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Aufopferung für deſſen Vergnügen auf⸗ wandte. J., N. U. Stuttgart. Dem. Schebeſt be⸗ ſchließt ihre Gaſtrollen mit dem Romeo, und wird ſich nach dem Norden bege— ben; wie man vernimmt, ſoll ſie ſich in Nürnberg angekauft haben.(Der Nürnb. Korreſp. bemerkt, daß nur die Mutter der Dem. Schebeſt und ihre Schweſter in Nürnberg ihren Wohnſiz nehmen werden.) Dieſe Künſtlerin hat jezt bei Weitem nicht jenen allgemei⸗ nen Enthuſiasmus erregt, als das frü⸗ here Mal, wenn gleich ihre Verehrer es an nichts fehlen ließen, dieſen zu nähren. Sie vergriffen ſich aber offen— bar in den Mitteln. Uebertriebene Lob⸗ preiſungen zwingen am Ende auch die Ruhigſten und Beſonnenſten, Partei zu nehmen und dies wirkt dann ſtets nachhaltiger. Deſſenungeachtet fehlte es auch diesmal nicht an Hervorrufen und Ständchen; ja man veranſtaltete ſogar eine Subskription, um der ſcheidenden Künſtlerin ein ſichtbares Andenken an die hieſigen Kunſtfreunde zu hinterlaſ— ſen. Es ſoll ein Ring werden, der das Bildniß der Dem. Schebeſt ent— halten wird, von unſerm geſchikten Hofgraveur Hirſch in Stein geſchnitten.
Mignon⸗Zeitung.
Straßburg. Zu Oberhausber⸗ gen, in der Nähe von Straßburg, fand ein von einer Reiſe zurükgekehrter Ein— wohner ſein Söhnchen ermordet. Sei— ne wahnſinnige Schweſter hatte ihm mit einem Naſſiermeſſer die Kehle ab— geſchnitten.
Wien. Im Verlaufe dieſes Mo⸗ nats(Dezember) erſcheint bei Franz DTendler eine angenehme Neujahrs⸗ Spende:„Reifperlen“, Novellen von Auguſt Schilling, in 8. mit Kupfer. Druk von Sollinger, Velin⸗ papier.
Gotha. Der Sekretaͤr der hie⸗ ſigen herzoglichen Bibliothek, Woller, fand in dem geheimen herzoglichen Ar- chiv, als er die Schriften deſſelben ordnete, mehrere Briefe Voltaire's an die Herzogin Louiſe Dorothea v. Sach— ſen⸗Gotha, geborne Prinzeſſin v. Sach— ſen⸗Meiningen(geſtorben 1767), mit welcher er in Korreſpondenz ſtand. Sie ſollen im Druk erſcheinen.
Buntes aus Paris. DerlHer⸗ zog u. die Herzogin v. Orleans über— ſchikten dem Biſchof von Gap, de La— croir, 1000 Franken zur Unterſtäzung ſeiner frommen Unternehmungen.— Das Polizeigericht ſprach vor Kurzem an einem Tage 128 Verurtheilungen wegen Polizeivergehungen aus.— Dr' Alibert, der erſte Leibarzt des Königs Karl X., ſtarb vor Kurzem im 70-ten Jahre ſeines Alters.— Seit Kurzem erſcheint in Paris ein neues Theater- Journal:„Le Gamin de Paris.“—
New⸗ Mork. Es erſcheinen ge⸗ genwärtig in den Vereinigten Staa⸗ ten von Nordamerika ungefähr 1200 Zeitungen, welche jährlich nach einer mäßigen Berechnung 100,000 bedeuten— de Seiten liefern. Wären ſie vereini— get, ſo daß ſie ein fortgehendes Blatt bildeten, ſo würde dieſes Blatt vier Mal ſo lang ſein als die Entfernung von einem Pole zum andern; brächte man ſie in die Form von Büchern, ſo würden ſie jede Minute, das ganze Jahr hindurch, ſechs Bände von der Größe der Bibel geben.
München. Das Publikum ſtröm— te heute(25. Nov.) Vormittag nach dem Plaze vor dem Juſtizgebäude, um ei⸗ nen Menſchen am Pranger ſtehen zu ſehen, welcher zu dieſer Strafe und 8⸗jährigem Strafarbeitshauſe verur— theilt worden, weil er ſich nicht entblö— det hatte, in einer hieſigen Kirche Meſ— ſe zu leſen u. Beichte zu hören; auch auf dem Lande ſoll er durch falſche


