767
am 2) ten d. M. gewiß eine wahre Freude empfunden haben, wenn er ſah, wie auf unſerm Theater die Affenvir⸗ tuoſität doch noch Anerkennung und Würdigung erhielt. Neſtroy's„Affe und Bräutigam“ ward zur Beneſize des Hrn. Donua bei gefülltem Hauſe gegeben und die Hauptrolle gab ein Mitglied des hieſigen Ballets, Herr Kajdan, der ſich als würdiger Schüler Kliſchnigg's bewies, da er den Affen mit ſo vieler Natur, Wahrheit und Gym— naſtik darſtellte, daß er ſich einſtimmi⸗ gen Beifall erwarb, und auch ſeinem Meiſter, Falls er ſich unter den Zu— ſchauern befand, gewiß eben ſo Vergnü⸗ gen gemacht haben— als dieſer zu dem Troſte u. der Beruhigung gelangt ſein muß, daß der Saz eines Klaſſikers: Zu allen Zeiten, wo die Kunſt verfiel, Iſt durch die Künſtler ſie gefallen, wenigſtens bei den Affenkünſten nicht anwendbar iſt.— Die Poſſe ſelbſt iſt voll Leben und roſiger Laune u. Herr Lang ſpielte ſeine Rolle bei köſtli⸗
chem Humor.— Ein beſonderer Reiz:
dieſer Vorſtellung waren die beiden Pasdedeux des Hrn. Abeles und der Dem. Wirdiſch, ein ungariſches u. ein polniſches. Dem. Wirdiſch iſt anerkannt als eine der vorzüglichſten Tänzerinen und man weiß, daß Hr. Abeles im ungariſchen Nationaltanz gegenwärtig unübertrefflich iſt. Er vereint edlen Anſtand mit einer ungemeinen mecha— niſchen Beweglichkeit und trifft mit einer großen Taktmäßigkeit den ächten Nationalton. Aber auch in der Ma— ſurka bewies er ſich als gewandter Tänzer, der mit graziöſer Leichtigkeit über die ſchwierigſten Pas hingleitet. Er erntete großen Beifall und ward mit Dem. Wirdiſch zweimal gerufen. — Heute, Sonnabend, zur Benefize der Mad. Grill:„Kean“, nach dem Franzöſiſchen des Alexander Dumas.
Literatur.
Leipzig.„Theoretiſch- praktiſche Grammatik der eng li ſchen Sprache für Lehrer und Lernen⸗ de, von Konrad Lüdger, ehe⸗ maligem Privatlehrer mehrerer le bender Sprachen in London, Bre⸗ men, Hamburg u. Leipzig. Vierte, durchaus umgearbeitete und ver⸗ beſſerte Ausgabe von Johann Sporſchil. Leipzig, bei G. J. Göſchen. 1857.“— XIV. 508. S. gr. 8. Preis 1 fl. 15 kr. C. M.
Die Sprache Shakſpeare's und Mil⸗ ton's, ſeit Jahrhunderten das Lieb⸗
lingsſtudium der gebildeteren Klaſſen. und, durch die in neuerer u. neueſter Zeit errungene Vollkommenheiten un⸗ gleich mehr einer Vorliebe würdig, iſt nun durch die zunehmende Ausdehnung des Verkehrs und durch die Forderun— gen des Zeitgeſchmakes in Deutſchland und Ungarn, zum wahren Bedürfniß geworden; allenthalben iſt daher der Wunſch vorherrſchend, mit ihr ver— traut zu werden: aber die Schwierig⸗ keiten, die das Leſenlernen bietet, ſtellen ſich oft ſo abſchrekend entgegen, daß nicht ſelten das mit Eifer Begon⸗ nene, wieder aufgegeben wird, u. We⸗ nige können ſich ſchmeicheln, vorwärts gekommen zu ſein!— Herrn Spor—⸗ ſchil, dem vielhekannten, muſterhaf⸗ ten Ueberſezer vieler intereſſanter eng— liſcher Werke, verdanken wir die Ue⸗ berzeugung, daß nur das Mangelhafte der Lehrbücher das Leſenlernen ſo müh⸗ ſelig machte: er brachte in feſte Re⸗ geln, was man vorher blos durchein⸗ ander geworfen vortrug, ſchied unnüze Weitläufigkeiten aus, vereinigte die Methode ſeines trefflichen Vorgängers mit der des genialen Walker's, und gab Alles ſo anſchaulich und klar, daß, bei dem Allgemeinerwerden ſeines Hand⸗ buches, man ſicher bald aufhören wird,


