Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
774
 
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geſchäzte Beneſtzlantin, Mad. Grill (Baronin Frescati) war zu wenig und zu undank bar beſchäftigt, um ihr Ta lent gewohnterweiſe entfalten zu kön nen. Dem. Hoch(Miß Anna Damby) ſpielte mit Gefühl, nur manchmal et mas zu weinerlich. Lob verdienen noch die H. H. Berg, Pauli und Fröhlich. Die Dekoration und Arrangement des 4. Aktes(das Innere des Drury lane⸗Theaters darſtellend) waren ſehr ſchön und wirkfam. Das Haus war voll und Tags darauf, als das Stük wiederholt wurde, noch voller. Temes var(27. Nov. 1857). Unſer Schauſpiel haus iſt, nach deſſen vollendetem Umbau, am 4. Nov. mit demPariſer Taugenichts eröffnet, und ſomit die geſpannteſten Erwartun gen unſeres kunſtſinnigen Publikums befriedigt worden. Alle Klaſſen der Be völkerung ſtrömten während der Dauer des Umbaues in das Schauſpielhaus, gleichwie nach einem Wallfahrtsorte, und es wimmelte daſelbſt von Morgen bis Abend von Beſuchern. Dieſe edle Vorliebe für die Kunſt iſt denn für das hieſige Publikum verzüglich charak teriſirend. Aber auch nur im Vertrauen auf dieſen Kunſtſinn konnte Direktor Theodor Müller den Ent ſchluß wagen, das Theater auf eigene Ko⸗ ſten ganz neu herzuſtellen. So wie aber Hr. Theodor Mäller ſich dazu entſchloß, ſo mußte er auch der Ehrenverpflichtung, die er dem Publi kum gegenüber einging, auf eine die ſes Leztern würdige Weiſe entſprechen. Und wahrlich, ſo wie unſer Theater ſich neu erhob, u. das Hrn. Mäller nahe an 20,000 fl. W. W. koſten mochte, ſo wird es wenigen Provinzialbühnen an Eleganz u. Geſchmak nachſtehen. Nach dem es zu gleicher Zeit vorgrößert ward, enthält es nunmehr 74 Logen, 185 Sperrſize, und faßt im Ganzen leicht 1000 Menſchen. Sowohl ſämmt⸗

liche Logen, als das Uebrige des Thea⸗ ters ſind mit eleganten Papier- Tape⸗ ten lerſtere roſa, lezteres milchweiß u. Gold) aus der rühmlich bekannten Tape⸗ ten⸗Niederlage des Hrn. Klobaſſer in Wien bekleidet, welches durch eine gro⸗ ße Aſtrallampe des Wiener Fabrikanten Hrn. Chriſtian Kaufmann beleuchtet, einen herrlichen, ja feenartigen An blik gewährt. Die nach dem Vorbild des k. k. Vurgtheaters geſchaffenen Por tallogen ſind nicht minder eine groß artige Zierde unſeres Kunſttempels. Mit ſolcher Eleganz und Zierlichkeit ausgeſtattet, ward unſere Bühne, wie oben erwähnt, am 4. Novomb., unter ſtürmiſchem Beifall des zahlreich her⸗ beigeſtrömten Publikums, eröffnet, und gab das glänzendſte Zeugniß von ſei nes Erbauers preiswürdigem Beſtre ben. Außer dem Eröffnungsſtüke:der Pariſer Taugenichts, verdienenRo bert der Teufel,Garrick in Bri ſtol!,der Gang in's Irrenhaus, die Bekenntniſſe,Norma,Stra niera,Kerker und Krone,Griſel dis,der Verſchwender,die Braut bemerkt zu werden, die, innerhalb dieſes kurzen Zeitraumes gegeben, für das gute Repertoir zeugen. Im Schau ſpiele zeichnen ſich Hr. u. Mad. Treu⸗ mann, Dem. Saalfeld, Hr. Kreibig; in der Oper Herr und Mad. Conti, Dem. Auchter und Hr. Herz vorzüg lich aus. So wie auf dieſe Weiſe Hr. Direktor Theod. Mäller durch den Aufwand bedeutender Kapitalien und durch geſchmak volle Durchführung ſei nem Verſprechen ſowohl, als auch den Erwartungen, die man von ihm zu hegen berechtigt geweſen, trefflich ge gnügte; eben ſo weiß das hieſige kunſt ſinnige und loyale Publikum das für daſſelbe bewieſene Beſtreben vollkom men zu belohnen, und großherzig Dem zu begegnen, der alle einem Einzelnen zu Gebote ſtehenden Mittel mit ſeltener