Gefängniſſes; das Geräuſch, das ſonſt die halbe Stadt gehört hätte, verlor ſich unter dem Gepolter und Gepraſſel der herunterſtürzenden Balken und unter dem Geſchrei der Mau⸗ rer und Zimmerleute.
Ich ſuchte mich ſo gut als möglich zu faſſen, und in Geduld das En⸗ de des Brandes abzuwarten. Dann kam ich auf den Gedanken, man werde mich vielleicht hören, wenn ich durch den Hahn des Keſſels riefe. Ich ließ mich auf die Knie nieder, um meinen Mund an die Oeffnung des Hahns bringen zu können. An meinen Händen trug ich dike ganz durchnäßte Handſchuhe; ſo konnte ich erſt, als ich mit meiner Wange das Kupfer berührte, von der ſchrek⸗ lichen Wahrheit mich überzeugen: das Kupfer war brennend heiß. Noch kann ich nicht ohne Zittern an meine entſezliche Lage denken. Augenbliklich ſtand ich wieder auf, machte die größten Anſtrengungen, zu klettern, zu ſpringen — den Himmel hätte ich zu erſteigen verſucht. Ich ſchrie, ich brüllte nach Hil⸗ ſe. Das Kniſtern der Flammen war die einzige Antwort. Ich ſezte mich auf einen Haufen Schutt und dachte, nun ſollte ich im eigentlichſten Sinne in ei⸗ nem ſieben fach geheizten, ehernen Ofen erprobt werden.
(Beſchluß folgt.)


