Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
763
 
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763

Ja, ſagte Euphroſine,la, beſorgen Sie das Nachteſſen nur ſo bald als möglich.

In der Minute, meine Damen.

Die Wirthin entfernte ſich und ließ den Paß auf dem Tiſche liegen.

Euphroſine griff haſtig darnach und ſagte:

Wir haben vielleicht nicht nöthig, Herrn Durand zu ſehen; da iſt ja ſein Portrait.

Sie las:Im Namen des Königs... Peter Ignaz Durand... Er beißt alſo Ignaz; welcher häßlicher Name!

Du gibſt ihm einen andern nach deinem Geſchmake, ſagte die Mutter.

Euphroſine ging jezt an das Signalement; bei dem erſten Worte er⸗ blaßte ſie, ihre Hand zitterte und ſie ſagte zu ihrer Mutter:

Werde ich ihm auch andere Haare nach meinem Geſchmake geben können?

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Haare roth.

Noth! ſchrie Madame Dutillo is.Ach! Herr Lombard! Herr Lombard!

Dies iſt noch nicht Alles, fuhr Euphroſine kalt fort,hören Sie nur, Mama.

Stirne nieder, Augenbraunen roth, Augen grau, Naſe groß, Mund groß, Bart roth, Geſicht blatternarbig, beſondere Kennt zeichen: eine Warze auf der Naſe.

Madame Dutillois war außer ſich; Euphroſine hatte, wie ein Mädchen, das wohl weiß, es könnte ihm nicht an einer Partie fehlen, ſeinen Entſchluß kurz gefaßt. Die Wirthin erſchien wieder, kündigte an, daß das Nachteſſen bereit ſtehe, und fügte bei:

Herr Durand iſt noch auf; er hat ſo eben Dinte, Feder und Papier verlangt..

Laſſen wir dieſen Herrn, erwiderte Euphroſine,er intereſſirt uns nicht, wir kennen ihn gar nicht; der, den wir ſprechen wollen, iſt mein Va ter; er iſt fünfzig Jahre alt.

Den andern Tag war Leo eben im Begriffe, nach Bony zu gehen, als er einen Brief von Madame Dutillois erhielt. Das Kompliment war auf ar⸗ tige Weiſe eingekleidet; man berief ſich auf unvermuthete eingetretene Hin⸗ derniſſe und brachte Entſchuldigungen vor, die keinen Einwurf zuließen.

Leo begriff, daß ihn das Schikſal zum Cölibat beſtimmt habe. Er fügte ſich in daſſelbe, und trat etwas traurig den Weg nach Paris an. Zu Fontai⸗ nebleau ſagte der Brigadier der Gensd'armerie, der ſeinen Paß examinirte:

Wetter auch! Das iſt ein Glük für den Herrn, der geſtern drei Stun den von hier arretirt wurde... Ignaz Durand, rothe Haare, blatternar⸗ big, eine Warze... Ganz richtig; und, ſezte er hinzu, indem er ein an⸗ deres Papier entfaltete:Leo Durand, Haare ſchwarz, Naſe mittlere, Ge⸗ ſicht oval... Alles ſtimmt überein. Sehen Sie, mein Herr, wir haben geſtern einen Irrthum begangen; es waren zwei Durand; der eine kam von Paris, der andere ging dahin; man hat die Päſſe bei der Rükgabe verwech⸗ ſelt. Dieſes Verſehen hat unangenehme Folgen für Ihren Namensbrudet ge⸗ habt, der arretirt und in das Gefängniß unſerer Stadt gebracht wurde. Aber